Energiesparen und eine Halbjahresbilanz

Wie auch schon 2020 und 2021 genießen viele von uns in diesen Tagen, wie alle anderen Menschen auch, auf Teufel komm raus die Leichtigkeit des Sommers. Wir reisen, erholen uns, machen Ausflüge, gehen essen, erleben was. Corona? Krieg? Strom- und Gaspreise? Ach, lass mir doch wenigstens diesen Sommer noch! Das Hier und Jetzt genießen!

Aber im Grunde unseres Herzens wissen wir, dass sich diese Leichtigkeit schneller verflüchtigen wird als ein Dolomiti in der Sommersonne. Als Touristiker sind wir alle schon wieder am Rotieren, denn angesichts der rasant steigenden Energie- und Rohstoffkosten, der Personalknappheit und einer anzunehmenden Rückkehr der einen oder anderen Coronamaßnahme ab Herbst müssen wir unsere Geschäftsprozesse und das ganze Geschäftsmodell schon wieder neu erfinden und vom Kopf auf die Füße stellen und von den Füßen wieder auf den Kopf. Zu vieles hat sich grundlegend geändert, der Planungshorizont hat sich wieder einmal zerschossen. Hintergrundgespräche mit Hoteliers und Gastronomen haben uns darin bestärkt, dass wir in der Planung langfristig kaum mehr mit halbwegs sicheren Fixpreisen arbeiten können, zu volatil ist die Lage für alle Beteiligten. Aber kann man alles – mit Risikoaufschlag – an den Kunden weitergeben? Oder selber schlucken nach zweieinhalb Jahren Corona? Wie soll das gehen?

Ja, der Juni 2022 ist der beste Juni aller Zeiten, was die offiziellen Übernachtungszahlen vom Statistischen Landesamt anbetrifft: Mit 82.492 Übernachtungen ist der Juni 2022 um +11,2 % besser als der letzte Vor-Corona-Juni 2019. Und das Übernachtungsdefizit im aufgelaufenen Zeitraum Januar bis Juni ist auf -9,3 % geschrumpft. Im Bamberger Land hängt der Juni nur noch mit -5,7 % hinter 2019 zurück, und für das laufende Jahr beträgt das Defizit noch -12,7 % gegenüber 2019.

Auch im Stadtbild und in der Tourist Info sieht man viele Menschen, die Stadt ist belebt und voll, Buchungen und Buchungsanfragen bewegen sich auf einem sehr guten Niveau. Aber das Geschäft im Hintergrund ist immer noch weit weg von normal. Auffällig ist nach wie vor die extreme Kurzfristigkeit der Buchungen und der dreimal so hohe Aufwand für jede einzelne Buchung, und gerade im Flusskreuzfahrergeschäft – aber nicht nur dort – viele, viele Umbuchungen und Stornierungen. Das sorgt im Hintergrund für viel Stress und deutlich mehr Arbeit, bei maximal gleichbleibendem Umsatz und sinkendem Gewinn. Das Defizit von 2021 lassen wir locker hinter uns, aber wie nah wir an ein ordentliches Jahr rankommen, das wird davon abhängen, wann die Ahnung des Endes der Leichtigkeit auch bei den Kunden ankommt, wann die Menschen kein Geld mehr für Reisen ausgeben können oder einfach nur nicht mehr gewillt sind, die Preissteigerungen mitzumachen.

Das mal als kleines Zwischenfazit des laufenden Jahres. Einen Anflug von Optimismus möchte ich nicht verhehlen, angesichts dieser Junizahlen und unseren Buchungen und Verkäufe der Sommermonate Juli und August und des bevorstehenden, normalerweise immer sehr starken Septembers. Aber für den kommenden Winter können wir einen kleinen Vorrat an Optimismus, der uns da durchträgt, auch brauchen.

Ich habe Ihnen aber doch eigentlich Informationen versprochen zur Energiefrage.

Also: Energie! Wir selbst haben auch schon unsere Außenbeleuchtung abgeschaltet und zittern den angekündigten 19 Grad Bürotemperatur entgegen. Auch die großen Sehenswürdigkeiten der Stadt sind nicht mehr beleuchtet nachts. Atmosphärisch und ästhetisch nicht schön, aber in einer solchen Situation, in der die Gesellschaft zusammenstehen muss, und angesichts der drohenden Alternativen, einfach das Gebot der Stunde. Deswegen wollte ich Sie auf ein Webseminar hinweisen, das unser Partner FrankenTourismus beworben hat.

Das kostenlose Webseminar „Energieeffizienz und regenerative Energien für Gastronomie und Tourismus“ am 19.9.2022, 9.30 Uhr bis ca. 13.30 Uhr dürfte in dieser Hinsicht spannend werden. Das C.A.R.M.E.N.-Webseminar zeigt, wie touristische Leistungsträger kurzfristig Energie einsparen und sich mittelfristig mit heimischen Erneuerbaren Energien versorgen können. Über einen Livechat können die Teilnehmenden schriftlich ihre Fragen einreichen.

Hier geht’s zu weiteren Infos und zur Anmeldung für das Webseminar.

Ebenfalls haben uns die Kolleginnen und Kollegen von FrankenTourismus etliche Infos und Anlaufstellen rund um Fördermöglichkeiten und Energieeffizienz zusammengestellt, was ich ab hier gerne weitergebe, samt aller Links und Verknüpfungen:

Förderung durch das EEG

Zentrales Instrument für die Förderung der Erneuerbaren Energien in Deutschland ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Das EEG verpflichtet Netzbetreiber unter anderem, Strom aus regenerativen Energiequellen abzunehmen. Bei Anschluss einer Photovoltaik (PV)- oder Windenergie-Anlage an das Stromnetz kann eine EEG-Vergütung in Anspruch genommen werden, welche auf 20 Jahre zuzüglich des Inbetriebnahme-Jahres begrenzt ist. Die Förderung kann als Zahlung einer Einspeisevergütung, einer Marktprämie oder evtl. eines Mieterstromzuschlags erfolgen. Die Höhe der Vergütung ist dabei abhängig von der Gesamtleistung der Anlage, ggf. ist auch die Teilnahme an einer Ausschreibung erforderlich. Eine gute Übersicht zu den Förderfällen und -arten findet sich im Energie-Atlas Bayern unter dem Link: Förderfälle und -arten gemäß EEG 2021 in Bayern.

  • Allgemeine Links

Für aktuelle Informationen zu energetischen Förderprogrammen dürfen wir auf folgende Angebote hinweisen:

  • Landesförderung

Die Fördermöglichkeiten auf Landesebene sowohl durch das StMWi wie andere Ressorts finden sich in oben genanntem „Wegweiser für Energieprojekte in Bayern“ speziell für Unternehmen ab S. 41 ff. ausführlich und themenbezogen dargestellt. Für Erneuerbare-Energien-Anlagen kann insbesondere auf nachfolgende Förderungen hingewiesen werden:

  • Für KMU in Bayern, die in die Bereiche Energieeffizienz, Energieeinsparung und regenerative Energien investieren möchten, besteht die Möglichkeit der Finanzierungshilfe im Rahmen des Energiekreditprogramms der LfA Förderbank Bayern. Bezieht sich die Energieeffizienz auf das Firmengebäude, kommt das Energiekreditprogramm Gebäude – ebenfalls der LfA Förderbank Bayern – in Betracht. Nähere Informationen hierzu auch unter dem Link: https://www.stmwi.bayern.de/foerderungen/energiefoerderung/. Zuständig für den Programmvollzug ist die LfA Förderbank Bayern, die Ihnen auch gerne bei Rückfragen Auskunft erteilt (Link: https://lfa.de/website/de/foerderangebote/umweltschutz/index.php).
  • Mit dem Sonderprogramm „Energieeffizienz und Erneuerbare Energien in Unternehmen“ sollen im Rahmen der Bayerischen Regionalförderung Investitionsvorhaben von KMU gefördert werden, mit der zusätzlichen Voraussetzung, dass mit dem Vorhaben eine signifikante Reduzierung des Primärenergieverbrauchs verbunden ist. Die Förderkonditionen sind in der Richtlinie zur Durchführung des bayerischen regionalen Förderungsprogramms (BRF) bzw. im Koordinierungsrahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) sowie im Beiblatt zum Sonderprogramm geregelt (Link: https://www.stmwi.bayern.de/foerderungen/regionalfoerderung/). Ansprechpartner für eine Förderung nach dem BRF sind ebenfalls die Bezirksregierungen.
  • Bundesförderung

In der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) (Wohngebäude, Nichtwohngebäude, Einzelmaßnahmen) (Link: BMWK – Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) (deutschland-machts-effizient.de) können bei Neubau und Sanierung u.a. auch stromerzeugende Anlagen wie z.B. PV und Stromspeicherung für die Eigenstromversorgung mitgefördert werden, wenn für diese Anlagen keine Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Form einer Einspeisevergütung in Anspruch genommen wird. Nähere Informationen, auch zu weiteren förderfähigen Maßnahmen, sowie die aktuellen Programmkonditionen finden sich auch unter den Links: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Bundesf%C3%B6rderung-f%C3%BCr-effiziente-Geb%C3%A4ude/; BAFA – Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).
Wenn Sie eine BEG-Förderung in Erwägung ziehen, sollte ein Energieberater/eine Energieberaterin der Energieeffizienz-Expertenliste (Link: https://www.energie-effizienz-experten.de/) vorab eingebunden werden.

In dem Zusammenhang darf auch auf das Förderprogramm der KfW „Erneuerbare Energien – Standard“ (Programmnummer 270, Link: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/%C3%96ffentliche-Einrichtungen/Soziale-Organisationen-und-Vereine/Energie-und-Umwelt/Erneuerbare-Energien-Standard-(270)/) hingewiesen werden, in dem u.a. PV-Anlagen auf Dächern, an Fassaden oder auf Freiflächen und Batteriespeicher durch zinsgünstige Kredite gefördert werden. Antragsberechtigt sind u.a. Unternehmen. Falls eine PV-Anlage umgesetzt wird, kann in diesem Programm die empfehlenswerte energetische Sanierung des Daches mitfinanziert werden. Sofern für die Anlagen eine Förderung nach dem EEG, dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz oder eine vergleichbare staatliche Förderung (zum Beispiel in Gestalt einer Einspeisevergütung) in Anspruch genommen wird, darf die Anlage nur mit einem KfW-Kredit ohne staatliche Beihilfen finanziert werden.

Einen Überblick über die Kredite und Zuschüsse der KfW für Unternehmen in Sachen Energie und Umwelt finden Sie unter dem Link: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Unternehmen/Energie-und-Umwelt/.

  • Ladesäulen

Auf folgende Fördermöglichkeiten zum Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge wird aufmerksam gemacht:

Corona, die Zweite!

Jahresbericht 2021 des BAMBERG Tourismus & Kongress Service

Wie lange wir schon unter den Vorzeichen der Pandemie leben und wie sehr wir uns daran gewöhnt haben, dass nichts mehr ist wie vorher, zeigt sich allein schon daran, dass man die dritte Absage der ITB in Folge – der weltgrößten Reisemesse in Berlin – vor wenigen Wochen nur noch mit einem Schulterzucken quittiert hat. Gleichzeitig verweist diese nonchalante Hinnahme eines früher undenkbaren Ereignisses auf die größeren Folgen der Pandemie für den Tourismus: Wer vermisst denn die ITB wirklich? Und wird sie jemals wieder zu solcher Größe und Bedeutung anwachsen wie früher? Werden die Menschen wieder so Urlaub machen wie früher, tagen wie früher, in Gruppen reisen wie früher, an Führungen teilnehmen und Pauschalreisen buchen, Städtereisen und Tagesausflüge unternehmen wie früher? Und damit sind wir schon mittendrin im diesjährigen Rückblick und Jahresbericht des TKS für das Jahr 2021 – das zweite Jahr mit Corona.

Die Übernachtungsstatistik

Den heute veröffentlichten statistischen Zahlen muss man voranstellen, dass man von 2021 auf 2020 ja eigentlich Äpfel mit Birnen vergleicht, so unterschiedlich waren die Voraussetzungen und Bedingungen dieser beiden Jahre. Zieht man das Jahr 2019 noch zur Relation hinzu, was sinnhaft ist, dann vergleicht man Äpfel mit Blumenkohl, derart absurd unterschiedlich sind die Grundlagen, die diesen Vergleich tragen müssen. Aber dennoch, die Zahlen sprechen für sich:

Was die Übernachtungen anbetrifft, erzielten wir in der Stadt mit 462.099 Übernachtungen ein Plus von 4,7 % gegenüber 2020, allerdings immer noch ein Minus von 37 % gegenüber 2019. Erstaunlich stark waren die drei Monate August, September und Oktober, die sogar mehr Übernachtungen brachten als im Jahr 2019 – das war der Sommer der ungetrübten Hoffnung. Und die Statistik zeigt auch, dass die stille Stadt im November und Dezember 2021 trotzdem deutlich mehr Übernachtungsgäste hatte als in der echten Grabesruhe des November- und Dezember-Lockdowns 2020.

Übernachtungsentwicklung 20112021 Bamberg und Bamberger Land

Übernachtungszahlen 2010-2021 Bamberg Stadt – nach Monaten

Die Bettenauslastung verharrte mit 35,9 % weiter auf dem niedrigen Niveau von 2020 (35,7 %) und ist noch weit weg von den Traumzahlen von 51,8 % im Jahr 2019. Klitzekleiner Lichtblick und Ergebnis des veränderten Reiseverhaltens in Coronazeiten war die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 2,0 Tagen in der Stadt (früher bei 1,8 Tagen festbetoniert) und sagenhaften 2,4 Tagen im Bamberger Land. Dort gab es insgesamt 276.649 Übernachtungen, eine Erholung von +5,7 % gegenüber 2020, aber auch hier weiterhin ein Verlust von -28,5 % auf 2019. Die Bettenauslastung lag hier bei 26,2 % im Gegensatz zu 33,3 % im Jahr 2019. Zusammen sind wir damit wieder bei 738.748 Übernachtungen in Stadt und Land, also weiter weit weg von der Millionenmarke, die wir gemeinsam vor fünf Jahren erstmals überschritten hatten. Der Anteil ausländischer Gäste, wen wundert es, fiel in Stadt und Land auf rund 8 %.

Der Städtetourismus gilt weithin als größter Verlierer der Pandemie, die hohen Verluste des Jahres 2020 konnten landauf landab nur in kleinen Schritten wieder gut gemacht werden. Bei uns hat sich die langjährige gute Tourismuskooperation mit dem Bamberger Land in diesen zwei Jahren bezahlt gemacht, insofern als wir das Rad nicht neu erfinden mussten und von Anfang an auf bestehende Strukturen für den „Urlaub im eigenen Land“ bauen konnten, in der Kombination von Stadt und Land!

Vertriebs- und Umsatzentwicklungen

Kommen wir zu unseren wichtigsten Geschäftszweigen: Stadtführungen für Gruppen, unser Brot- und Buttergeschäft mit einem Umsatzvolumen von über 900.000 € in einem „normalen Jahr“, kamen 2021 auf karge 272.967 € Umsatz, ein Plus immerhin von 23,7 % auf 2020, allerdings immer noch -70 % auf 2019. Insgesamt verbuchten wir 3.100 Führungen statt 2.747 im Jahr 2020 und 8.772 im Jahr 2019. Die reine Anzahl der öffentlichen Führungen für Einzelreisende lag bei respektablen 1.384 Führungen, zwar nochmal 100 weniger als 2020, aber das lässt sich mit der sehr langsamen Wiederanlaufphase nach dem Lockdown 2021 erklären.

Es liegt in der Natur der Pandemie und ihrer Beschränkungen, dass neben den Gruppenstadtführungen auch die Gruppenreisen weiterhin ein Schattendasein fristen. Mit einem Umsatz von 30.682 € lagen sie weiter -82,3 % hinter dem Jahr 2019, auch wenn das Geschäftsvolumen sich zu 2020 immerhin wieder verdoppeln konnte. Das gleiche Bild bietet sich bei dem Vermittlungsgeschäft von Gruppenangeboten, das sich mit 21.089 € um 170 % zu 2020 steigern konnte, aber immer noch nur bei einem Viertel des Jahresumsatzes von 2019 liegt.

137 Buchungen im Bereich der Pauschalreisen bringen mit 86.986 € einen Umsatzzuwachs von 13,8 % gegenüber 2020, auch dieser Bereich erreicht damit aber immer noch nur 40 % des 2019er Volumens.

Die Tourist Info konnte zwar in den Sommermonaten 2021 mit hervorragenden Verkaufszahlen auftrumpfen, unterm Strich liegt der Gesamtumsatz mit 242.406 € aber weiter deutlich unter dem Niveau von 2019. Allerdings muss man hier die stärkere Verlagerung ins Online-Geschäft mit in Betracht ziehen und die sehr lange Schließzeit der Tourist Info, was auch erklärt, dass diese Zahl unter der des Jahres 2020 liegt (288.270 €).

Die Entwicklung der reinen Online-Verkäufe der Premiumprodukte des TKS – v.a. die Stadtführung „Faszination Weltkulturerbe“, BAMBERGcard und BierSchmeckerTour sowie die Gärtnerstadtführung und die Führung zur Bierkultur – legte somit 2021 auch deutlich zu: Hier lag der Umsatz mit 89.607 € trotz Pandemie 15 % über den Zahlen von 2019, ein klares Signal, dass wir mit der weiteren Digitalisierung der Buchungswege eine unumkehrbare Entwicklung fördern!

Existentielle Budgetfragen

Ein weiteres Jahr also, in dem wir weit hinter unseren Umsatzerwartungen bleiben. Gemessen an den rund 2,4 Mio €, die wir in einem „normalen Jahr“ als direkten Umsatz erwirtschaften, und an den 330 Mio € Bruttoumsatz, den unsere ganze Branche in Bamberg alleine in einem „normalen Jahr“ laut dwif-Gutachten von 2017 erwirtschaftet, sind die Dimensionen des Verlusts für uns und für den Wirtschaftsfaktor Tourismus nach wie vor dramatisch.

Der TKS hat in den Jahren 2010 bis 2019 im Schnitt 59 % seines Budgets durch eigene Erlöse selbst erwirtschaftet. Im Coronajahr 2020 fiel diese Quote auf 35 %, im Jahr 2021 lag sie bei 31 %. Rechnet man 2021 allerdings die Kurzarbeitsgelder in Höhe von 121.847 € und die beiden Wirtschaftshilfen für November und Dezember 2020 in Höhe von 216.414 € hinzu – dem staatlichen Ersatz für entgangene Einnahmen – kommen wir wieder auf eine vergleichsweise gute Refinanzierungsquote von 55,7 %. Unser ’20er Verlust wurde von der Stadt selbst ausgeglichen, im Jahr 2021 haben die staatlichen Hilfen ihren Anteil am ausgeglichenen Haushalt. Hinzu kommen massive Einsparungen und die paar wenigen Monate von Juni bis September, in denen man Geld verdienen konnte. Das blaue Auge, mit dem wir 2021 davongekommen sind, bezahlen wir allerdings mit einem Marketingetat, der nur noch ein Drittel von früher beträgt. Dank der Beschränkung auf kostengünstige Maßnahmen aus dem eigenen Haus und der Konzentration auf die Beteiligung an wenigen, aber hervorragenden Gemeinschaftskampagnen unserer touristischen Partner ist das durchaus mal ein, zwei Jahre auszuhalten. Es gibt aber auch nicht kürzbare Posten, wie zum Beispiel die Ausgaben für Buchungssysteme oder für die Website, und in meinen Augen auch die Ausgaben für unser Personal. Denn unsere Mitarbeitenden sind es, die tagein tagaus für Bamberg und das Bamberger Land arbeiten und unsere Ideen umsetzen, die Buchungen abwickeln und abrechnen, Produkte kreieren, Daten pflegen, die Kunden beraten und solche, die es noch werden sollen, informieren, und unermüdlich mit Multiplikatoren kommunizieren. Sie sind durch nichts zu ersetzen und eigentlich „unbezahlbar“.
Aber ohne Marketing wird es schwierig, das Niveau auf Dauer zu halten. Und das Problem unseres Budgets ist, dass wir von diesem niedrigen Marketingansatz nicht mehr wegkommen, denn auch für 2022 ist ja schon wieder absehbar, dass wir keine Gewinne machen werden, die auch nur annähernd an unsere alten Zahlen rankommen. Und Wirtschaftshilfen vom Staat wird es zumindest für uns keine mehr geben. Eine Teufelsspirale, die nur eine Richtung kennt. Wie können wir also bei mehr oder weniger statischem städtischen Budgetanteil und weiter ausbleibenden Einnahmen unserem städtischen Auftrag gerecht werden, den Tourismus zu fördern und uns und unseren Partnern mit dem entsprechenden Marketing wirtschaftliches Arbeiten zu ermöglichen und mehr als nur das Grundrauschen für die Destination leisten zu können? Das wird die große Aufgabe der nächsten Jahre werden.

Maßnahmen des Jahres 2021 – eine Auswahl

Stornokulanz
Die Zusage, alle gebuchten Leistungen – mit drei Arbeitstagen Vorlauf – kostenlos stornieren zu können, hat Wirkung gezeigt und gilt bis heute gemäß verschiedener Studien als eine der wesentlichen Buchungskriterien in Pandemiezeiten. Daher haben wir diese Zusage auch im Jahr 2021 aufrechterhalten und bedanken uns an dieser Stelle bei unseren Partnern, dass sie diese Flexibilität mitgetragen haben.

Social Media
Ausgehend von unserer 2020er Kampagne #wirsindBamberg haben wir im Jahr 2021 die Aktivitäten auf den Social Media Kanälen des TKS forciert und ausgeweitet. Ein eigenes Redaktionsteam kümmert sich nun mit einem durchgebauten Redaktionsplan um die Posts und Themen, vorrangig auf Facebook und Instagram, aber auch auf you tube sind die Filme des TKS und seiner Partner präsent.

Digitalisierung
Die Digitalisierung des Buchungssystems für unsere Produkte erreichte im Jahr 2021 einen großen Meilenstein. Alle unsere Eigenprodukte und für die Saison 2022 auch alle Erlebnisangebote unserer Partner sind nun direkt online auf der Website www.bamberg.info buchbar! TSmart heißt das neue Tool unseres Buchungssystems und ermöglicht unseren Kunden eine 24/7-Buchung all dieser Führungen, Konzerte, Theater, Fahrten und Schauspielführungen. Unsere Partner können ihre Ticketkontingente fortan direkt im System selbst pflegen und sind jederzeit im Bilde über die Verkaufsentwicklung.

Werbemittel
Etliche Broschüren haben wir aus Spargründen im Jahr 2021 unverändert ohne Neudruck fortgeführt. Einen Neuzugang im Broschürenportfolio haben wir allerdings mit dem neuen Prospekt „Erlebnisse in und um Bamberg“. Als eines der Nachfolgeprodukte des früheren Erlebnisführers bringt er den Kunden gezielt die buchbaren Erlebnisangebote, die Museumslandschaft und Ausflugsziele näher. Ein neuer englischsprachiger Stadtplan mit allen Infos kompakt auf der Rückseite ergänzt das Portfolio für die irgendwann einmal wieder anreisenden ausländischen Gäste. Weitere Sprachfassungen sind vorerst allerdings ausgesetzt. Ein gedrucktes Unterkunftsverzeichnis ist seit 2021 nicht mehr im Portfolio, hier obsiegte endgültig die nahezu vollständige Nutzungsverschiebung ins Netz.

Verkaufsschlager
2021 war auch das Jahr, in dem unser neues Lieblingsstück in den Verkauf kam: Der Sams-Keksausstecher! Dank einer Privatinitiative und einer Kooperation mit dem Autor Paul Maar höchstselbst und dem Erich-Kästner-Kinderdorf e.V. konnten wir als exklusive Verkaufsstätte für dieses einmalige Plätzchenförmchen fungieren, das auch noch Spendengelder für besagtes Kinderdorf generiert. Unser Verkaufsschlager des Jahres 2021!

Kommunikation
Die Journalisten kamen schneller wieder als die Reisenden. Kaum war im Juni 2021 das Reisen wieder möglich, hatten wir etliche Journalistinnen und Journalisten auf Recherchereise in Bamberg. Insgesamt, für die Kürze des Zeitfensters, waren wir mit 19 Recherchereisen gut bedient. Selbst eine Verkaufsförderungsveranstaltung der Fränkischen Städte in Wien für Reiseveranstalter und Medienvertreter konnte im November gerade noch stattfinden.

Website
Anhand der monatlichen Nutzerzahlen der Website www.bamberg.info kann man sehr gut den Verlauf der Pandemie nachverfolgen. Der Lockdown brachte auch die Website-Nutzung wieder zum Erlahmen, führte im Sommer zu neuen Höhen und brach zum November hin wieder ab. Die Zahl der unique visitors im Jahr 2021 lag bei 368.487, die insgesamt 1.702.678 Seiten aufgerufen haben. Das Problem dieser Statistik bleibt: Seit der Einbindung des Cookie-Consent-Buttons ist die Zahl nicht mehr mit alten Werten vergleichbar, denn sie spiegelt in keiner Weise mehr die tatsächliche Zahl der Nutzer wieder, da nur die der Statistikerhebung zustimmenden Nutzer gezählt werden können. 
Neben der ständigen Aktualisierung und mannigfachen Hinweisen auf die jeweils gültigen Corona-Regeln konnten 2021 auch einige gänzlich neue Bereiche aufgebaut werden, so z.B. die Darstellung der Gemeinden des Bamberger Landes als Ausflugsziele unter automatischer Bündelung aller Sehenswürdigkeiten, Hotels und Restaurants sowie Wanderwege und Radwege der jeweiligen Gemeinde.

Tourismusblog
Der vorliegende Tourismusblog www.blog.bamberg.info war das Hauptmedium unserer Kommunikation zu unseren Partnern und veröffentlichte immer dann, wenn es wesentliche Veränderungen für den Tourismus gab, die neuesten Entwicklungen. Manchmal aber brachte er auch nur Durchhalteparolen und versuchte, Mut zu machen, was neben der reinen Information auch dem einen oder anderen offenbar gut tat – geteiltes Leid erträgt sich wohl besser….

Themenjahr 2021
Das Themenjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ unterstützten wir mit einigen Führungsangeboten zum „Jüdischen Leben in Bamberg“. Die Mikwe ist ein neuer Punkt auf der Route, die an Bambergs Erinnerungsorten auf den Spuren des jüdischen Lebens wandelt. Das Projekt Stolpersteine ist seit 2021 auch auf der touristischen Website verbunden.

Fußgängerleitsystem
2021 war es mal wieder soweit: Die großen Plakate des Fußgängerleitsystems, in einem langen Prozess mit vielen engagierten Partnern verändert, verbessert, gleichzeitig ergänzt und bereinigt, wurden 2021 in den 21 Stelen der Altstadt neu aufgehängt und dienen unseren Gästen und allen Orientierungsbedürftigen als Leitfaden durch die Stadt.

Nachhaltigkeit
Die BAMBERGcard ist mit ihrer dreitägigen Nutzungsmöglichkeit des ÖPNVs im Stadtgebiet und darüber hinaus ein nachhaltiges Produkt, das seit vielen Jahren sehr beliebt ist. Ergänzt wird dieses Angebot, auf die Öffentlichen umzusteigen, nun durch ein neues carsharing-Angebot im Portfolio des TKS: Mit OMU ist 2021 ein Projekt gestartet, das E-Autos mit 100 % Ökostrom für Touristen online buchbar und Ausflüge ins Bamberger Land und in der Stadt attraktiv macht.


Touristische Kooperationen

Wie wichtig gerade in solchen Zeiten unsere touristischen Kooperationspartner waren, lässt sich kaum ermessen. Sie sind es, die uns mit ihren Kampagnen und Plattformen eine irrsinnige Reichweite für unsere Angebote bieten und so den Boden für unsere Arbeit bereiten und uns helfen, mit ihren Maßnahmen und ihrer Marktpräsenz die Fahne immer weiter hochzuhalten, auch in Zeiten klammer Kassen. Frankentourismus, die Fränkischen Städte, die BurgenstraßeBayern Tourismus und der Verein der Welterbestätten und auch der Steigerwald – der solidarische Zusammenhalt im Tourismus und der offene Austausch untereinander ist eine der großen Stärken unserer Branche.

Neue Tourismusreferentin

Einige Neuerungen im Zuschnitt der Referate innerhalb der Stadtverwaltung brachte uns im Sommer 2021 zurück ins Kulturreferat. Ulrike Siebenhaar ist seitdem als Leiterin des Referats Kultur, Welterbe und Tourismus auch unsere neue Tourismusreferentin. Damit sind wir wieder im Reigen der großen städtischen Kulturinstitutionen: Museen, VHS, Musikschule, Stadtarchiv, ETA Hoffmann Theater, Zentrum Welterbe und Kulturamt. Auch sind hier nun alle sog. budgetierten Einrichtungen der Stadt Bamberg angesiedelt, die Ämter also, die ihre Budgets eigenverantwortlich führen und zu großen Teilen durch ihre eigene Arbeit erwirtschaften. Die Zusammenarbeit mit den Kunst- und Kulturinstitutionen und die Vereinigung in einem gemeinsamen Referat unter der fachkundigen Leitung von Ulrike Siebenhaar unterstützen unsere Schwerpunktsetzung „Kunst und Kultur“ im Marketing des TKS. Wir freuen uns auf den weiteren Weg mit ihr, nachhaltigen und kulturorientierten Tourismus in Bamberg voranzubringen. Dank gebührt Herrn Goller für seine Interimszeit 2020-2021, die Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor bleibt ja bestehen!

TKS intern

Vom 2. November 2020 an bis zum 18. Mai 2021 war die Tourist Info komplett geschlossen, die Mitarbeitenden in Kurzarbeit 100 %. Und auch im back office, im Bereich der Buchungsabwicklungen ging teilweise gar nichts mehr, so dass auch hier anteilige Kurzarbeit angesagt war. Im Sinne von Amtshilfe haben viele unserer Mitarbeitenden in dieser Zeit insgesamt weit mehr als 400 Stunden im Impfzentrum beim Telefondienst ausgeholfen und damit einen Beitrag geleistet zur Eindämmung der Pandemie. Besonders in diesen Monaten war home-office flächendeckend an der Tagesordnung, so dass teilweise nur ein bis zwei Mitarbeitende in der Geyerswörthstraße die Stellung hielten, während alle anderen ihren Dienst aus dem heimischen Ersatzbüro geleistet haben. Viele Projekte, die ein persönliches Miteinander erfordert hätten oder eine größere Runde, blieben auf der Strecke und wurden immer wieder verschoben.

Nach dem Restart am 19. Mai haben wir Führungen angeboten mit kleinster Teilnehmerzahl und entzerrten Anfangszeiten, damit wir die Stadt nicht mit zu vielen Gruppen bevölkern. Aber im Gegensatz zu 2020 ging es nach dem Ende des langen Lockdowns nur sehr langsam wieder los. Die Änderungen der Corona-Schutzmaßnahmen für Führungen und alle anderen Angebote kamen in den ersten Monaten nach dem Restart im Wochenrhythmus und hielten uns, unsere Gästeführerinnen und Gästeführer und all unsere Partner auf Trab, damit man nicht mit seinem Angebot plötzlich in die Illegalität abrutschte. Einen Anklang an 2019 hatte die Nachfrage erst ab Mitte Juli und hielt bis Mitte September an und brach ab Oktober wieder deutlich ab. Die einschneidenden Beschränkungen ab November kamen dem Lockdown im Jahr 2020 ziemlich nahe und brachten wieder Tristesse und Leere in die Tourist Info.

Bis zum 23. September hatten wir in unserem Tagungsraum ein Testzentrum als Dauermieter, eine glückliche Kombination für Gäste, die je nach Stand der Dinge für Angebote oder zumindest für die Übernachtung Testnachweise benötigten. Seit Dezember 2021 hat im Foyer des Tagungsraums erneut ein Testzentrum seine Arbeit aufgenommen.

Ausblick

Dass einmal das Kaffeesatzlesen zu den vordringlichsten Aufgaben einer Tourismusstelle werden würde, hätten wir vor zwei Jahren auch noch nicht gedacht. Aber es ist und bleibt schwer, vorherzusagen, wie sich der Tourismus weiterentwickeln wird, wenn sich die Pandemie einmal endgültig und weltweit erledigt haben sollte. Zahlreiche Studien und Umfragen bescheinigen dem Tourismus zwar eine durchaus große Resilienz und eine starke Beharrung der Kräfte, die sich einfach nur nach Normalität sehnen und das „Alles wieder so wie früher“ herbeireden, aber es gibt durchaus auch Anzeichen und wissenschaftlich fundierte Szenarien, die bezeugen, dass wir eben nie wieder zu diesem als Normalität definierten Zustand zurückkehren werden. Mehrmals habe ich in diesem Jahresbericht das „normale Jahr“ zur Referenzgröße herbeizitiert. Es ist und bleibt allerdings die Frage, ob es je wieder ein solches „normales Jahr“ geben wird. Aktuell scheint die Zahl der Buchungsanfragen zwar anzuziehen, vielleicht profitieren wir noch einmal ein weiteres Jahr vom Trend zum sicheren „Urlaub im eigenen Land“. Die Studien bescheinigen den Deutschen auch eine ungebrochene Reiselust, und finanziell scheint die Pandemie bei Vielen kein so großes Loch in die Geldbeutel gerissen zu haben, dass es sie vom Reisen abhalten würde. Wir merken gerade auch, dass die Buchungsanfragen anziehen, für den Sommer sowieso, aber es kommen auch kurzfristige Buchungen rein. Aber es bleibt ein Restrisiko, dass wir uns auf Dauer auf ein verändertes Reiseverhalten einrichten müssen. Wohl dem, der Kaffeesatzlesen gelernt hat!

Am Schluss bleibt unser dringendes Bedürfnis, all unseren Partnern ein großes Dankeschön auszusprechen. Wir alle haben schwere Zeiten hinter uns und stecken noch mitten in den Schwierigkeiten. Umso dankbarer macht es uns, dass unsere Partner bei den Erlebnisangeboten, in der Hotellerie, in der Gastronomie, bei den Gästeführerinnen und Gästeführern, im Einzelhandel und in unseren touristischen Verbänden und Kooperationen alle bei der Stange geblieben sind und durchhalten. Ja, eigentlich haben sie noch mehr Engagement an den Tag gelegt als sonst schon, um diese Zeit durchzustehen. Es gab auch Tage zum Einigeln, aber dieses enorme Durchhaltevermögen all unserer Partner bestärkt uns in der Überzeugung, dass in unserem Metier die Leidenschaft einfach ein wesentlicher Antriebsfaktor ist für unsere Arbeit. Nun hoffen wir für 2022, dass zur Leidenschaft wieder hinzukommt, dass wir damit auch Geld verdienen und davon leben können.

Kein Spielraum für Öffnungen

Nun haben wir es bereits vor dem 22.3 schwarz auf weiß auf dem Tisch. Die Entwicklung der Pandemie lässt bei der sich an Inzidenzzahlen orientierenden Eindämmungsstrategie keinen anderen Schluss zu, als dass die weiteren Öffnungsschritte ausgesetzt werden und der Lockdown nicht gelockert, sondern in Kürze vorübergehend wahrscheinlich wieder vertieft wird. Ab Montag wissen wir mehr, wenn die MPK wieder tagt. Es kommt einfach im Moment zu vieles zusammen mit dem hohen Anteil der deutlich ansteckenderen und tödlicheren Mutante, die uns in rasendem Tempo wieder zu den Zahlen nach Weihnachten zurück katapultiert und einem Impffortschritt, der immer noch deutlich hinter den Wünschen aller zurückliegt.

Hier schon einmal die Pressemeldung der Stadt Bamberg von heute, die die Meldung der Staatsregierung aufgreift.
Wie es gemäß der 12. BayIfSMV weitergeht, sollten wir auch wieder die 100 überschreiten, können Sie dort noch einmal nachlesen.

Einen solchen Tiefschlag muss man mit positiven Nachrichten konterkarieren, und da bieten sich heute unsere Brauereigaststätten an, denn sie haben es, wie Sie hier nachlesen können, geschafft, ihre Benachteiligung als Mischbetriebe mit Gaststätte und Brauerei bei den Wirtschaftshilfen zu überwinden. Sie haben gekämpft und viele Hebel in Bewegung gesetzt, und sind nun mit ihrer jeweiligen Gaststätte auch antragsberechtigt für die November- und Dezemberhilfen. Die Anträge finden Sie hier auf den Seiten des Bundes. Hotellerie und Gastronomie und weitere Unternehmen der Reisewirtschaft haben in der Überbrückungshilfe III offenbar aktuell auch wieder ein recht probates Mittel an der Hand, um die Zeit bis Juni 2021 eben zu „überbrücken“. Ich weiß, ich weiß, das gilt bei weitem wieder nicht für alle unsere Partner, und Sie wollen ja lieber wieder arbeiten und keine Almosen bekommen, aber es kommen doch etliche Betriebe hier mit unter. Bitte informieren Sie sich, ob nicht auch für Sie noch etwas dabei ist!

Auch für soloselbständige Künstler und Künstlerinnen  gibt es positive Neuerungen in Form eines „fiktiven Unternehmerlohns“ zum Lebensunterhalt, eine Hilfe, die nicht von der Mitgliedschaft bei der KSK abhängig ist, aber dennoch auf eine Tätigkeit im Sinne des Katalogs der KSK verweist. Damit sind u.a. Gästeführerinnen und Gästeführer wohl leider wieder draußen, denn sie werden dort nicht namentlich aufgeführt, allenfalls könnte die „Kulturvermittlung“ passen, aber ich warte hier noch auf Antwort vom Ministerium. Weitere Infos und die Anträge gibt es hier.

ACHTUNG. Nachtrag vom 22.3.: Meine Nachfrage bei der Bearbeitungsstelle der Anträge – bayern innovativ – hat erfreulicherweise ergeben, dass Gästeführerinnen und Gästeführer hier antragsberechtigt sind! Ich zitiere die Kollegin von bayern innovativ:

„… ich habe zu Ihrer Frage folgende Rückmeldung aus dem Ministerium bekommen:

Gästeführerinnen und Gästeführer können i.d.R. unter Kulturvermittler insbesondere des Bereiches Heimat- und Geschichtspflege nach Nr. 2 Satz 2 3. Spiegelstrich der Richtlinien zum Soloselbstständigenprogramm subsumiert werden und sind daher antragsberechtigt.
Bei der Auswahl im Antrag sollte als Beruf „Kulturvermittler“ gewählt werden.“

Also: Bitte hier schauen, ob Sie sich diesem Antrag annähern möchten.

Wer sich in diesen zermürbenden Tagen ein bisschen in Statistiken und den Aussichten auf das Reiseverhalten 2021 vertiefen möchte, dem kann ich hier diese beiden neuesten Studien ans Herz legen:

Einmal die ADFC-Radreiseanalyse 2021, die – wenig überraschend, aber in dieser Deutlichkeit doch unerwartet – einen enormen Anstieg bei den Radreisen konstatiert. Zwei Punkte daraus: 54 % haben 2020 zum ersten Mal einen Radreiseurlaub gemacht und für 51 % war es 2020 sogar der Haupturlaub. Also ein riesiges Potential an Menschen, die vielleicht ein wenig Blut geleckt haben und jetzt öfters diese Form des Urlaubs vornehmen werden. 63 % nutzten komoot, wo auch wir etliche Touren drin haben über unsere gemeinsame Kampagne mit FrankenTourismus und den Fränkischen Städten.

Und einmal die Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen FUR e.V. Hier können Sie nochmal auf das Reisejahr 2020 zurückblicken – das ist eher der deprimierende Teil – aber es es gibt auch den Ausblick auf 2021, in dem festgestellt werden kann, dass das Reisen immer noch einen sehr hohen Stellenwert hat für die Menschen und absehbar ist, dass sich dies durch Corona kaum verändert hat oder verändern wird.

Daran halten wir uns erst einmal fest, an diesen Aussichten und dem Willen der Menschen, wieder reisen zu wollen, wenn es irgendwie wieder geht.

Was wir aktuell nicht brauchen können und was auch dem Ruf der Tourismusbranche insgesamt nicht gut tut, sind die Meldungen über hunderte von Fliegern nach Mallorca, während hierzulande alles weiter zu bleiben muss. Da läuft irgendwas mächtig schief …

Tourismus in Bamberg – Die Bilanz des Jahres 2020

Tja, welcher Begriff steht unter dem Schlussstrich der Bilanz dieses vergangenen Jahres? Katastrophe? Desaster? Trauerspiel? Oder hält man es doch mit der Queen und greift noch einmal das annus horribilis aufMir gefällt, ehrlich gesagt, eine Formulierung aus dem Antragsformular für die Überbrückungshilfen III am besten: eine „…  schwerwiegende Veränderung der Geschäftsgrundlage“.
Was für eine prächtige Formulierung, die gerade in ihrer bürokratischen Schwerfälligkeit exemplarisch für all das steht, was uns 2020 im Tourismus heimgesucht hat. Diese formalistisch-kafkaeske Sprache fand sich auch in all den Paragraphen und Anordnungen, Verordnungen, Rahmenkonzepten und Hilfsantragsformularen wieder, die unser Jahr 2020 beherrschten. Die nüchterne Sachlichkeit dieser Formulierung stülpte sich in absurder Weise über die ganze menschliche Dramatik und über die wirtschaftlichen Schrecken der Pandemie.

Die leere Stadt – ein Sinnbild dieses Corona-Jahres, (c) Special moments Medienagentur

„Schwerwiegende Veränderung der Geschäftsgrundlage“

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem sie die ITB kurz vor knapp abgesagt haben. Es war der 28. Februar 2020, wenige Tage vor Beginn, die ersten Messebauer waren schon längst zugange gewesen. Und dann das! Unerhört! Unfassbar! Wegen einem Virus! Aber spätestens da wurde auch den Touristikern in aller Welt klar, dass da mehr auf uns zukommen würde, als nur eine kurze Störung.

Und trotzdem konnte sich niemand vorstellen, mit welcher Geschwindigkeit sich in der Folge Stunde um Stunde und Tag für Tag die gesamten Grundlagen unseres Geschäftes im Nichts der Pandemie auflösen würden. Nach wie vor unfassbar.

Eine solche Rückwärtsbewegung haben wir noch nicht erlebt. Nach den ersten beiden Monaten des Jahres, die ein gutes Geschäftsjahr erwarten ließen, ging es nun darum, auf Teufel komm raus zu stornieren statt zu buchen, abzubauen statt aufzubauen, unseren Gästen abzusagen statt sie zu begrüßen. Wir mussten erleben, wie Touristen im Verlauf der Pandemie eher als Bedrohung wahrgenommen wurden denn als willkommene Besucherinnen und Besucher. Eine „schwerwiegende Veränderung der Geschäftsgrundlage“, das kann man wohl sagen. Spaßeshalber habe ich anhand der Blogeinträge hier mal auf einer Seite ein paar der wesentlichen Entwicklungsschritte, wie sie uns betrafen, stichwortartig und ohne Anspruch auf Vollständigkeit zusammengetragen, von der ersten Welle über den Sommer der Hoffnung bis zum abrupten Ende im November.

Statistisches und Umsatzzahlen

Sieht man sich die nackte Statistik an, dann sind wir, was die Übernachtungen anbetrifft, mit 441.424 Übernachtungen ungefähr wieder auf dem Stand von 2010, ein Minus von 41,4 %. Damit befinden wir uns nahezu exakt im gesamtfränkischen Schnitt von -41,8 %. Die Bettenauslastung, wen wundert es, fiel von den letztjährigen sagenhaften 51,8 % auf 35,7 %, die Aufenthaltsdauer verblieb bei 1,8 Nächten. Im Bamberger Land gab es 261.628 Übernachtungen, ein Minus von 32,3 %, die Bettenauslastung fiel hier auf 24,5 %, dafür stieg die Aufenthaltsdauer auf 2,3 Nächte. Zusammen sind wir damit wieder bei 703.052 Übernachtungen in Stadt und Land, nachdem wir vor vier Jahren erstmals gemeinsam die Millionenmarke überschritten hatten.

Und da können wir uns noch glücklich schätzen mit diesen Zahlen. Die großen Städte mit ihrem Messegeschäft, ihrem hohen Geschäftsreiseanteil und ihrem größeren Aufkommen ausländischer Reisender weisen Verluste von bis zu 60 % auf. Bei uns machte sich im Laufe des Sommers vor allem die langjährige Kooperation mit dem Bamberger Land positiv bemerkbar, insofern als wir den „Urlaubern im eigenen Land“ aufzeigen konnten, dass sie hier in der Kombination von Stadt und Land hervorragende Bedingungen, auch unter den Vorzeichen einer Pandemie, vorfinden.

Was unsere Führungen anbetrifft, unser Brot- und Buttergeschäft mit einem Umsatzvolumen von über 900.000 € in einem normalen Jahr, so beamten uns die insgesamt 2.747 Führungen (-68,7 %) mengenmäßig wieder zurück ins Wendejahr 1989, der Umsatz fiel auf 220.670,- € (-75,8 %), was auch auf die für den Kunden günstigeren kurz&kompakt-Führungen und die niedrigere Teilnehmendenzahl zurückzuführen ist. Die reine Anzahl der öffentlichen Führungen für Einzelreisende lag bei respektablen 1.492 Führungen, nur rund 200 Führungen weniger als 2019.

Besonders heftig traf die Pandemie das Geschäft mit den Gruppenreisen. Ein Minus von – 90,8 % ließ diesen Geschäftszweig 2020 auf einen Umsatz von 15.982,- € schrumpfen, das Vermittlungsgeschäft von Gruppenangeboten sank ebenfalls um – 90,5 % auf nur 7.791,- €.

127 Buchungen im Bereich der Pauschalreisen (-60,3 %) führten zu einer Umsatzminderung von 64,9 % auf 76.430,- €.

Der Umsatz in der Tourist Info erreichte zwar in den formidablen Monaten August und September annähernd das Vorjahresniveau, aufs ganze Jahr gesehen aber sinkt auch dieser Umsatz um 45,7 % auf 288.267,- €.

Ein klares Signal in Richtung Digitalisierung zeigt die Entwicklung der Online-Verkäufe von Tickets für die Premiumprodukte des TKS wie Stadtführung, BAMBERGcard, BierSchmeckerTour und diverse Themenführungen. Hier lag der Umsatz mit 70.679,- € nur 9,3 % unter dem Vorjahresergebnis.

Alles in allem sind wir weit weg von den rund 2,4 Mio. €, die wir in einem normalen Jahr durch unsere Arbeit direkt erwirtschaften, ja die ganze Branche ist weit weg von den rund 330 Mio Euro Bruttoumsatz, die der Tourismus allein in Bamberg Jahr für Jahr erwirtschaftet hat in den letzten Jahren.

Unsere Recovery-Maßnahmen

Eine ganze Reihe von Maßnahmen haben die positive, oder sagen wir „weniger negative“ Entwicklung der Sommermonate gefördert. Allein die Zusage, alle gebuchten Leistungen – mit drei Arbeitstagen Vorlauf – kostenlos stornieren zu können, hat Wirkung gezeigt und gilt bis heute gemäß verschiedener Studien als eine der wesentlichen Buchungskriterien. Daher haben wir diese Zusage bereits auf das gesamte Jahr 2021 ausgeweitet.

Mit der Kampagne #wirsindBamberg präsentierten wir auf der Website und auf allen Social Media Kanälen – unter anderem einem eigens dafür aufgebauten Instagram-Account – die Vielfalt der touristischen Anbieter in Stadt und Land und haben damit Lust auf einen späteren Besuch gemacht.

 

Die Pauschalreise „Stadt – Land – Fluss“ stellte mit ihren fünf Übernachtungen einen gezielten Versuch dar, die Urlauber im eigenen Land für einen längeren Aufenthalt in der Region zu gewinnen.

Da es schwer einzuschätzen war, wie gut die Menschen nach der Wiedereröffnung der Tourist Info persönliche Stadtführungen annehmen würden, haben wir pünktlich zum Restart im Mai eine Stadtrallye für Erwachsene aufgelegt, die den Leuten eine einfache Möglichkeit bietet, Sehenswürdigkeiten auf spielerische Art und Weise eigenständig erkunden zu können.

Auch bei den Führungen selbst reagierten wir und haben diese ab dem 30. Mai in einer neuen Form als kurz & kompakt-Version aufgelegt: Nur eine Stunde mit maximal 12 Personen. Auch einige buchbare Themenführungen wurden in diesem Format angeboten. Ab 1. August war bei den öffentlichen Führungen dann wieder eine normale, zweistündige Fassung mit maximal 15 Personen möglich, alles immer mit Registrierung und Abstandsgebot, später auch mit Maske.

Letztlich haben wir unser gesamtes Broschürenportfolio umgebaut. Zugegeben, einiges hatten wir schon im Januar in unserer Strategieklausur ohnehin so geplant, aber Corona bescherte uns dann noch so manche Umplanung der Neuplanung der Planung. Ganz neu sind u.a. bereits folgende Objekte:

Mit einem neuen Rundgang durch die Stadt und das Bamberger Land wartet die Imagebroschüre BAMBERGER auf.

Ein Stadt- und Umlandplan auf einen Blick als einfache Handreichung, das war schon lange unser Traum, jetzt gibt es ihn als eigenständigen Einzelplan in hoher Auflage.

Alle Reiseangebote für 2021, Führungen, Pauschalreisen, Ausflüge, Partnerrestaurants und -hotels sowie Gruppenangebote – es ist alles da, jetzt muss nur noch jemand reisen dürfen.

Die Bamberger Bierwelten. Zusammengefasst in einer ganz neuen Broschüre findet sich hier alles rund um die Bierkultur in Stadt und Land samt Auflistung aller Brauereien und Bierkeller.

In den letzten Zügen ist eine kompakte Version eines englischen Stadtplans und es steht noch aus die Produktion einer Broschüre für die Erlebnisangebote samt Kulturangeboten und Ausflügen, sowie eine eigene Kulinarikbroschüre. Aber hier warten wir noch eine Verstetigung der Lage ab, damit die Produktion mit aktuell gültigen Daten überhaupt Sinn macht.

Ansonsten haben wir den Schwerpunkt der Angebotsdarstellungen nochmal deutlich ins Digitale verlagert, nicht nur wegen Corona, sondern auch aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre. Print ist zwar immer noch gefragt und nach wie vor in Teilbereichen unerlässlich, aber die Nutzungsverschiebung ins Netz hat gerade in den letzten zwei, drei Jahren eine solche Dynamik erfahren, dass dieser Schritt überfällig war.

Und schließlich lief im Hintergrund, ganz lautlos aber mit großer Zukunftsorientierung, unser Umbau des Buchungssystems, um in Zukunft digital alles aus einer Hand buchen zu können: Das neue TSmart, das noch im Laufe des Jahres 2021 unser Buchungssystem auf neue Füße stellen wird, ist für uns vorwiegend in Bezug auf die Buchungsabwicklung im Hintergrund wichtig, für unsere Kunden und Partner aber vor allem im Vertrieb ein wichtiges neues Instrument.

Auch die Website www.bamberg.info litt unter Corona und so fiel die Zahl der unique visitors im Jahr 2020 um 45 % auf nur noch 438.027. Ein Problem dieser Statistik ist allerdings, dass dies grundsätzlich keine validen Daten mehr sind. Seit der gesetzlich vorgeschriebenen Zustimmungserklärung zur Datenverarbeitung jedes einzelnen Nutzers ist keine dieser Statistiken mehr repräsentativ, weil seitdem die Daten nur noch von einem Teil der Nutzer erfasst werden können, alle anderen segeln unter dem Radar der Statistik mit.

Der vorliegende Tourismusblog www.blog.bamberg.info entwickelte sich in Coronazeiten zum wesentlichen Kommunikationsmedium des TKS für seine Partner und veröffentlichte in insgesamt 47 Meldungen rund um Corona umfassend alle Neuerungen, alle Verordnungen, Konzepte und Hilfsangebote brandaktuell und war für viele eine Quelle verlässlicher Informationen.

Touristische Kooperationen

Am Beispiel des coronabedingten Einbruchs der Nutzerzahlen auf unserer Website lässt sich auch sehr gut demonstrieren, wie wichtig gerade in solchen Zeiten unsere touristischen Kooperationspartner sind. Während bei uns und allen anderen Destinationen zum Beispiel die Website-Nutzerzahlen und auch sonstige Anfragen gesunken sind, stiegen sie bei unseren Partnern sogar an. Sie widmen sich der Inspiration und Informationsaufbereitung und bieten immer wieder neue Plattformen mit irrsinniger Reichweite für unsere Angebote und bereiten so den Boden für unsere Arbeit und helfen mit ihren Maßnahmen und ihrer Marktpräsenz, die Fahne immer weiter hochzuhalten, gerade auch in solchen Zeiten. Frankentourismus, die Fränkischen Städte, die BurgenstraßeBayern Tourismus und der Verein der Welterbestätten und auch der Steigerwald – der solidarische Zusammenhalt im Tourismus ist eine der großen Stärken unserer Branche, so empfinde ich es zumindest immer.

Neuer Tourismusreferent

Innerhalb der Stadt hat sich nach der Kommunalwahl einiges für den TKS geändert. Wir sind nach vielen Jahren im Kulturreferat wieder ins Wirtschaftsreferat zurückgekehrt. Auf der Referentenebene ist somit seit dem Sommer der Wirtschafts- und nun auch Tourismusreferent Stefan Goller für uns und den Tourismus zuständig. Christian Lange gilt unser Dank für seine langjährige Begleitung und Förderung des Tourismus in seiner Funktion als Bürgermeister und Tourismusreferent.

In Stefan Goller haben wir nun einen ausgesprochenen Experten für den Wirtschaftsstandort Bamberg an der Seite und haben ihn bisher als sehr konstruktiven, zugewandten und zukunftsorientierten Referenten kennengelernt. Wenn die Pandemie einmal vorüber ist, werden Sie ihn sicherlich auch in Bälde einmal in seiner neuen Funktion kennenlernen.

Tourismusverträglichkeit

Auch wenn im Corona-Jahr auf einmal ganz andere bayerische Regionen mit dem Thema „Overtourism“ konfrontiert wurden, so war das Thema „Tourismusverträglichkeit“ auch bei uns nicht völlig verschwunden. Gerade durch die Abstandsgebote wurde im Sommer schnell klar, dass der öffentliche Raum auch mit weniger Tourismus schnell zu stark beansprucht wurde, zumal die Innenräume der Gastronomie weniger genutzt wurden und das Leben vorwiegend draußen stattfand.Bamberg nahm mit dem Thema „Besucherlenkung“ an einem internationalen Wettbewerb des Bundesinnenministeriums teil und hat als Preisträger in seiner Kategorie nun die Chance, im Rahmen der Smart City Kampagne dieses Thema stärker konkret in den Fokus zu nehmen.

TKS intern

Erstmalig war es im öffentlichen Dienst aufgrund des eigenen Covid-Tarifvertrags ab Mai möglich, Kurzarbeit anzumelden, was für die meisten Mitarbeitenden des TKS in unterschiedlichen Anteilen auch Realität wurde und bis heute anhält. Zusätzlich zum Wegfall der Arbeitsgrundlage und des Kontakts zum Kunden und vieler Partner und der Kolleginnen und Kollegen war dies eine einschneidende Erfahrung für viele Mitarbeitenden des TKS. Ab dem Herbst kam dann umfangreiches Arbeiten aus dem home-office hinzu, was einerseits eine tolle Möglichkeit ist, flexibel zu arbeiten und den pandemiebedingten Umständen Rechnung zu tragen, aber andererseits das persönliche Miteinander im Team sehr vermissen lässt.
Insgesamt hatte die Tourist Info zwei Monate im Frühjahr komplett geschlossen und auch wieder exakt zwei Monate ab November 2020. Provisorisch umgebaut gemäß Hygieneplan war die Tourist Info schon im Sommer ein gewöhnungsbedürftiger Anblick, aber so eine leere, komplett verlassene Tourist Info ist noch einmal ein besonders schmerzlicher Anblick.

Ausblick

An dieser Stelle bleibt nur die Referenz an Oasis, die vor langer Zeit mit „Don’t look back in anger!“ den einzig sinnvollen Umgang mit dem Jahr 2020 formuliert haben, um den Blick nach vorne richten zu können. Auch wenn es in diesen Februartagen gerade besonders perspektivlos erscheint, im Laufe dieses Jahres wird es wieder Reisen geben, wird die Buchungslage kurzfristig anziehen und vielleicht noch einmal ein weiteres Jahr auf uns zukommen, in dem der „Urlaub im eigenen Land“ in den Fokus Vieler gerät. Erste Studien bescheinigen den Deutschen eine ungebrochene Reiselust, auch finanziell scheint die Pandemie kein so großes Loch in die Geldbeutel gerissen zu haben, dass es vom Reisen abhalten würde. Solange im Frühsommer, Sommer und Herbst wieder etwas geht und der Trend dann anhält und nicht in eine dritte Welle mündet, kann dieses Geschäftsjahr noch befriedigend werden. Gut kann es durch den bereits erfolgten Verlust des Weihnachtsgeschäfts, der Nullnummer im ersten Quartal und der tiefsitzenden Unsicherheit der Kundschaft bereits nicht mehr werden.

Mit mehr Federn in den Winter?

Macht es einen großen Unterschied, wie viele Federn man lassen musste? Merkt man das, ob man total gerupft ist oder nur halb? Kommt man nur halb gerupft wirklich besser durch den Winter?

Ich habe die Juli-Statistik für die bayerischen Städte und Regionen auf den Tisch bekommen. Mein lieber Scholli! Die Statistik weist nur wenige Gewinner aus und zeigt die großen Verlierer der Pandemie. Wenn ich mir die großen Städte ansehe wie München oder Nürnberg, das tut schon echt weh. Selbst noch im Sommermonat Juli, wo es hier schon wieder richtig voll war, sind dort die Übernachtungszahlen weiter 50 % (Nürnberg) oder 59 % (München) unter dem Niveau des letzten Jahres. Die meisten Städte unserer Kragenweite liegen bei rund -30 %. Da sind wir in Bamberg mit nur -14,9 % nochmal irgendwie davongekommen, das Bamberger Land mit -7,8 % erst recht.

Ich meine, -14,9 % in einem Juli, das wäre normalerweise eine Katastrophe! Und es ist ja auch eine Katastrophe. Sicherlich nach „Traumstadt der Deutschen“, „Fränkisches Rom“ und „Weltkulturerbe“ der außergewöhnlichste Titel, den wir uns je zusprechen konnten: „Die Stadt in Bayern mit den geringsten Verlusten unter allen kreisfreien Städten“! Um einen solchen Titel reißt man sich normalerweise nicht. Der Beste unter den Verlierern! Der Gesamtsieg für den Juli geht übrigens an das Fränkische Seenland mit einem satten Plus von 9,8 %, noch weit vor Garmisch, Chiemsee und Allgäu. Dafür durfte das Seenland auch gleich erste mediale Erfahrungen mit dem Thema Overtourism machen. Also doch auch ein bisschen gerupft.

Für den Gesamtzeitraum Januar bis Juli inklusive der Monate März bis Mai mit quasi Null-Tourismus liegt Bamberg mit insgesamt 220.100 Übernachtungen allerdings weiter bei erschreckenden -45,7 %, das Bamberger Land mit 129.077 bei -41,3 %, Zahlen die landauf, landab für ganz Franken vergleichbar sind.

Aber es ist eben doch ein kleiner- relativer – Lichtblick. Ich denke, es sind vor allen Dingen drei Aspekte, die hier vielleicht ihren Einfluss geltend gemacht haben:

1. Die positive Entwicklung der Übernachtungszahlen der letzten Jahre war in Bamberg größtenteils auf einen Boom des Inlandstourismus zurückzuführen. Der Anteil unserer Gäste aus dem Ausland betrug 2019 nur noch ca. 14 %. Somit ist das Potential derer, die aktuell „Urlaub im eigenen Land“ machen, größer als in Reisezielen, die stark von Auslandsmärkten abhängig sind. Hinzu kommt, dass Bambergs drei stärkste Auslandsmärkte jenseits der US-Amerikaner zudem Gäste aus der Schweiz, aus Österreich und den Niederlanden sind, alles Länder, bei denen das Pandemiegeschehen zuletzt eine gemäßigte Entwicklung zeigte. Die sind tatsächlich auch schon wieder unterwegs.

2. Im Gegensatz zu München oder Nürnberg ist Bamberg bei weitem nicht so abhängig vom Kongress- und Messetourismus. Die Übernachtungen dieses Sommers sind überwiegend Einzelreisenden, Familien und Kleinstgruppen zuzuordnen.

3. Die Kooperation mit dem Bamberger Land trägt auch hier Früchte. Seit Jahren kommunizieren wir nach außen die Verbindung des Welterbes mit den Attraktionen des Bamberger Landes. In unserem Neustart-Programm im Mai legten wir auch einen großen Schwerpunkt auf die Region und haben immer beides gespielt, Stadt und Land. Und genau das suchen die Gäste derzeit: Kultur und Freiraum, Stadterlebnis und Aktivangebote wie Wandern und Radfahren im Umland.

Ja, es ist ein großes Minus. Ja, das trifft uns alle hart. Nein, so können wir auf Dauer alle nicht überleben. Betriebe, die traditionell auf das Gruppengeschäft setzen oder von Tagungen und Feiern leben, trifft es ja noch härter. Aber in der Relation stimmt es mich hoffnungsfroh, dass wir in Bamberg und im Bamberger Land doch so aufgestellt sind, dass eine möglichst rasche Erholung im kommenden Jahr trotz Pandemie nicht ausgeschlossen ist und uns jetzt im goldenen Herbst noch ein paar wärmende Federn für den langen Winter wachsen.

 

Tourismusentwicklung 2019

Es gibt Menschen, die Zahlen lieben. Die in Kennziffern und Daten schwelgen und sofort anfangen zu rechnen, zu vergleichen und neue Zahlen ins Verhältnis zu setzen, sobald sie des Zahlenmaterials habhaft werden. Unter bayerischen Touristikern bricht regelmäßig ab Februar ein Fieber aus, das nur durch eine Mail aus Schweinfurt kuriert werden kann. Denn dort befindet sich das Statistische Landesamt und die Kollegin dort verschickt in der zweiten Februarwoche die Dezemberzahlen des Vorjahres und vollendet damit statistisch gesehen das jeweilige Jahr. So wissen wir nun, dass mit Ablauf des Jahres 2019 die Übernachtungszahlen im Vergleich zum Jahre der Ernennung zum Weltkulturerbe endgültig den dreifachen Wert erreicht haben. Auf diese lange Zeit gesehen also eine respektable Entwicklung. 1993 waren es 250.000 Übernachtungen, 2019 haben wir 753.220 Übernachtungen erreicht. Wenn man bedenkt, dass sich die Zahl der Städtereisen weltweit allein seit 2007 verdreifacht hat, also in nur der Hälfte der Zeit, merkt man, dass wir in Bamberg doch immer noch ein wenig gemächlicher unterwegs sind, als es der weltweite Trend vorgibt. Dennoch ist auch diese Steigerung der Übernachtungen weiter immens, auch wenn man darauf hinweisen kann, dass die Übernachtungsgäste ja die sind, die wir erreichen wollen. Das Plus von + 6,4 % lässt sich natürlich auch zu einem großen Teil auf die Eröffnung neuer Hotels zurückführen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer tritt mit 1,8 Nächten pro Person auf der Stelle und verharrt standhaft im bundesweiten Schnitt des Städtetourismus. Herausragend hingegen ist die Bettenauslastung. Sie ist trotz des Anstiegs der Gesamtbettenzahl auf 3.875 Betten weiter gestiegen und liegt mittlerweile bei 51,8 %. Wenn man bedenkt, dass hier tatsächlich die belegten Betten gezählt werden und nicht belegte Zimmer, kann man nachvollziehen, was dieser Wert bei dem größtenteils vorherrschenden Besatz mit Doppelzimmern tatsächlich für die Hotelauslastung bedeutet. Das von der Stadt initiierte Hotelentwicklungskonzept soll im Laufe des Jahres 2020 Aufschluss darüber geben, wie und bis wohin sich die Hotellandschaft in Bamberg weiter entwickeln soll.

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Tourismus 2018 – Arbeitsplatzgarant und Wirtschaftsfaktor mit gesundem Wachstum

Der Tourismus in Bamberg ist längst zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Ein moderates Wachstum von +3,5 % bei den Übernachtungen im Jahr 2018 hat diese Bedeutung gefestigt. Mit 708.000 Übernachtungen ist Bamberg im Reigen der fränkischen Städte die Stadt mit der dritthöchsten Übernachtungszahl nach Nürnberg und Würzburg. Fünf von sechs Übernachtungen – also insgesamt 588.262 – werden durch Gäste aus Deutschland generiert. Bei den ausländischen Gästen liefern sich zwei höchst unterschiedliche Märkte ein knappes Rennen um den ersten Platz: Die USA hat nach wie vor die Nase vorn mit 13.614 Übernachtungen, gefolgt von … Österreich mit 12.430!
Dieses stabile und moderate Wachstum spricht zusammen mit den bekannten Daten zum Wirtschaftsfaktor touristischer Arbeit samt dem Vollzeitstellen-Äquivalent von knapp 6.000 Stellen und dem steten Blick auf die Verträglichkeit touristischer Maßnahmen für eine positive Jahresbilanz.
Hier gibt es die Pressemeldung zur Tourismusbilanz 2018

Und hier die ausführliche Darstellung mit Grafiken und Hintergrundinfos zum Tourismusjahr 2018

Jahresbilanz 2017 mit Blick auf Nachhaltigkeit

Moderates Wachstum um 3,7 % auf 684.500 Übernachtungen in Bamberg und um 1,2 % auf 401.946 im Bamberger Land sind die formalen Kennzahlen für ein erfolgreiches Tourismusjahr 2017. Einen großen Stellenwert nahm 2017 allerdings auch das Thema Nachhaltigkeit ein. Seit geraumer Zeit gehören Maßnahmen zur Tourismusverträglichkeit wie Reduzierung der Gruppengrößen, Diversifizierung der Wegeführung, Sensibilisierung der Gästeführer, Leistungsträger und Besucher zu unserem Tourismusmarketing dazu. 2017 haben wir die breit angelegte wissenschaftliche Studie zur Tourismusakzeptanz der Bamberger Bevölkerung vorgestellt und somit ein Stimmungsbild eingefangen, aber auch weitere Handlungsfelder und Ansätze für eine nachhaltige Tourismusarbeit im Dialog mit unseren Partnern vor Ort und der Bevölkerung definiert.

Hintergründe, Zahlen, Daten und Grafiken finden Sie hier im Download des Jahresberichts: Jahresbericht 2017

Gemeinsam über die Million

Damit weiterhin viele vom Tourismus und alle mit dem Tourismus leben können – Unter dieses Motto haben wir unsere Bilanz des Bamberger Tourismusjahres 2016 gestellt. Mit einem Wachstum im Übernachtungssektor von 8,7 % auf 659.854 Übernachtungen in der Stadt und einem Wachstum von 10,3 % auf 397.168 Übernachtungen im Bamberger Land haben Stadt und Land gemeinsam erstmalig die Grenze von einer Million Übernachtungen überschritten. Diese Entwicklung betont die Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs für die Region noch einmal mit einem kräftigen Ausrufezeichen und unterstreicht das enorme Wirkungsvermögen des qualitativen Übernachtungstourismus. Ein großer Fokus lag in diesem Jahr aber auch auf den Maßnahmen zur Tourismusverträglichkeit mit konkreten Maßnahmen zur Besucherlenkung, Entzerrung und Reduzierung der Gruppengrößen sowie einer weiteren Veranstaltung im Rahmen der Aktion „Unser Bamberg – da schau her!“. Die groß angelegte Umfrage zu Tourismusakzeptanz und – verträglichkeit in verschiedenen Stadtteilen Bambergs, die 2016 durchgeführt wurde, ist mittlerweile auch abgeschlossen. Die Auswertung der Ergebnisse werden wir in unserem Offenen Forum Tourismus (OFT) Mitte Mai – und dann auch an dieser Stelle – der Öffentlichkeit vorstellen.

Hier gibt es die ausführlichen Informationen
rund um das Bamberger Tourismusjahr 2016.

Wirtschaftsfaktor Tourismus im Bamberger Land

Aktivurlaub im Bamberger Land

Erholung im Bamberger Land

Wie groß ist die Wertschöpfung aus dem Tourismus tatsächlich, welche Branchen profitieren, wie sind die Umsätze verteilt und wie wirkt sich der Tourismus auf die Beschäftigungssituation im Landkreis aus?
Die vom dwif berechneten Zahlen für die Stadt Bamberg kennen wir schon länger, nun macht diese neue Untersuchung auch eine differenzierte Betrachtung der Wertschöpfungskette im Tourismus des Bamberger Landes möglich. Wenn man bedenkt, dass wir 2015 gemeinsam auf fast eine Millionen Übernachtungen kommen (966.944 ÜN)!!
Studie Wirtschaftsfaktor im Landkreis Bamberg 2016