Nicht ein Wort!

Nicht ein Wort war ihnen die Tourismusbranche wert. Nicht eines!

Nichts war zu vernehmen in der heutigen Pressekonferenz des bayerischen Ministerpräsidenten zu den Perspektiven der Hotels, der Restaurants und Gaststätten und der ganzen Palette touristischer Dienstleistungen!

Ich weiß ja, dass es schwierig ist. Wir haben auch nicht erwartet, dass ab morgen alles wieder läuft. Noch selten in dieser Pandemie klaffte die Schere zwischen dem, was wir uns wünschen und dem was wir uns angesichts der aktuellen Pandemieentwicklung eigentlich leisten können, so weit auseinander. Jede Öffnung birgt Gefahren. Deswegen, ich wiederhole: Keiner hat erwartet, dass wir ab nächster Woche wieder loslegen können. Aber dass wir wenigstens mit erwähnt werden, als Branche, als Betriebe, als Millionen von Menschen, die seit Monaten nichts arbeiten dürfen und kein Geld für ihren Lebensunterhalt verdienen! Und wir mal den Hauch einer Andeutung einer Perspektive erfahren! Bei all den Diskussionen im Vorfeld. Wenn ich es mir recht überlege, hätte mir vielleicht sogar schon ein Wort des Bedauerns gereicht, dass wir noch ein bisschen warten müssen. Aber nicht einmal dazu waren wir wichtig genug.

Nichts!

Eine „körpernahe Dienstleistung“ sollte man eröffnen! Oder einen Zoo gründen! Okay, ich bin gerade unfair. Der Lockdown wurde zwar bis 28.3. verlängert, aber ab dem 8.3. kann ja auch wieder ein bisschen was gehen, im Einzelhandel, bei Museen und Galerien, Zoos, Botanischen Gärten und Gedenkstätten. Ab dem 22.3. dann sogar in der Außengastronomie und auch Theater, Konzerte und Kinos werden erwähnt. Buchhandlungen wurden jetzt per se zum „täglichen Bedarf“ umdefiniert, das ist wirklich cool und freut mich. Ebenso Büchereien und Archive. Und ein paar Kontakte mehr gehen, aber nur innerhalb der bestehenden zwei Haushalte, bis fünf pro Haushalt jetzt.

Aber alles findet nur statt, wenn die Inzidenzzahlen mitspielen. Und die dafür erforderliche „stabile Inzidenzzahl von unter 50“ liegt gerade nicht so wirklich im Trend! Im Gegenteil. Und über 50 geht alles nur mit Click & Meet und vorheriger Einzelpersonbuchung, oder im Falle der Außengastronomie und der Kultureinrichtungen mit Schnell- und Selbsttests. Und bei über 100 ist alles wieder zu. Für all diese Bereiche soll es wieder die berühmten „Rahmenkonzepte“ geben. Und die Mitarbeitenden sind dann dafür verantwortlich, die Selbsttests und die Schnelltests und die entsprechenden Nachweise auf Echtheit zu überprüfen? Das kann lustig werden. Außerdem wissen wir doch noch vom letzten Jahr, wie schnell sich die Inzidenzzahlen rauf- und runterbewegen können. Zwei, drei Tage und ratz fatz ist alles wieder zu.

Die Unsicherheit ist das größte Gift für das Geschäft mit dem Reisen.

Man muss schon in die schriftlichen Verlautbarungen schauen, wenn man das Wörtchen Reisen doch noch finden will. Aus der Sitzung mit den Ministerpräsidentinnen und -präsidenten stammt diese schöne Übersicht, die auf ein DINA4 Blatt passt:

Auf bayerischer Ebene hat sich das heute so in den Beschlüssen des Kabinetts umgesetzt, die Sie hier nachlesen können.
Dies also mein persönlicher und einziger Lichtblick des Tages: Dass beide Darstellungen – das Bundespapier und der Kabinettsbericht – eint, dass es auf Referentinnen- und Referentenebene doch noch ein paar der Empathie fähige Menschen zu geben scheint, die ganz am Ende, rechte Spalte, kurz vor Schluss und im Kabinettsbericht unter Punkt 2 g) „Künftige weitere Öffnungsschritte“ auf der vorletzten Seite dem Reisen eine eigene wörtliche (!) Erwähnung gönnen. Wie hieß noch dieser Laden, den es früher einmal gegeben hat, „Rudis Resterampe“? Das ist unsere Öffnungsperspektive, wie mir scheint.

Wenn wir die Kraft dazu hätten, sollten wir eigentlich streiken, wenn wir wieder aufmachen dürfen. Wenn ihnen unsere Leistungen so wenig wert sind, dass wir bei ihren Ausführungen nicht einmal erwähnt werden, geschweige denn eine Perspektive aufgezeigt bekommen.

Ich sag’s nochmal: Ich verstehe ja das Dilemma und ich weiß, dass es nicht einfach ist, dass das Virus den Takt vorgibt und uns nur das Impfen bleibt als wirkliche Hoffnung,

aber t’schuldigung, heute bin ich einfach mal sauer! Echt!

Nachtrag vom 7.3.2021:

Da ich, nachdem der Blogbeitrag in Gänze vom Fränkischen Tag in seiner online-Version übernommen worden ist, zumindest in den dortigen Kommentaren leider einigen Applaus von einer mir vollkommen fremden und unverständlichen Seite erhalte, möchte ich an dieser Stelle folgendes mit aller Deutlichkeit feststellen:

Meine verzweifelte Entrüstung bezog sich auf die unbestimmte Verschiebung einer Perspektive für unsere Branche und auf die erfahrene Missachtung an diesem Tag und war keine Generalabrechnung mit unseren Politikerinnen und Politikern. Mir sind immer unsere vielen Partner gegenwärtig, die schon so lange von der Hand in den Mund leben und auf ein Zeichen der Hoffnung warten.

Ich halte die Handlungen unsere Regierungen auf Bundes- und Landesebene, die sich seit einem Jahr im Krisenmodus befinden und sich mit ihren Maßnahmen immer wieder auf sich verändernde Rahmenbedingungen einstellen müssen, für allergrößtenteils richtig. Ja, manche Regelung ist aufgrund der heißen Nadel, mit der sie gestrickt wurde, vielleicht nicht ganz bis zu Ende gedacht, aber dass unsere Politikerinnen und Politiker von gutem Willen geleitet sind, und von dem Bemühen, unsere Gesellschaft so gut wie möglich durch diese Pandemie durchzubringen und uns Bürgerinnen und Bürger vor den potentiell tödlichen Folgen einer Erkrankung an Covid 19 zu bewahren, davon bin ich nach wie vor überzeugt. Mein verzweifelter Aufschrei, uns nicht zu vergessen, sollte keine generelle Verunglimpfung unserer Politikerinnen und Politiker sein. Das liegt mir fern!

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