Schwarze Wolken über unserem Land

Bamberg und der Landkreis machen wieder zu. Eine satte Überschreitung der 100er-Inzidenz an drei Tagen in Folge – sowohl in der Stadt als auch im Landkreis – lassen die Notbremse wirksam werden. Im Landkreis ab Freitag, in der Stadt ab Samstag.

Damit gehen diverse Verschlechterungen einher für Läden und Institutionen, für die Kontaktmöglichkeiten, und auch unser alter Bekannter, die Ausgangssperre ab 22 Uhr, kehrt wieder zurück. Hier die Pressemeldung der Stadt von heute mit den Veränderungen für die Zeit ab Samstag, die inhaltlich aber genauso für den Landkreis gilt, nur schon ab Freitagfrüh.

Wer’s lieber grafisch vor sich sieht, dem kann geholfen werden:

Und, sind wir uns mal ehrlich, ich fürchte, so schnell kommen wir nicht wieder unter die 100er Inzidenz zurück, wenn alles so bleibt, wie es ist. [Tja, Revision von Freitagmorgen: Die Stadt hat ihre Inzidenz tatsächlich heute wieder auf unter 100 gedrückt, ändert aber vorerst nichts an der Regelung ab morgen. Es bleibt spannend.] Dramatisch ist die Situation auf den Intensivstationen bereits jetzt, und der Zeitverzug zu den richtig hohen Infektionszahlen dieser Tage kommt noch obendrauf. Wer jetzt immer noch nicht Medizinern und Wissenschaftlerinnen glaubt, die letztlich immer Recht behalten haben mit ihren Prognosen und Einschätzungen, dem kann nicht mehr geholfen werden. Ein Lichtblick aus der Wissenschaft für uns sind aber vielleicht die neuesten Erkenntnisse aus der Aerosolforschung, die allen Tätigkeiten und Kontakten, die draußen stattfinden, im Grunde genommen unter Einhaltung von ausreichend Abstand eine sehr niedrige Infektionsgefahr attestieren. Ein Hoffnungsschimmer für Führungen im Sommer 2021?

Dennoch bleibt für uns im Tourismus aktuell wenig Licht unter dem dräuenden Schwarz der dunklen Wolken. Eigentlich sollte dieser Blogeintrag schon vor Ostern online gehen. Da war die große MPK mit der berühmten Gründonnerstagsruhe. Aber das einzige, was von meinem ersten Entwurf geblieben ist, ist die Überschrift, ich glaube, es war eine Formulierung aus der Regierungserklärung von Ministerpräsident Markus Söder.

Ich habe den Blogeintrag dann immer wieder verschoben, weil ich jeder Pressekonferenz gelauscht habe, jede Ministerratssitzung verfolgt habe und etliche Diskussionsrunden. Und jedes Mal hatte ich beim Zuhören meinen Tourismusfilter auf den Ohren. Und siehe da… es blieb nichts hängen im Filter. Der Tourismus existierte mal wieder nicht. Von Mal zu Mal kam nichts Neues für uns. Nur die Verschiebung der nächsten Öffnungsschritte, aber das hat letztlich auch niemanden mehr überrascht.

Zurzeit legt sich eine Lethargie, ja eine gewisse Resignation über unsere Branche. Gerade dieser Tage war eine Online-Konferenz mit ganz vielen Städtetouristikern und da fiel dieses Wort. Und ich gebe zu, es trifft meinen aktuellen Gemütszustand auch recht gut, nicht immer, aber leider allzu häufig. Alle sind es müde, zu planen und umzuplanen, nur um dann wieder vertröstet zu werden, wieder neu zu planen und umzuplanen, nur um wieder vertröstet zu werden. Und mit Erschrecken stellen wir alle fest, dass das Jahr 2021 noch viel, viel schlimmer wird in der Bilanz als 2020. Wir blicken in Kürze auf ein ganzes halbes Jahr ohne nennenswerte Umsätze zurück. Ein halbes Jahr Nichts! Grauenhaft!

Und dann las ich einen augenöffnenden Kommentar im Wirtschaftsteil der Süddeutschen und habe endlich verstanden: Wir sind volkswirtschaftlich gesehen schlicht zu wenig relevant! Wir, die wir wirtschaftlich am meisten unter Corona leiden, machen nur ein Zwanzigstel des Bruttoinlandsproduktes aus. Die Prognosen stehen auf Wachstum, der DAX erreicht immer neue Rekordhöhen, die Industrie brummt, die Wirtschaft läuft. Und, wie schreibt es Alexander Hagelüken in seinem Kommentar so schön: „Nein, das dichtgemachte Restaurant um die Ecke taugt nicht als Indikator“ für die Konjunkturprognose. Ich bemühe mich seitdem, diesen Sachverhalt positiv zu lesen: Dank der brummenden Gesamtwirtschaft können wir uns die ganzen Wirtschaftshilfen leisten und kommen so hoffentlich doch alle irgendwie durch, mit blauem Auge und schlimmeren Blessuren, aber wir kommen durch.

Ich will aber auch heute positiv enden, und habe dafür gleich drei Dinge:

Einmal bin ich mal wieder stolz auf mein Team, denn unsere Kolleginnen und Kollegen, die aktuell in Kurzarbeit sind, sind seit einigen Wochen immer mal wieder zum Bamberger Impfzentrum abgeordnet und hängen sich da mit ans Telefon und helfen dem Team dort, die ganze Organisation von Registrierung und Terminvergaben zu wuppen. Und indirekt tragen sie damit ja dazu bei, dass dieses ganze Schlamassel irgendwann ein Ende hat. Und wer im Büro oder im Home-office arbeitet, muss tagein, tagaus die Video-Onlineritis aushalten, die einsamen Flure im TKS überwinden und die provisorisch eingerichteten Arbeitsnischen im eigenen Zuhause orthopädisch überleben und dennoch immer produktiv und motiviert für unser aller Wohl weiterarbeiten. Nach sechs Monaten Schließung und Nullumsatz eine motivatorische Glanzleistung! Ich ziehe einmal mehr meinen Hut vor meinem Team! Chapeau!

Das zweite: Unsere lieben und engagierten Kolleginnen und Kollegen von FrankenTourismus haben eine tolle Wissensdatenbank aufgebaut – das Tourismusnetzwerk Franken. Eigentlich für uns Mitglieder, aber ich habe extra nachgefragt, und natürlich ist es für alle zugänglich und nutzbar. Darin finden Sie alles, was Sie wissen müssen und wissen können rund um Corona, aber noch Vieles mehr: Statistiken und Studien, Termine, Veranstaltungen und News aus der Branche, Förderprogramme und Fortbildungsmöglichkeiten. Unter anderem finden Sie dort auch die DTV-Studie „Zahlen Daten Fakten 2021„, mit einem Rückblick auf 2020, aber auch interessanten Einblicken ins Jahr 2021.

Und als letztes noch: Heute kam frisch aus der Druckerei unsere Erlebnisbroschüre für 2021. Wenn man die durchblättert, kriegt man richtig gute Laune, denn unsere Partner haben ihre ganze Leidenschaft hineingelegt und haben tolle Angebote parat für unsere Kundschaft. Wir haben lange gewartet, bis wir damit in Druck gegangen sind, damit wir genügend Zeit haben, auf aktuelle Begebenheiten reagieren zu können, aber jetzt wollten wir damit unbedingt auf den Markt, auch wenn wir noch keinen Starttermin kennen. Wir wollen unseren Kunden signalisieren: Wir sind bereit und freuen uns darauf, endlich wieder zeigen zu können, was wir drauf haben!

4 Gedanken zu “Schwarze Wolken über unserem Land

  1. Lieber Michael,
    ich wollte dir einfach mal für deine tollen Blogs danken:
    – für den informativen Inhalt, mit dem du uns auf dem Laufenden hältst,
    – für die literarische Qualität, die zu lesen einfach eine Freude ist, und
    – für die Leidenschaft, mit der du dich ausdrückst und uns, die wir im gleichen Boot sitzen, mitnimmst.

    Herzliche Grüße,
    Michaela

    • Es ist mir eine Ehre, vielen Dank! Wenigstens auf diesem Wege will ich mit Euch weiter den Kontakt halten. Lieber würde ich Euch Gästeführerinnen und Gästeführer natürlich immer mal wieder „auf der Straße“ treffen und in Aktion sehen und verstohlen zuwinken, aber im Moment bleibt uns nur dieses…

  2. Lieber Herr Heger,
    auch ich möchte mich anschließen: Sie sprechen mir immer aus dem Herzen und es ist wirklich eine Freude, Ihre Blogs zu lesen (in dieser üblen Zeit)!!! Danke und Ohren steif halten!!! Ich bin mittlerweile auch völlig frustriert aber dennoch froh, daß das Virus bisher noch einen Bogen um uns herum gemacht hat!
    Ganz herzliche Grüße und alles Gute
    Bettina Kröner

    • Ja, ich glaube, das kann man sich gar nicht oft genug klar machen, dass sich glücklich schätzen kann, wer noch keine leibhaftige Berührung mit dem Virus hatte und das ganze Schlamassel innerhalb der Familie in Gesundheit durchlebt.

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