Bamberger Tourismusblog

Tourismus in Bamberg und im Bamberger Land ist ein wichtiges Thema und geht uns alle an. Wir wollen Ihnen auf diesem Blog Hintergrundinformation aus erster Hand bieten, aber auch eine Plattform, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Okay, im Moment geht es fast nur um Corona, aber irgendwann können wir uns auch wieder um andere Themen kümmern!!
Herzlich willkommen!

Auf geht’s – Rahmenkonzepte und Ausblicke

Die heutige bayerische Kabinettsrunde hat die weiteren Öffnungsschritte ab dem 21. Mai bestätigt, wie sie letzte Woche schon angekündigt worden waren. Das heißt, ab Pfingsten ist es in bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Inzidenz von unter 100 wieder erlaubt, Gäste zu beherbergen. Ja, Gäste! Gäste, die rein aus Spaß an der Freud‘ zu uns kommen. Zu, wie es so schön heißt,  „freizeittouristischen Zwecken“! Gäste… ts, ts, ts….

Aus dem Kabinett heißt das dann so:

  • Ab dem Pfingstwochenende können Beherbergungsbetriebe (z.B. Hotels, Ferienwohnungen, Pensionen, Jugendherbergen und Camping) auch für touristische Zwecke öffnen. Dabei ist eine Anreise in die Beherbergungsbetriebe schon am Freitag, den 21. Mai 2021, möglich. Voraussetzung ist dabei ein vor maximal 24 Stunden vorgenommener negativer Corona-Test (PCR-Test, POC-Antigentest oder Selbsttest unter Aufsicht) der Gäste bei Anreise sowie jeweils alle weiteren 48 Stunden. Gastronomische Angebote von Beherbergungsbetrieben auch im Innenbereich sind dabei nur für Hotelgäste und nur bis 22 Uhr zulässig. Zulässig ist im Rahmen des Beherbergungsbetriebs ferner die Erbringung von Kur-, Therapie- und Wellnessangeboten (z.B. Schwimmbäder, Fitnessräume, Solarien) gegenüber Gästen.

Und auch touristische Dienstleistungen sind ab 21. Mai wieder möglich, explizit sind hier genannt:

  • Seilbahnen, Fluss- und Seenschifffahrt im Ausflugsverkehr, touristische Bahnverkehre, touristische Reisebusverkehre, Stadt- und Gästeführungen, Berg-, Kultur- und Naturführungen im Freien sowie Außenbereiche von medizinischen Thermen.

Für beides gilt:

  • Gemeinsame Voraussetzung für die Inanspruchnahme obiger Angebote ist dabei ein vor maximal 24 Stunden vorgenommener negativer Corona-Test (PCR-Test, POC-Antigentest oder Selbsttest unter Aufsicht), sofern eine 7-Tage-Inzidenz von 50 im betreffenden Landkreis oder der kreisfreien Stadt überschritten wird.

Doppelt Geimpfte und Genesene sind den Getesteten gleichgestellt und kommen uneingeschränkt ebenfalls in den Genuss dieser Angebote.

Auch kulturelle Veranstaltungen sind unter Einhaltung strenger Vorgaben wieder möglich.

Die Pflicht zum Nachweis von Impfung, Tests oder Genesung fällt erst weg, wenn die Inzidenz stabil unter 50 liegt. Über 100 muss sowieso alles wieder zu machen.

Inwieweit dies wirklich praktikabel ist, solange die Inzidenzzahlen noch so volatil sind und innerhalb eines Tages um rund 20 Punkte rauf oder runter schnellen können, sei dahin gestellt. Eine irrsinnige logistische und personelle Leistung steht uns hier bevor. Genaueres wissen wir noch nicht, denn sowohl für das Übernachtungsgewerbe, als auch für die touristischen Dienstleistungen liegen noch keine neuen und überarbeiteten Rahmenkonzepte vor.

Richtig schmerzhaft ist, dass wir damit aktuell wieder eine echte Grenze zwischen Stadt und Landkreis haben. Denn nach dem aktuellem Stand der Inzidenzzahlen können die Angebote auf dem Stadtgebiet ab 21. Mai laufen, hier liegen die Zahlen weiterhin unter 100. Die Betriebe im Bamberger Land müssen nach derzeitigem Stand noch warten, bis auch im Landkreis die Inzidenz 7 Tage in Folge unter 100 liegt. Stand heute sah es so aus: 

 

Peu à peu kommen nun auch wieder die Rahmenkonzepte für die verschiedenen Bereiche. Hier mal alle Rahmenkonzepte, wie sie bisher vorliegen:

Rahmenkonzept Kulturveranstaltungen vom 10.5.2021
Rahmenkonzept Gastronomie vom 7.5.2021
Rahmenkonzept Sport vom 6.5.2021
Rahmenkonzept Kinos vom 6.5.2021

Wir arbeiten jetzt fieberhaft daran, auch spätestens am 21. Mai für unsere und Ihre Gäste wieder offen zu haben und auch ein Angebot an Führungen und Erlebnisangeboten vorhalten zu können, auch wenn wir noch ein wenig im Trüben fischen, denn wir haben einfach noch nicht alle Details der designierten Regelungen. Kompliziert wird es allemal.

Und zum Schluss die Belohnung, für alle, die bis zum Ende gelesen haben: eine wirklich gute Übersicht aus dem Bayerischen Wirtschaftsministerium zu „Was gilt zwischen heute und dem 20. Mai?“

Ich bin schon ganz gespannt auf die nächste Übersicht ab 21. Mai!

 

Das Rahmenkonzept Gastronomie 2021

Ehre wem Ehre gebührt! Damit Sie so schnell wie möglich nachlesen können, wie nun die Anforderungen für die Gastronomie ab kommendem Montag sind, bin ich mal so frech und übernehme einfach die Rundmail unseres Partners Frankentourismus inklusive Link zum Konzept und den Hinweisen auf die wichtigsten Änderungen, und bedanke mich einmal mehr bei den Kolleginnen und Kollegen aus Nürnberg für die Versorgung mit brandaktuellen Infos:

„Liebe Kolleginnen und Kollegen,

hier nun vorab das Rahmenkonzept „Gastronomie“: Rahmenkonzept Gastronomie 2021

Wichtige Informationen:

In bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 darf ab kommenden Montag, den 10. Mai die Außengastronomie öffnen. Eine stabile Inzidenz wird seitens des Gesundheitsministeriums dahingehend definiert, dass die Inzidenzzahlen zumindest für sieben Tage den Wert 100 unterschritten haben müssen. Trifft dies zu, so hat die zuständige Kreisverwaltungsbehörde oder kreisfreie Stadt eine Allgemeinverfügung hinsichtlich der Öffnung zu erlassen, die im Vorfeld mit dem Gesundheitsministerium abzustimmen ist.

Die Informationen beruhen zum einen auf der aktualisierten, am 5. Mai veröffentlichten BayIfSMV inklusive deren Begründung, sowie dem soeben veröffentlichten, aktualisierten Rahmenhygienekonzept Gastronomie.

Wichtig ist, dass das Erfordernis eines negativen Tests bei einer Inzidenz über 50 bis 100 nur vorliegt, wenn an einem Tisch mehr als ein Hausstand sitzt. Ein Hausstand und/oder vollständig Geimpfte oder Genesene brauchen keinen Testnachweis. Dies gilt ebenso bei einer Inzidenz zwischen 0 und 50.

Die wesentlichen Änderungen zu dem bekannten Rahmenkonzept aus dem letzten Jahr sind „Punkt 3 Testkonzept“, die Terminvereinbarung und die Erfordernis, dass Gäste nun FFP2-Masken tragen müssen. Letzteres gilt nicht für das Personal, hier genügt eine medizinische oder auch OP-Maske.“

Das Gastro-Rahmenkonzept und auch schon das für Kinos und Sport sowie alle weiteren Informationen, wie sie nun peu à peu wieder aus den Ministerien kommen, immer aktuell auf dem Tourismusnetzwerk Franken. Und natürlich auch immer hier auf dem Blog…
Die Frage zum Neustart touristischer Dienstleistungen – und damit auch zu Führungen und weiteren Angeboten – wird wohl erst in ein paar Tagen beantwortet werden, so meine Infos.

Eine nette Übersicht zu dem „Was gilt jetzt eigentlich ab Montag, 10. Mai 2021?“ habe ich noch auf der Seite des Wirtschaftsministeriums gefunden:

 

Das Glück liegt unter 100 – oder: Danke Austria!

Was auch immer letztlich den Ausschlag gegeben haben mag – Ungeduld, Mitleid, Erwägungen des Staatsetats, die Plädoyers aus der Branche, der leichte Trend der Inzidenzzahlen nach unten, der leichte Trend der Meinungsumfragen nach unten, der Blick auf leere Biergärten bei schönstem Wetter, die Absage der Wiesn – was auch immer es war, der Tourismus hat auf einmal eine Öffnungsperspektive! Und wir sagen ‚Vergelt’s Gott‘ und hoffen, dass das angesichts der weiter prekären pandemischen Lage gut geht!

Nach einem satten halben Jahr Nichts sind wir mit dieser Ankündigung des Ministerpräsidenten, die sich gestern angedeutet hatte und heute in der Pressekonferenz nach Koalitionsrunde und Kabinettssitzung bestätigt wurde, schon fast ein bisschen überfordert, aus derart heiterem Himmel kamen sie, diese Worte, auf die wir alle schon so lange warten. Wer das nach all der Zeit, ich kann’s Ihnen nicht verdenken, nur schwarz auf weiß glaubt, hier der entsprechende Ministerratsbericht von heute oder auch der Bericht vom BR dazu.

In ganz Bayern soll also wieder was gehen! In ganz Bayern? Nein! Denn Voraussetzung ist in jedem Fall die stabile Inzidenz unter 100 – und als „stabil“ gilt, wenn die Inzidenz über einen Wochenzeitraum ohne größere Schwankungen unter der magischen Marke von 100 bleibt, wie der Gesundheitsminister klarstellte. Derzeit sind das 19 Landkreise und kreisfreie Städte. Überall dort also, kann schon ab kommendem Montag, den 10. Mai 2021, die Außengastronomie bis 22 Uhr wieder öffnen. Auch Konzert- und Opernhäuser, Theater und Kinos dürften wieder öffnen. Alles unter der Maßgabe von negativen Corona-Tests (ich nehme an, dann auch ebenbürtig mit dem Nachweis doppelter Impfung oder der Genesung), Terminbuchung und Maskenpflicht, Abstand, gestaffelten Plätzen usw. Und die jeweilige Kreisverwaltungsbehörde muss einen entsprechenden Antrag beim Gesundheitsministerium stellen, en gros. Selbst „kleinere Open-Airs“ wurden als denkbar erwähnt. Diese Öffnungsschritte folgen der bereits in der 12. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung niedergelegten Logik, siehe § 27, die nun einige Male fortgeschrieben wurde, zuletzt bis 9. Mai 2021.

Da wird jetzt also eine neue Fassung kommen, denn in der 12. Version steht noch das kategorische Beherbergungsverbot mit drin. Und heute wurde angekündigt, dass bei einer stabilen Inzidenz unter 100 – auf die Minute mit Gongschlag Beginn der Pfingstferien – ab Freitag, den 21. Mai 2021, Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze wieder freizeittouristische Gäste beherbergen dürfen. Hier soll vom Ministerium noch ein entsprechendes Konzept (u. a. Terminvereinbarungen, 48 Stunden Tests, Abstands- und Hygienemaßnahmen) für inzidenzabhängige Öffnungen kommen. Dieses Konzept wird allerdings die infektiologische Gesamtlage berücksichtigen und eine Rücknahme der Öffnungen bei entsprechender Inzidenzentwicklung vorsehen. Das Gleiche gilt für spezielle touristische Infrastrukturen – das ist das Schlüsselwort für Freizeiteinrichtungen und touristische Dienstleistungen, wie z.B. Führungen. Hier soll die Regelung noch näher spezifiziert werden. Davon wird abhängen, was wir anbieten dürften. Die 13. BayIfSMV wird also spannend! Ich melde mich wieder, sobald wir hier Genaueres erfahren, versprochen!

Trotz allem insgesamt eine schwierige Situation für den Betrieb touristischer Einrichtungen, diese Unsicherheit im Wochenrhythmus, und eine folgenreiche Entwicklung für die ganze Tourismusregion Bamberg, denn derzeit ist nur die Stadt im fünften Tag recht stabil unter 100, der Landkreis bleibt stabil über 100, was bedeuten würde, dass – mal so, mal so – unsere gemeinsame Destination auseinandergerissen wird, denn bei über 100 gilt immer noch die übergeordnete, nicht verhandelbare Bundesnotbremse.

Für die Stadt Bamberg sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass damit ab kommenden Donnerstag wieder die lockereren Regeln jenseits der Bundesnotbremse gelten, das heißt u.a. für den Einzelhandel wieder Click & Meet ohne Testpflicht, und Museen und Ausstellungen können mit Terminvergabe und den bekannten Regeln gemäß § 23 12. BayIfSMV wieder öffnen und die nächtliche Ausgangssperre entfällt.

 

Ganz ehrlich? Gestern fiel es mir wirklich schwer, den Meldungen Glauben zu schenken. Ich habe erst gedacht, da hat einer eine Ente in die Welt gesetzt, um ein wenig Druck aufzubauen, zumal der Bayerische Rundfunk sehr zögerlich war mit der Meldung. Auch als es sich als wahr entpuppte, wurde ich einen Gedanken nicht ganz los, nämlich dass dieser Schritt – honi soit qui mal y pense – auch ein ganz kleines bisschen „to keep up with the Joneses“ war. Denn es ist nur wenige Tage her, dass unsere touristisch nicht ganz unbedeutenden Nachbarn, die Österreicher, verkündet hatten, dass bei ihnen ab 19. Mai wieder alles aufmacht. Und das kann man sich ja wirklich nicht ge… Aber hier schweigt des Sängers Höflichkeit, ich will unsere Staatregierung stattdessen heute lieber mal wieder loben, denn zwei Sätze im heutigen Bericht gingen der geschundenen Seele des gemeinen Touristikers runter wie Öl.

Ich zitiere:
Die Tourismusbranche ist ein Lebensnerv der bayerischen Wirtschaft
und
Bayern sei nicht nur ein Tourismusland, sondern es sei für die Menschen auch „psychologisch und seelisch wichtig, dass wir eine Perspektive haben!“

Dem habe ich nun ausnahmsweise mal nichts hinzuzufügen.

 

Schwarze Wolken über unserem Land

Bamberg und der Landkreis machen wieder zu. Eine satte Überschreitung der 100er-Inzidenz an drei Tagen in Folge – sowohl in der Stadt als auch im Landkreis – lassen die Notbremse wirksam werden. Im Landkreis ab Freitag, in der Stadt ab Samstag.

Damit gehen diverse Verschlechterungen einher für Läden und Institutionen, für die Kontaktmöglichkeiten, und auch unser alter Bekannter, die Ausgangssperre ab 22 Uhr, kehrt wieder zurück. Hier die Pressemeldung der Stadt von heute mit den Veränderungen für die Zeit ab Samstag, die inhaltlich aber genauso für den Landkreis gilt, nur schon ab Freitagfrüh.

Wer’s lieber grafisch vor sich sieht, dem kann geholfen werden:

Und, sind wir uns mal ehrlich, ich fürchte, so schnell kommen wir nicht wieder unter die 100er Inzidenz zurück, wenn alles so bleibt, wie es ist. [Tja, Revision von Freitagmorgen: Die Stadt hat ihre Inzidenz tatsächlich heute wieder auf unter 100 gedrückt, ändert aber vorerst nichts an der Regelung ab morgen. Es bleibt spannend.] Dramatisch ist die Situation auf den Intensivstationen bereits jetzt, und der Zeitverzug zu den richtig hohen Infektionszahlen dieser Tage kommt noch obendrauf. Wer jetzt immer noch nicht Medizinern und Wissenschaftlerinnen glaubt, die letztlich immer Recht behalten haben mit ihren Prognosen und Einschätzungen, dem kann nicht mehr geholfen werden. Ein Lichtblick aus der Wissenschaft für uns sind aber vielleicht die neuesten Erkenntnisse aus der Aerosolforschung, die allen Tätigkeiten und Kontakten, die draußen stattfinden, im Grunde genommen unter Einhaltung von ausreichend Abstand eine sehr niedrige Infektionsgefahr attestieren. Ein Hoffnungsschimmer für Führungen im Sommer 2021?

Dennoch bleibt für uns im Tourismus aktuell wenig Licht unter dem dräuenden Schwarz der dunklen Wolken. Eigentlich sollte dieser Blogeintrag schon vor Ostern online gehen. Da war die große MPK mit der berühmten Gründonnerstagsruhe. Aber das einzige, was von meinem ersten Entwurf geblieben ist, ist die Überschrift, ich glaube, es war eine Formulierung aus der Regierungserklärung von Ministerpräsident Markus Söder.

Ich habe den Blogeintrag dann immer wieder verschoben, weil ich jeder Pressekonferenz gelauscht habe, jede Ministerratssitzung verfolgt habe und etliche Diskussionsrunden. Und jedes Mal hatte ich beim Zuhören meinen Tourismusfilter auf den Ohren. Und siehe da… es blieb nichts hängen im Filter. Der Tourismus existierte mal wieder nicht. Von Mal zu Mal kam nichts Neues für uns. Nur die Verschiebung der nächsten Öffnungsschritte, aber das hat letztlich auch niemanden mehr überrascht.

Zurzeit legt sich eine Lethargie, ja eine gewisse Resignation über unsere Branche. Gerade dieser Tage war eine Online-Konferenz mit ganz vielen Städtetouristikern und da fiel dieses Wort. Und ich gebe zu, es trifft meinen aktuellen Gemütszustand auch recht gut, nicht immer, aber leider allzu häufig. Alle sind es müde, zu planen und umzuplanen, nur um dann wieder vertröstet zu werden, wieder neu zu planen und umzuplanen, nur um wieder vertröstet zu werden. Und mit Erschrecken stellen wir alle fest, dass das Jahr 2021 noch viel, viel schlimmer wird in der Bilanz als 2020. Wir blicken in Kürze auf ein ganzes halbes Jahr ohne nennenswerte Umsätze zurück. Ein halbes Jahr Nichts! Grauenhaft!

Und dann las ich einen augenöffnenden Kommentar im Wirtschaftsteil der Süddeutschen und habe endlich verstanden: Wir sind volkswirtschaftlich gesehen schlicht zu wenig relevant! Wir, die wir wirtschaftlich am meisten unter Corona leiden, machen nur ein Zwanzigstel des Bruttoinlandsproduktes aus. Die Prognosen stehen auf Wachstum, der DAX erreicht immer neue Rekordhöhen, die Industrie brummt, die Wirtschaft läuft. Und, wie schreibt es Alexander Hagelüken in seinem Kommentar so schön: „Nein, das dichtgemachte Restaurant um die Ecke taugt nicht als Indikator“ für die Konjunkturprognose. Ich bemühe mich seitdem, diesen Sachverhalt positiv zu lesen: Dank der brummenden Gesamtwirtschaft können wir uns die ganzen Wirtschaftshilfen leisten und kommen so hoffentlich doch alle irgendwie durch, mit blauem Auge und schlimmeren Blessuren, aber wir kommen durch.

Ich will aber auch heute positiv enden, und habe dafür gleich drei Dinge:

Einmal bin ich mal wieder stolz auf mein Team, denn unsere Kolleginnen und Kollegen, die aktuell in Kurzarbeit sind, sind seit einigen Wochen immer mal wieder zum Bamberger Impfzentrum abgeordnet und hängen sich da mit ans Telefon und helfen dem Team dort, die ganze Organisation von Registrierung und Terminvergaben zu wuppen. Und indirekt tragen sie damit ja dazu bei, dass dieses ganze Schlamassel irgendwann ein Ende hat. Und wer im Büro oder im Home-office arbeitet, muss tagein, tagaus die Video-Onlineritis aushalten, die einsamen Flure im TKS überwinden und die provisorisch eingerichteten Arbeitsnischen im eigenen Zuhause orthopädisch überleben und dennoch immer produktiv und motiviert für unser aller Wohl weiterarbeiten. Nach sechs Monaten Schließung und Nullumsatz eine motivatorische Glanzleistung! Ich ziehe einmal mehr meinen Hut vor meinem Team! Chapeau!

Das zweite: Unsere lieben und engagierten Kolleginnen und Kollegen von FrankenTourismus haben eine tolle Wissensdatenbank aufgebaut – das Tourismusnetzwerk Franken. Eigentlich für uns Mitglieder, aber ich habe extra nachgefragt, und natürlich ist es für alle zugänglich und nutzbar. Darin finden Sie alles, was Sie wissen müssen und wissen können rund um Corona, aber noch Vieles mehr: Statistiken und Studien, Termine, Veranstaltungen und News aus der Branche, Förderprogramme und Fortbildungsmöglichkeiten. Unter anderem finden Sie dort auch die DTV-Studie „Zahlen Daten Fakten 2021„, mit einem Rückblick auf 2020, aber auch interessanten Einblicken ins Jahr 2021.

Und als letztes noch: Heute kam frisch aus der Druckerei unsere Erlebnisbroschüre für 2021. Wenn man die durchblättert, kriegt man richtig gute Laune, denn unsere Partner haben ihre ganze Leidenschaft hineingelegt und haben tolle Angebote parat für unsere Kundschaft. Wir haben lange gewartet, bis wir damit in Druck gegangen sind, damit wir genügend Zeit haben, auf aktuelle Begebenheiten reagieren zu können, aber jetzt wollten wir damit unbedingt auf den Markt, auch wenn wir noch keinen Starttermin kennen. Wir wollen unseren Kunden signalisieren: Wir sind bereit und freuen uns darauf, endlich wieder zeigen zu können, was wir drauf haben!

Kein Spielraum für Öffnungen

Nun haben wir es bereits vor dem 22.3 schwarz auf weiß auf dem Tisch. Die Entwicklung der Pandemie lässt bei der sich an Inzidenzzahlen orientierenden Eindämmungsstrategie keinen anderen Schluss zu, als dass die weiteren Öffnungsschritte ausgesetzt werden und der Lockdown nicht gelockert, sondern in Kürze vorübergehend wahrscheinlich wieder vertieft wird. Ab Montag wissen wir mehr, wenn die MPK wieder tagt. Es kommt einfach im Moment zu vieles zusammen mit dem hohen Anteil der deutlich ansteckenderen und tödlicheren Mutante, die uns in rasendem Tempo wieder zu den Zahlen nach Weihnachten zurück katapultiert und einem Impffortschritt, der immer noch deutlich hinter den Wünschen aller zurückliegt.

Hier schon einmal die Pressemeldung der Stadt Bamberg von heute, die die Meldung der Staatsregierung aufgreift.
Wie es gemäß der 12. BayIfSMV weitergeht, sollten wir auch wieder die 100 überschreiten, können Sie dort noch einmal nachlesen.

Einen solchen Tiefschlag muss man mit positiven Nachrichten konterkarieren, und da bieten sich heute unsere Brauereigaststätten an, denn sie haben es, wie Sie hier nachlesen können, geschafft, ihre Benachteiligung als Mischbetriebe mit Gaststätte und Brauerei bei den Wirtschaftshilfen zu überwinden. Sie haben gekämpft und viele Hebel in Bewegung gesetzt, und sind nun mit ihrer jeweiligen Gaststätte auch antragsberechtigt für die November- und Dezemberhilfen. Die Anträge finden Sie hier auf den Seiten des Bundes. Hotellerie und Gastronomie und weitere Unternehmen der Reisewirtschaft haben in der Überbrückungshilfe III offenbar aktuell auch wieder ein recht probates Mittel an der Hand, um die Zeit bis Juni 2021 eben zu „überbrücken“. Ich weiß, ich weiß, das gilt bei weitem wieder nicht für alle unsere Partner, und Sie wollen ja lieber wieder arbeiten und keine Almosen bekommen, aber es kommen doch etliche Betriebe hier mit unter. Bitte informieren Sie sich, ob nicht auch für Sie noch etwas dabei ist!

Auch für soloselbständige Künstler und Künstlerinnen  gibt es positive Neuerungen in Form eines „fiktiven Unternehmerlohns“ zum Lebensunterhalt, eine Hilfe, die nicht von der Mitgliedschaft bei der KSK abhängig ist, aber dennoch auf eine Tätigkeit im Sinne des Katalogs der KSK verweist. Damit sind u.a. Gästeführerinnen und Gästeführer wohl leider wieder draußen, denn sie werden dort nicht namentlich aufgeführt, allenfalls könnte die „Kulturvermittlung“ passen, aber ich warte hier noch auf Antwort vom Ministerium. Weitere Infos und die Anträge gibt es hier.

ACHTUNG. Nachtrag vom 22.3.: Meine Nachfrage bei der Bearbeitungsstelle der Anträge – bayern innovativ – hat erfreulicherweise ergeben, dass Gästeführerinnen und Gästeführer hier antragsberechtigt sind! Ich zitiere die Kollegin von bayern innovativ:

„… ich habe zu Ihrer Frage folgende Rückmeldung aus dem Ministerium bekommen:

Gästeführerinnen und Gästeführer können i.d.R. unter Kulturvermittler insbesondere des Bereiches Heimat- und Geschichtspflege nach Nr. 2 Satz 2 3. Spiegelstrich der Richtlinien zum Soloselbstständigenprogramm subsumiert werden und sind daher antragsberechtigt.
Bei der Auswahl im Antrag sollte als Beruf „Kulturvermittler“ gewählt werden.“

Also: Bitte hier schauen, ob Sie sich diesem Antrag annähern möchten.

Wer sich in diesen zermürbenden Tagen ein bisschen in Statistiken und den Aussichten auf das Reiseverhalten 2021 vertiefen möchte, dem kann ich hier diese beiden neuesten Studien ans Herz legen:

Einmal die ADFC-Radreiseanalyse 2021, die – wenig überraschend, aber in dieser Deutlichkeit doch unerwartet – einen enormen Anstieg bei den Radreisen konstatiert. Zwei Punkte daraus: 54 % haben 2020 zum ersten Mal einen Radreiseurlaub gemacht und für 51 % war es 2020 sogar der Haupturlaub. Also ein riesiges Potential an Menschen, die vielleicht ein wenig Blut geleckt haben und jetzt öfters diese Form des Urlaubs vornehmen werden. 63 % nutzten komoot, wo auch wir etliche Touren drin haben über unsere gemeinsame Kampagne mit FrankenTourismus und den Fränkischen Städten.

Und einmal die Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen FUR e.V. Hier können Sie nochmal auf das Reisejahr 2020 zurückblicken – das ist eher der deprimierende Teil – aber es es gibt auch den Ausblick auf 2021, in dem festgestellt werden kann, dass das Reisen immer noch einen sehr hohen Stellenwert hat für die Menschen und absehbar ist, dass sich dies durch Corona kaum verändert hat oder verändern wird.

Daran halten wir uns erst einmal fest, an diesen Aussichten und dem Willen der Menschen, wieder reisen zu wollen, wenn es irgendwie wieder geht.

Was wir aktuell nicht brauchen können und was auch dem Ruf der Tourismusbranche insgesamt nicht gut tut, sind die Meldungen über hunderte von Fliegern nach Mallorca, während hierzulande alles weiter zu bleiben muss. Da läuft irgendwas mächtig schief …

Online-Seminare für das Gastgewerbe

Hier kommt die einmalige Chance, sich endlich mal wieder mit etwas Konstruktivem zu beschäftigen! Okay, gut, es hat schon auch mit Corona zu tun, aber es blickt nach vorne – und es ist sogar kostenlos. Kostenlos, aber nicht umsonst!

Die Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim – WiR – bietet zwei Seminare an, die aktuelle Problemstellungen und Herausforderungen rund um den bevorstehenden Restart im Gastgewerbe konkret anpacken und auch alternative Wege aufzeigen, wie Sie Ihr Geschäft in unsicheren Zeiten zukunftssicherer aufstellen können. Eine Anmeldung ist erforderlich.

HACCP – Wie verändert die Pandemie das HACCP Konzept?

Wie sieht es morgen im Gastgewerbe aus?

Überhaupt bietet die Website der WiR einige spannende Angebote, so zum Beispiel ganz coole Videotutorials u.a. rund um Social Media, Online-Präsenzen und Kalkulation, einfach mal reinschauen:

Gastgeber, Sehenswertes, Freizeit

Bamberg unter 50!

Jetzt bin ich aber echt baff. Ich war heute morgen kurz in der Stadt unterwegs und wunderte mich über Geschäfte, die plötzlich ihre Türen öffneten. Ich hatte noch nicht in die Zeitung gesehen und siehe da, kaum saß ich wieder im home-office, kam auch schon die städtische Pressemitteilung, dass Bamberg tatsächlich unter der 50er Inzidenz liegt und infolgedessen ab heute die ersten Öffnungsregelungen der neuen Maßnahmenverordnung in Kraft treten können. Auch im Landkreis! Ich wünsche allen Einzelhänderinnen und Einzelhändlern, den Museen und all den anderen heldenhaften Pionieren des 2021er Restarts in Bamberg – und uns allen – von Herzen, dass diese Entwicklung von Dauer ist und habe mich – nach dem ersten Schock – noch selten so sehr über offene Türen gefreut. Ich glaube, ich habe in einem Laden sogar schon einen Kunden erspäht.

Damit Sie auch im Bilde sind, finden Sie hier die städtische Pressemitteilung zu den aktuellen gültigen Regeln  – die solange gelten, wie die Inzidenzwerte unter 50 bleiben! Ansonsten droht ein in der Pressemeldung auch schon angedeutetes Ping-Pong-Spiel: Auf-zu-auf-zu-auf-zu…

Genau geregelt ist das auch in der am Freitag – sie bleiben sich auch 2021 echt treu! – erschienenen zwölften Ausgabe der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 5.3.2021.

Und hier auf dieser Seite finden Sie die Einteilung der Landkreise und Städte nach ihren Inzidenzzahlen zum Stand 7.3. in ganz Bayern, damit man weiß, woran man sich ab heute orientieren soll. Es obliegt den Kreisverwaltungsbehörden selbst, die jeweils gültige Regelung rechtzeitig zu veröffentlichen, wenn die Inzidenzzahlen Grenzwerte im weiteren Verlauf über- oder unterschreiten.

Ich höre jetzt lieber schnell wieder auf, um dieses zarte Pflänzlein des Friedens nicht weiter zu stören und hoffe auf unser aller Vernunft. Dieser Schritt ist doch Motivation für uns alle, denn irgendwie haben wir es ja doch jetzt ein bisschen in der Hand. Wenn wir uns noch ein wenig zusammenreißen, das aber g’scheid, dann kann diese Entwicklung vielleicht anhalten! Trotz Mutanten! Und das wäre ein echter Anfang! Ein Anfang vom Ende! Und an diesem Ende steht dann auch irgendwann wieder das Reisen!

Also: Zusammenstehen und zusammenreißen – und durchhalten!

 

Nicht ein Wort!

Nicht ein Wort war ihnen die Tourismusbranche wert. Nicht eines!

Nichts war zu vernehmen in der heutigen Pressekonferenz des bayerischen Ministerpräsidenten zu den Perspektiven der Hotels, der Restaurants und Gaststätten und der ganzen Palette touristischer Dienstleistungen!

Ich weiß ja, dass es schwierig ist. Wir haben auch nicht erwartet, dass ab morgen alles wieder läuft. Noch selten in dieser Pandemie klaffte die Schere zwischen dem, was wir uns wünschen und dem was wir uns angesichts der aktuellen Pandemieentwicklung eigentlich leisten können, so weit auseinander. Jede Öffnung birgt Gefahren. Deswegen, ich wiederhole: Keiner hat erwartet, dass wir ab nächster Woche wieder loslegen können. Aber dass wir wenigstens mit erwähnt werden, als Branche, als Betriebe, als Millionen von Menschen, die seit Monaten nichts arbeiten dürfen und kein Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen! Und wir mal den Hauch einer Andeutung einer Perspektive erfahren! Bei all den Diskussionen im Vorfeld. Wenn ich es mir recht überlege, hätte mir vielleicht sogar schon ein Wort des Bedauerns gereicht, dass wir noch ein bisschen warten müssen. Aber nicht einmal dazu waren wir wichtig genug.

Nichts!

Eine „körpernahe Dienstleistung“ sollte man eröffnen! Oder einen Zoo gründen! Okay, ich bin gerade unfair. Der Lockdown wurde zwar bis 28.3. verlängert, aber ab dem 8.3. kann ja auch wieder ein bisschen was gehen, im Einzelhandel, bei Museen und Galerien, Zoos, Botanischen Gärten und Gedenkstätten. Ab dem 22.3. dann sogar in der Außengastronomie und auch Theater, Konzerte und Kinos werden erwähnt. Buchhandlungen wurden jetzt per se zum „täglichen Bedarf“ umdefiniert, das ist wirklich cool und freut mich. Ebenso Büchereien und Archive. Und ein paar Kontakte mehr gehen, aber nur innerhalb der bestehenden zwei Haushalte, bis fünf pro Haushalt jetzt.

Aber alles findet nur statt, wenn die Inzidenzzahlen mitspielen. Und die dafür erforderliche „stabile Inzidenzzahl von unter 50“ liegt gerade nicht so wirklich im Trend! Im Gegenteil. Und über 50 geht alles nur mit Click & Meet und vorheriger Einzelpersonbuchung, oder im Falle der Außengastronomie und der Kultureinrichtungen mit Schnell- und Selbsttests. Und bei über 100 ist alles wieder zu. Für all diese Bereiche soll es wieder die berühmten „Rahmenkonzepte“ geben. Und die Mitarbeitenden sind dann dafür verantwortlich, die Selbsttests und die Schnelltests und die entsprechenden Nachweise auf Echtheit zu überprüfen? Das kann lustig werden. Außerdem wissen wir doch noch vom letzten Jahr, wie schnell sich die Inzidenzzahlen rauf- und runterbewegen können. Zwei, drei Tage und ratz fatz ist alles wieder zu.

Die Unsicherheit ist das größte Gift für das Geschäft mit dem Reisen.

Man muss schon in die schriftlichen Verlautbarungen schauen, wenn man das Wörtchen Reisen doch noch finden will. Aus der Sitzung mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten stammt diese schöne Übersicht, die auf ein DINA4 Blatt passt:

Auf bayerischer Ebene hat sich das heute so in den Beschlüssen des Kabinetts umgesetzt, die Sie hier nachlesen können.
Dies also mein persönlicher und einziger Lichtblick des Tages: Dass beide Darstellungen – das Bundespapier und der Kabinettsbericht – eint, dass es auf Referentinnen- und Referentenebene doch noch ein paar der Empathie fähige Menschen zu geben scheint, die ganz am Ende, rechte Spalte, kurz vor Schluss und im Kabinettsbericht unter Punkt 2 g) „Künftige weitere Öffnungsschritte“ auf der vorletzten Seite dem Reisen eine eigene wörtliche (!) Erwähnung gönnen. Wie hieß noch dieser Laden, den es früher einmal gegeben hat, „Rudis Resterampe“? Das ist unsere Öffnungsperspektive, wie mir scheint.

Wenn wir die Kraft dazu hätten, sollten wir eigentlich streiken, wenn wir wieder aufmachen dürfen. Wenn ihnen unsere Leistungen so wenig wert sind, dass wir bei ihren Ausführungen nicht einmal erwähnt werden, geschweige denn eine Perspektive aufgezeigt bekommen.

Ich sag’s nochmal: Ich verstehe ja das Dilemma und ich weiß, dass es nicht einfach ist, dass das Virus den Takt vorgibt und uns nur das Impfen bleibt als wirkliche Hoffnung,

aber t’schuldigung, heute bin ich einfach mal sauer! Echt!

Nachtrag vom 7.3.2021:

Da ich, nachdem der Blogbeitrag in Gänze vom Fränkischen Tag in seiner online-Version übernommen worden ist, zumindest in den dortigen Kommentaren leider einigen Applaus von einer mir vollkommen fremden und unverständlichen Seite erhalte, möchte ich an dieser Stelle folgendes mit aller Deutlichkeit feststellen:

Meine verzweifelte Entrüstung bezog sich auf die unbestimmte Verschiebung einer Perspektive für unsere Branche und auf die erfahrene Missachtung an diesem Tag und war keine Generalabrechnung mit unseren Politikerinnen und Politikern. Mir sind immer unsere vielen Partner gegenwärtig, die schon so lange von der Hand in den Mund leben und auf ein Zeichen der Hoffnung warten.

Ich halte die Handlungen unsere Regierungen auf Bundes- und Landesebene, die sich seit einem Jahr im Krisenmodus befinden und sich mit ihren Maßnahmen immer wieder auf sich verändernde Rahmenbedingungen einstellen müssen, für allergrößtenteils richtig. Ja, manche Regelung ist aufgrund der heißen Nadel, mit der sie gestrickt wurde, vielleicht nicht ganz bis zu Ende gedacht, aber dass unsere Politikerinnen und Politiker von gutem Willen geleitet sind, und von dem Bemühen, unsere Gesellschaft so gut wie möglich durch diese Pandemie durchzubringen und uns Bürgerinnen und Bürger vor den potentiell tödlichen Folgen einer Erkrankung an Covid 19 zu bewahren, davon bin ich nach wie vor überzeugt. Mein verzweifelter Aufschrei, uns nicht zu vergessen, sollte keine generelle Verunglimpfung unserer Politikerinnen und Politiker sein. Das liegt mir fern!

Tourismus in Bamberg – Die Bilanz des Jahres 2020

Tja, welcher Begriff steht unter dem Schlussstrich der Bilanz dieses vergangenen Jahres? Katastrophe? Desaster? Trauerspiel? Oder hält man es doch mit der Queen und greift noch einmal das annus horribilis aufMir gefällt, ehrlich gesagt, eine Formulierung aus dem Antragsformular für die Überbrückungshilfen III am besten: eine „…  schwerwiegende Veränderung der Geschäftsgrundlage“.
Was für eine prächtige Formulierung, die gerade in ihrer bürokratischen Schwerfälligkeit exemplarisch für all das steht, was uns 2020 im Tourismus heimgesucht hat. Diese formalistisch-kafkaeske Sprache fand sich auch in all den Paragraphen und Anordnungen, Verordnungen, Rahmenkonzepten und Hilfsantragsformularen wieder, die unser Jahr 2020 beherrschten. Die nüchterne Sachlichkeit dieser Formulierung stülpte sich in absurder Weise über die ganze menschliche Dramatik und über die wirtschaftlichen Schrecken der Pandemie.

Die leere Stadt – ein Sinnbild dieses Corona-Jahres, (c) Special moments Medienagentur

„Schwerwiegende Veränderung der Geschäftsgrundlage“

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem sie die ITB kurz vor knapp abgesagt haben. Es war der 28. Februar 2020, wenige Tage vor Beginn, die ersten Messebauer waren schon längst zugange gewesen. Und dann das! Unerhört! Unfassbar! Wegen einem Virus! Aber spätestens da wurde auch den Touristikern in aller Welt klar, dass da mehr auf uns zukommen würde, als nur eine kurze Störung.

Und trotzdem konnte sich niemand vorstellen, mit welcher Geschwindigkeit sich in der Folge Stunde um Stunde und Tag für Tag die gesamten Grundlagen unseres Geschäftes im Nichts der Pandemie auflösen würden. Nach wie vor unfassbar.

Eine solche Rückwärtsbewegung haben wir noch nicht erlebt. Nach den ersten beiden Monaten des Jahres, die ein gutes Geschäftsjahr erwarten ließen, ging es nun darum, auf Teufel komm raus zu stornieren statt zu buchen, abzubauen statt aufzubauen, unseren Gästen abzusagen statt sie zu begrüßen. Wir mussten erleben, wie Touristen im Verlauf der Pandemie eher als Bedrohung wahrgenommen wurden denn als willkommene Besucherinnen und Besucher. Eine „schwerwiegende Veränderung der Geschäftsgrundlage“, das kann man wohl sagen. Spaßeshalber habe ich anhand der Blogeinträge hier mal auf einer Seite ein paar der wesentlichen Entwicklungsschritte, wie sie uns betrafen, stichwortartig und ohne Anspruch auf Vollständigkeit zusammengetragen, von der ersten Welle über den Sommer der Hoffnung bis zum abrupten Ende im November.

Statistisches und Umsatzzahlen

Sieht man sich die nackte Statistik an, dann sind wir, was die Übernachtungen anbetrifft, mit 441.424 Übernachtungen ungefähr wieder auf dem Stand von 2010, ein Minus von 41,4 %. Damit befinden wir uns nahezu exakt im gesamtfränkischen Schnitt von -41,8 %. Die Bettenauslastung, wen wundert es, fiel von den letztjährigen sagenhaften 51,8 % auf 35,7 %, die Aufenthaltsdauer verblieb bei 1,8 Nächten. Im Bamberger Land gab es 261.628 Übernachtungen, ein Minus von 32,3 %, die Bettenauslastung fiel hier auf 24,5 %, dafür stieg die Aufenthaltsdauer auf 2,3 Nächte. Zusammen sind wir damit wieder bei 703.052 Übernachtungen in Stadt und Land, nachdem wir vor vier Jahren erstmals gemeinsam die Millionenmarke überschritten hatten.

Und da können wir uns noch glücklich schätzen mit diesen Zahlen. Die großen Städte mit ihrem Messegeschäft, ihrem hohen Geschäftsreiseanteil und ihrem größeren Aufkommen ausländischer Reisender weisen Verluste von bis zu 60 % auf. Bei uns machte sich im Laufe des Sommers vor allem die langjährige Kooperation mit dem Bamberger Land positiv bemerkbar, insofern als wir den „Urlaubern im eigenen Land“ aufzeigen konnten, dass sie hier in der Kombination von Stadt und Land hervorragende Bedingungen, auch unter den Vorzeichen einer Pandemie, vorfinden.

Was unsere Führungen anbetrifft, unser Brot- und Buttergeschäft mit einem Umsatzvolumen von über 900.000 € in einem normalen Jahr, so beamten uns die insgesamt 2.747 Führungen (-68,7 %) mengenmäßig wieder zurück ins Wendejahr 1989, der Umsatz fiel auf 220.670,- € (-75,8 %), was auch auf die für den Kunden günstigeren kurz&kompakt-Führungen und die niedrigere Teilnehmendenzahl zurückzuführen ist. Die reine Anzahl der öffentlichen Führungen für Einzelreisende lag bei respektablen 1.492 Führungen, nur rund 200 Führungen weniger als 2019.

Besonders heftig traf die Pandemie das Geschäft mit den Gruppenreisen. Ein Minus von – 90,8 % ließ diesen Geschäftszweig 2020 auf einen Umsatz von 15.982,- € schrumpfen, das Vermittlungsgeschäft von Gruppenangeboten sank ebenfalls um – 90,5 % auf nur 7.791,- €.

127 Buchungen im Bereich der Pauschalreisen (-60,3 %) führten zu einer Umsatzminderung von 64,9 % auf 76.430,- €.

Der Umsatz in der Tourist Info erreichte zwar in den formidablen Monaten August und September annähernd das Vorjahresniveau, aufs ganze Jahr gesehen aber sinkt auch dieser Umsatz um 45,7 % auf 288.267,- €.

Ein klares Signal in Richtung Digitalisierung zeigt die Entwicklung der Online-Verkäufe von Tickets für die Premiumprodukte des TKS wie Stadtführung, BAMBERGcard, BierSchmeckerTour und diverse Themenführungen. Hier lag der Umsatz mit 70.679,- € nur 9,3 % unter dem Vorjahresergebnis.

Alles in allem sind wir weit weg von den rund 2,4 Mio. €, die wir in einem normalen Jahr durch unsere Arbeit direkt erwirtschaften, ja die ganze Branche ist weit weg von den rund 330 Mio Euro Bruttoumsatz, die der Tourismus allein in Bamberg Jahr für Jahr erwirtschaftet hat in den letzten Jahren.

Unsere Recovery-Maßnahmen

Eine ganze Reihe von Maßnahmen haben die positive, oder sagen wir „weniger negative“ Entwicklung der Sommermonate gefördert. Allein die Zusage, alle gebuchten Leistungen – mit drei Arbeitstagen Vorlauf – kostenlos stornieren zu können, hat Wirkung gezeigt und gilt bis heute gemäß verschiedener Studien als eine der wesentlichen Buchungskriterien. Daher haben wir diese Zusage bereits auf das gesamte Jahr 2021 ausgeweitet.

Mit der Kampagne #wirsindBamberg präsentierten wir auf der Website und auf allen Social Media Kanälen – unter anderem einem eigens dafür aufgebauten Instagram-Account – die Vielfalt der touristischen Anbieter in Stadt und Land und haben damit Lust auf einen späteren Besuch gemacht.

 

Die Pauschalreise „Stadt – Land – Fluss“ stellte mit ihren fünf Übernachtungen einen gezielten Versuch dar, die Urlauber im eigenen Land für einen längeren Aufenthalt in der Region zu gewinnen.

Da es schwer einzuschätzen war, wie gut die Menschen nach der Wiedereröffnung der Tourist Info persönliche Stadtführungen annehmen würden, haben wir pünktlich zum Restart im Mai eine Stadtrallye für Erwachsene aufgelegt, die den Leuten eine einfache Möglichkeit bietet, Sehenswürdigkeiten auf spielerische Art und Weise eigenständig erkunden zu können.

Auch bei den Führungen selbst reagierten wir und haben diese ab dem 30. Mai in einer neuen Form als kurz & kompakt-Version aufgelegt: Nur eine Stunde mit maximal 12 Personen. Auch einige buchbare Themenführungen wurden in diesem Format angeboten. Ab 1. August war bei den öffentlichen Führungen dann wieder eine normale, zweistündige Fassung mit maximal 15 Personen möglich, alles immer mit Registrierung und Abstandsgebot, später auch mit Maske.

Letztlich haben wir unser gesamtes Broschürenportfolio umgebaut. Zugegeben, einiges hatten wir schon im Januar in unserer Strategieklausur ohnehin so geplant, aber Corona bescherte uns dann noch so manche Umplanung der Neuplanung der Planung. Ganz neu sind u.a. bereits folgende Objekte:

Mit einem neuen Rundgang durch die Stadt und das Bamberger Land wartet die Imagebroschüre BAMBERGER auf.

Ein Stadt- und Umlandplan auf einen Blick als einfache Handreichung, das war schon lange unser Traum, jetzt gibt es ihn als eigenständigen Einzelplan in hoher Auflage.

Alle Reiseangebote für 2021, Führungen, Pauschalreisen, Ausflüge, Partnerrestaurants und -hotels sowie Gruppenangebote – es ist alles da, jetzt muss nur noch jemand reisen dürfen.

Die Bamberger Bierwelten. Zusammengefasst in einer ganz neuen Broschüre findet sich hier alles rund um die Bierkultur in Stadt und Land samt Auflistung aller Brauereien und Bierkeller.

In den letzten Zügen ist eine kompakte Version eines englischen Stadtplans und es steht noch aus die Produktion einer Broschüre für die Erlebnisangebote samt Kulturangeboten und Ausflügen, sowie eine eigene Kulinarikbroschüre. Aber hier warten wir noch eine Verstetigung der Lage ab, damit die Produktion mit aktuell gültigen Daten überhaupt Sinn macht.

Ansonsten haben wir den Schwerpunkt der Angebotsdarstellungen nochmal deutlich ins Digitale verlagert, nicht nur wegen Corona, sondern auch aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre. Print ist zwar immer noch gefragt und nach wie vor in Teilbereichen unerlässlich, aber die Nutzungsverschiebung ins Netz hat gerade in den letzten zwei, drei Jahren eine solche Dynamik erfahren, dass dieser Schritt überfällig war.

Und schließlich lief im Hintergrund, ganz lautlos aber mit großer Zukunftsorientierung, unser Umbau des Buchungssystems, um in Zukunft digital alles aus einer Hand buchen zu können: Das neue TSmart, das noch im Laufe des Jahres 2021 unser Buchungssystem auf neue Füße stellen wird, ist für uns vorwiegend in Bezug auf die Buchungsabwicklung im Hintergrund wichtig, für unsere Kunden und Partner aber vor allem im Vertrieb ein wichtiges neues Instrument.

Auch die Website www.bamberg.info litt unter Corona und so fiel die Zahl der unique visitors im Jahr 2020 um 45 % auf nur noch 438.027. Ein Problem dieser Statistik ist allerdings, dass dies grundsätzlich keine validen Daten mehr sind. Seit der gesetzlich vorgeschriebenen Zustimmungserklärung zur Datenverarbeitung jedes einzelnen Nutzers ist keine dieser Statistiken mehr repräsentativ, weil seitdem die Daten nur noch von einem Teil der Nutzer erfasst werden können, alle anderen segeln unter dem Radar der Statistik mit.

Der vorliegende Tourismusblog www.blog.bamberg.info entwickelte sich in Coronazeiten zum wesentlichen Kommunikationsmedium des TKS für seine Partner und veröffentlichte in insgesamt 47 Meldungen rund um Corona umfassend alle Neuerungen, alle Verordnungen, Konzepte und Hilfsangebote brandaktuell und war für viele eine Quelle verlässlicher Informationen.

Touristische Kooperationen

Am Beispiel des coronabedingten Einbruchs der Nutzerzahlen auf unserer Website lässt sich auch sehr gut demonstrieren, wie wichtig gerade in solchen Zeiten unsere touristischen Kooperationspartner sind. Während bei uns und allen anderen Destinationen zum Beispiel die Website-Nutzerzahlen und auch sonstige Anfragen gesunken sind, stiegen sie bei unseren Partnern sogar an. Sie widmen sich der Inspiration und Informationsaufbereitung und bieten immer wieder neue Plattformen mit irrsinniger Reichweite für unsere Angebote und bereiten so den Boden für unsere Arbeit und helfen mit ihren Maßnahmen und ihrer Marktpräsenz, die Fahne immer weiter hochzuhalten, gerade auch in solchen Zeiten. Frankentourismus, die Fränkischen Städte, die BurgenstraßeBayern Tourismus und der Verein der Welterbestätten und auch der Steigerwald – der solidarische Zusammenhalt im Tourismus ist eine der großen Stärken unserer Branche, so empfinde ich es zumindest immer.

Neuer Tourismusreferent

Innerhalb der Stadt hat sich nach der Kommunalwahl einiges für den TKS geändert. Wir sind nach vielen Jahren im Kulturreferat wieder ins Wirtschaftsreferat zurückgekehrt. Auf der Referentenebene ist somit seit dem Sommer der Wirtschafts- und nun auch Tourismusreferent Stefan Goller für uns und den Tourismus zuständig. Christian Lange gilt unser Dank für seine langjährige Begleitung und Förderung des Tourismus in seiner Funktion als Bürgermeister und Tourismusreferent.

In Stefan Goller haben wir nun einen ausgesprochenen Experten für den Wirtschaftsstandort Bamberg an der Seite und haben ihn bisher als sehr konstruktiven, zugewandten und zukunftsorientierten Referenten kennengelernt. Wenn die Pandemie einmal vorüber ist, werden Sie ihn sicherlich auch in Bälde einmal in seiner neuen Funktion kennenlernen.

Tourismusverträglichkeit

Auch wenn im Corona-Jahr auf einmal ganz andere bayerische Regionen mit dem Thema „Overtourism“ konfrontiert wurden, so war das Thema „Tourismusverträglichkeit“ auch bei uns nicht völlig verschwunden. Gerade durch die Abstandsgebote wurde im Sommer schnell klar, dass der öffentliche Raum auch mit weniger Tourismus schnell zu stark beansprucht wurde, zumal die Innenräume der Gastronomie weniger genutzt wurden und das Leben vorwiegend draußen stattfand.Bamberg nahm mit dem Thema „Besucherlenkung“ an einem internationalen Wettbewerb des Bundesinnenministeriums teil und hat als Preisträger in seiner Kategorie nun die Chance, im Rahmen der Smart City Kampagne dieses Thema stärker konkret in den Fokus zu nehmen.

TKS intern

Erstmalig war es im öffentlichen Dienst aufgrund des eigenen Covid-Tarifvertrags ab Mai möglich, Kurzarbeit anzumelden, was für die meisten Mitarbeitenden des TKS in unterschiedlichen Anteilen auch Realität wurde und bis heute anhält. Zusätzlich zum Wegfall der Arbeitsgrundlage und des Kontakts zum Kunden und vieler Partner und der Kolleginnen und Kollegen war dies eine einschneidende Erfahrung für viele Mitarbeitenden des TKS. Ab dem Herbst kam dann umfangreiches Arbeiten aus dem home-office hinzu, was einerseits eine tolle Möglichkeit ist, flexibel zu arbeiten und den pandemiebedingten Umständen Rechnung zu tragen, aber andererseits das persönliche Miteinander im Team sehr vermissen lässt.
Insgesamt hatte die Tourist Info zwei Monate im Frühjahr komplett geschlossen und auch wieder exakt zwei Monate ab November 2020. Provisorisch umgebaut gemäß Hygieneplan war die Tourist Info schon im Sommer ein gewöhnungsbedürftiger Anblick, aber so eine leere, komplett verlassene Tourist Info ist noch einmal ein besonders schmerzlicher Anblick.

Ausblick

An dieser Stelle bleibt nur die Referenz an Oasis, die vor langer Zeit mit „Don’t look back in anger!“ den einzig sinnvollen Umgang mit dem Jahr 2020 formuliert haben, um den Blick nach vorne richten zu können. Auch wenn es in diesen Februartagen gerade besonders perspektivlos erscheint, im Laufe dieses Jahres wird es wieder Reisen geben, wird die Buchungslage kurzfristig anziehen und vielleicht noch einmal ein weiteres Jahr auf uns zukommen, in dem der „Urlaub im eigenen Land“ in den Fokus Vieler gerät. Erste Studien bescheinigen den Deutschen eine ungebrochene Reiselust, auch finanziell scheint die Pandemie kein so großes Loch in die Geldbeutel gerissen zu haben, dass es vom Reisen abhalten würde. Solange im Frühsommer, Sommer und Herbst wieder etwas geht und der Trend dann anhält und nicht in eine dritte Welle mündet, kann dieses Geschäftsjahr noch befriedigend werden. Gut kann es durch den bereits erfolgten Verlust des Weihnachtsgeschäfts, der Nullnummer im ersten Quartal und der tiefsitzenden Unsicherheit der Kundschaft bereits nicht mehr werden.