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Friederike Stark
Freitag, 24. April 2026 (12:28)

Zentrale Ergebnisse zur Studie „Nachhaltiger Tourismus in Stadt und Landkreis Bamberg“ liegen vor

Text: Prof. Dr. Marc Redepenning, Dr. Sebastian Scholl
Lehrstuhl Geographie I Otto-Friedrich-Universität Bamberg


Im Zeitraum von April 2024 bis März 2025 wurde im Rahmen des studentischen Forschungsseminars im Masterstudiengang Sozial- und Bevölkerungsgeographie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg in enger Kooperation mit dem BAMBERG Tourismus & Kongress Service (TKS) sowie der Wirtschaftsförderung des Landkreises eine Untersuchung zur Nachhaltigkeit in Hotel- und Gastronomiebetrieben durchgeführt.

Ansatz der Studie

Die Studie stellt einen fundierten empirischen Beitrag zur Untersuchung von Transformationsprozessen im lokalen Tourismussektor dar. Vor dem Hintergrund zunehmender gesellschaftlicher Anforderungen an eine nachhaltige Entwicklung touristischer Orte ist die systematische Erhebung des Status quo von zentraler Bedeutung. Insbesondere auf kleinräumiger Ebene, wie z. B. Städte oder Landkreise, besteht häufig ein Defizit an belastbaren Daten, die als Grundlage für strategische Steuerung und evidenzbasierte Entscheidungsprozesse auf lokaler oder regionaler Ebene dienen können. Der im Projekt erhobene Datensatz fungiert in diesem Zusammenhang nicht nur als wissenschaftliche Bestandsaufnahme, sondern ist Grundlage zur Weiterentwicklung des touristischen Leitbildes und zur gezielten Ausrichtung zukünftiger Maßnahmen. Das touristische Leitbild wurde 2024-2025 für den Tourismus in Bamberg und im Bamberger Land erarbeitet und stellt die ökonomisch erfolgreiche touristische Arbeit unter die Prämisse sozialer und ökologischer Verträglichkeit. Das vorliegende Projekt schließt somit eine Lücke, indem es die Nachhaltigkeitsaktivitäten von Betrieben der Hotellerie und Gastronomie differenziert erfasst und in einen analytischen Rahmen überführt.

Hervorzuheben ist dabei die methodische Konzeption eines mehrdimensionalen Nachhaltigkeitsindex, der ökologische, soziale und ökonomische Aspekte integriert und gewichtet. Durch die Operationalisierung in Form eines Punktesystems und die Überführung in ein leicht verständliches Ampelschema gelingt es, komplexe Sachverhalte sowohl wissenschaftlich valide als auch praxisnah und leicht nachvollziehbar aufzubereiten. Dies stellt eine zentrale Stärke der Untersuchung dar, da sie nicht nur analytische Tiefe generiert, sondern gleichzeitig die Anschlussfähigkeit für außerwissenschaftliche Akteurinnen und Akteure erhöht.

Ergebnisse der Studie

Die Ergebnisse weisen insgesamt auf eine „starke Mitte“ in Bezug auf die Nachhaltigkeitsleistung der untersuchten Betriebe hin. Viele Akteure haben bereits einzelne Maßnahmen implementiert, insbesondere im Bereich der Schonung von Ressourcen, wie etwa der Nutzung erneuerbarer Energien. Gleichzeitig zeigen sich jedoch deutliche Entwicklungspotenziale, etwa hinsichtlich der stärkeren Integration in regionale Wertschöpfungsketten, des Ausbaus sozialer Verantwortung oder der Nutzung von Nachhaltigkeitszertifizierungen. Auch im Bereich der Digitalisierung wird ein Potenzial sichtbar, insbesondere im Hinblick auf die Verknüpfung digitaler Innovationen mit nachhaltigkeitsbezogenen Zielsetzungen, wie z. B. die Nutzung von datenbasierten digitalen Lösungen zur Verringerung von Lebensmittelverschwendung, wie sie etwa durch Apps wie ‚Too Good To Go‘ ermöglicht wird. Diese digitalen Innovationen könnten helfen, Ressourcen effizienter zu nutzen und gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck der Betriebe weiter zu verringern.

Aus wissenschaftlicher Perspektive sind diese Befunde insofern relevant, als sie die Heterogenität betrieblicher Nachhaltigkeitspraktiken verdeutlichen und gleichzeitig strukturelle Zusammenhänge aufzeigen – etwa den positiven Zusammenhang zwischen regionaler Verankerung und nachhaltigem Handeln.

Praxisbezug der Studie

Von besonderer Bedeutung ist jedoch der hohe Praxisbezug der Studie. Durch die enge Kooperation mit lokalen Institutionen wie dem Tourismusservice der Stadt sowie der Wirtschaftsförderung des Landkreises Bamberg wird sichergestellt, dass die generierten Erkenntnisse unmittelbar in bestehende Steuerungs- und Entwicklungsprozesse einfließen können. Die Ergebnisse sind somit mehr als nur eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme, sondern helfen zur Weiterentwicklung des touristischen Leitbildes. So können Maßnahmen für die Betriebe genau da ansetzen, wo schon auf engagierte Vorarbeit gebaut werden kann oder wo es am wichtigsten ist, Dinge neu anzustoßen und eine intensive Begleitung nachhaltiger Prozesse anzubieten.

Abschließend gilt ein besonderer Dank den beteiligten Studierenden Luisa Beinert, Michelle Brodmerkel, Charlotte Chalabi, Franziska Galster, Amelie Hauptmann, Juliane Koy, Timo Reinhart und Noemi Schoog, die das vorliegende Forschungsprojekt mit großem Engagement, wissenschaftlicher Sorgfalt und hoher Eigenständigkeit maßgeblich gestaltet haben. Von der Konzeption des Forschungsdesigns über die Datenerhebung bis hin zur Auswertung und Aufbereitung der Ergebnisse lag ein wesentlicher Teil der inhaltlichen und organisatorischen Arbeit in ihren Händen.

Das Projekt zeigt, welches Potenzial in forschungsorientierter Lehre liegt, wenn Studierende eigenverantwortlich an anwendungsorientierten Fragestellungen arbeiten und ihre Ergebnisse in konkrete Anwendungszusammenhänge überführen. Die vorliegende Studie ist somit nicht nur ein Beitrag zur tourismusgeographischen Forschung, sondern zugleich Ausdruck einer gelungenen Verbindung von wissenschaftlicher Qualifizierung und praxisrelevanter Wissensproduktion.

Die Ergebnisse im Detail finden Sie in dieser pdf-Datei.

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