Bamberg – Welterbe und Tourismus

Die Ernennung Bambergs zum Welterbe vor 30 Jahren war heuer Anlass für etliche Veranstaltungen und den großen schönen Festakt in der Konzerthalle am Jahrestag 11.12. selbst. Auch die Redaktion des Fränkischen Tages hat dieses Jubiläum zum Anlass genommen, in einer kleinen Reihe von Interviews und Artikeln auf die Auswirkungen des Welterbetitels auf Bamberg einzugehen, verbunden mit der auf den Tourismus bezogenen Frage nach möglichen Kipp-Punkten und Eintrittsgeldern für die Altstadt. In diesem Rahmen lieferte ich eine kleine Replik zu mit einer Zusammenfassung unserer Sicht der Dinge. Da sie, wie ich meine, unsere Haltung zum Themenkomplex Tourismusverträglichkeit mal wieder ganz gut zusammenfasst, möchte ich dieses Papier – leicht überarbeitet und ergänzt – hier öffentlich kundtun, gerne auch zur Diskussion stellen:

Der Tourismus tut Bamberg gut! Gäste aus aller Welt beeinflussen die Stadt und ihre Entwicklung positiv. Davon sind wir überzeugt.

Deswegen reden wir die Probleme, die Tourismus in Städten durchaus aufwirft, nicht klein, aber wir plädieren dafür, die Öffnung einer Stadt für Besucherinnen und Besucher in erster Linie als das zu sehen, was es auch ist: Eine Belebung der Stadt, ein Förderprogramm für Kultur, eine Lebensversicherung für Einzelhandel und Gastronomie und der Garant für eine Freizeit-Infrastruktur, die von Allen genutzt wird.  

Wir alle kennen Städte, denen zuerst der attraktive Einzelhandel und dann die gastronomische Vielfalt abhanden kommen, und schließlich die Kulturlandschaft verödet. Dass dies in Bamberg nicht geschieht, ist auch den Gästen aus Deutschland und aller Welt zu verdanken. Immerhin trägt der Tourismus mit einem Bruttoumsatz von 340 Millionen Euro erhebliche Wertschöpfung in die Stadt. Und das kommt nicht nur der Hotellerie und Gastronomie und dem Einzelhandel zugute, sondern auch lokalen Handwerksbetrieben, den Kulturanbietern, den Bamberger Gärtnern, Bäckereien, Dienstleistern und vielen Zulieferern mehr. Corona hat doch gezeigt, dass die genau gleiche Infrastruktur, wie sie die Gäste dieser Stadt genießen, auch von den Bambergern und Bambergerinnen heiß und innig geliebt werden. Neben der Uni mit ihren vielen Studierenden, die die Stadt immer jung und in Bewegung halten, und den vielen engagierten Bambergern und Bambergerinnen, die mit ihrem unermüdlichen Einsatz die Schönheit der Stadt stets erneuern und in ihre Häuser investieren wie einst nur die Fürstbischöfe, ist es also auch der Tourismus, der dieser Stadt Gutes bringt!

Der Tourismus in Bamberg und auch im Bamberger Land profitiert seit der Ernennung zum Welterbe 1993 sehr stark von dem Effekt, dass die Menschen aus aller Welt einen Welterbetitel auch als Auszeichnung für etwas Bedeutsames anerkennen, das man unbedingt einmal gesehen haben muss. So gibt die „Faszination Weltkulturerbe“ seitdem den Ton in der touristischen Werbung an und erzählt Gästen immer wieder die Geschichte rund um Kultur und Kunst, die wichtigen Bauten und Denkmäler und erläutert die Alleinstellungsmerkmale von Bergstadt, Inselstadt und Gärtnerstadt.

Die Zahl der Übernachtungen hat sich seit der Ernennung zum Welterbe 1993 bis heute ziemlich genau verdreifacht, allerdings von einem niedrigen Ausgangsniveau. Bamberg war erst wenige Jahre zuvor von einem inner(west)deutschen Randgebiet zu Zeiten des Eisernen Vorhangs in den Mittelpunkt Deutschlands gerückt. 1993 wurden 250.000 Übernachtungen verzeichnet, 2019 – und wieder 2022 – lagen wir bei rund 750.000 Übernachtungen. Weltweit gesehen verdreifachte sich die Zahl der Städtereisen in dem weitaus kürzeren Zeitraum von 2007 bis heute, also nochmal deutlich dynamischer als in Bamberg.

Aber auch in Bamberg lässt sich ab ca. 2010 ein besonders rasanter Anstieg der Übernachtungszahlen feststellen, zum Teil durch Hotelzuwächse erklärbar, aber auch durch diesen weltweiten Trend zu Städte- und Kulturreisen und der hohen Attraktivität des Reiseziels Bamberg mit seinem Bamberger Umland. In der Folge begann der BAMBERG Tourismus & Kongress Service auch mit den ersten Maßnahmen zur Tourismusverträglichkeit, wie z.B. der Verringerung der Gruppengrößen bei Führungen, einer Diversifizierung der Wegeführungen aller Führungen, aber vor allem für Flusskreuzfahrer, einer Obergrenze für die Zahl der gleichzeitig stattfindenden öffentlichen Stadtführungen, dem Ausschluss von Junggesellenabschieden oder auch mit der Einführung eines Verträglichkeits-Codex für Erlebnisangebote, die über den TKS vermittelt werden. Infotage und die Binnenkampagne „Bamberg, da schau her“ sowie eine Bevölkerungsbefragung trugen ihren Teil dazu bei. Einen dauerhaften Beitrag leisten der sogenannte Welterbe-Euro und der Welterbe-Fünfer in Form von Spenden aus dem Umsatz der öffentlichen und der gebuchten Stadtführungen „Faszination Weltkulturerbe“, die an die Stiftung Welterbe Bamberg gehen. Seit ihrer Einführung wurden auf diesem Wege der Stiftung schon mehrere hunderttausend Euro überwiesen, die allesamt zum Erhalt des Welterbes beitragen. Großes Potential zur Entzerrung bietet auch die enge Tourismuskooperation mit dem Landkreis Bamberg seit 2010, die zu einem Zusammenwachsen der touristischen Angebote von Stadt und Land geführt hat.

Die Kennzahl der Tourismusintensität (Übernachtungszahlen pro Einwohner) sieht Bamberg weit entfernt von touristischen Hotspots wie Dubrovnik, Venedig oder Amsterdam und eher auf Augenhöhe mit München, Hamburg oder Berlin. Ein Kipppunkt lässt sich daher schwer definieren. Die reinen Zahlen, so die wissenschaftliche Betrachtung, geben das nicht her. Das Problem in Bamberg ist das kleine und kleinteilige Kernareal, das von Gästen bevorzugt besucht wird und in großen Teilen mit den Grenzen des Welterbes übereinstimmt und auf eine ebenso kleinteilige Wohn- und Lebensstruktur der einheimischen Bevölkerung trifft. Dieses Areal wird nun einmal von allen Menschen gerne genutzt, von Einheimischen, wie auch von Bewohnerinnen und Bewohnern des Umlands, von Studierenden, von Tagesbesucherinnen oder auch von Geschäftsreisenden und den Mitarbeitenden der neu hinzugekommenen Firmen, die sich in Bamberg angesiedelt haben. Es ist also ein generelles Overcrowding des öffentlichen Raums, eher als nur Overtourism, und es ist tageszeitlich, saisonal und örtlich begrenzt. Dennoch: hier gilt es, weiter genau hinzuschauen und die oben genannten Maßnahmen zu verstärken und neue Maßnahmen umzusetzen, die versuchen, lenkend einzugreifen, damit der Tourismus seinen Teil dazu beiträgt, Overcrowding einzudämmen.  

Maßnahmen etwa wie das Eintrittsgeld, welches Venedig derzeit einführt, wären extrem schwer umzusetzen in einer Stadt mit freiem Zugang aus allen Richtungen, aus sozialpolitischen und ethischen Gründen auch höchst fragwürdig, mal abgesehen von einer in Frage zu stellenden Wirksamkeit. Aktuell wird vor Gericht ausgefochten, ob es auch in Bayern zukünftig eine Bettensteuer geben darf. Eventuell wird dies für Bamberg interessant und könnte in der Folge Maßnahmen zur Verträglichkeitsgestaltung mitfinanzieren.

Der TKS formuliert derzeit eine neue Vision für den Tourismus in Bamberg und im Bamberger Land im Rahmen der bayernweiten Kampagne zu „Nachhaltigem Tourismus“. 2024 wollen wir diese Vision mit vielen Interessengruppen in Stadt und Land diskutieren. Die Verträglichkeit touristischer Angebote wird dabei eine große Rolle spielen.

Denn wir wollen alle einen verträglichen Tourismus, der niemanden überfordert und niemanden so stark beeinträchtigt, dass er oder sie sich nicht mehr wohlfühlt in der eigenen Stadt. Wir müssen uns der negativen Auswirkungen bewusst sein und im Rahmen unserer Möglichkeiten etwas dagegen tun. Vor allem müssen wir solchen Menschen die Tür zumachen, die Anstand, Respekt, Toleranz und Rücksichtnahme vermissen lassen. Gesamtgesellschaftliche Fehlentwicklungen der letzten Jahre in Sachen Alkohol oder auch im Umgang miteinander lassen sich auch in Bamberg feststellen, sind aber kein spezifisches Phänomen nur in Bamberg oder nur von Besuchenden.  

Ich betone es noch einmal: Ich bin davon überzeugt, dass der Tourismus Bamberg gut tut. Die Begegnung mit unseren Gästen aus aller Welt ist etwas Positives und Bereicherndes. Für uns alle! 

Als Literaturtipp: Die Themen-Magazine von Bayern Tourismus

Auf dem Weg zu nachhaltigem Tourismus

„Nachhaltige Destinationsentwicklung in Bayern“

Vortrag von Christian Nordhorn, Bayern Tourismus Marketing GmbH,

mit anschließender Podiumsdiskussion zur Entwicklung in Bamberg

25. April 2023, 18.00 – 20.00 Uhr

     Tagungsraum des BAMBERG Tourismus & Kongress Service

          Geyerswörthstraße 5, 96047 Bamberg

Begleiten Sie uns auf diesem Weg, den wir gemeinsam für Stadt und Land gehen wollen!

Auf dem Podium erwarten Sie nach dem Vortrag

  • Ulrike Siebenhaar, Referentin für Kultur, Welterbe und Tourismus
  • Bruno Kellner, Erster Bürgermeister Rattelsdorf und Stellv. Landrat
  • Joachim Kastner, Kreisvorsitzender DEHOGA Bamberg, Hotel Schloss Burgellern
  • Christian Nordhorn, Bayern Tourismus Marketing GmbH
  • Diana Büttner, Komm. Leiterin Zentrum Welterbe Bamberg
  • Michael Heger, Tourismusdirektor Bamberg

Moderieren wird die Podiumsdiskussion Prof. Dr. Marc Redepenning von der Uni Bamberg.

Bitte melden Sie sich formlos per E-Mail über info@bamberg.info an.

Vielen Dank!

Jahresbericht 2022 des BAMBERG Tourismus & Kongress Service

Je nachdem, welchen Monat man als Referenzpunkt wählt, fällt das Urteil über das Jahr 2022 höchst unterschiedlich aus. Es ist kaum zu glauben, dass wir Anfang 2022 noch solche Übersichten hier benötigten mit den jeweils gültigen Regelungen für Kulturveranstaltungen, Restaurantbesuche, Übernachtungen, Geschäfte, Friseure, den ÖPNV und vieles mehr! 2G, 2G+, 3G+, 3G, geimpft, nicht geimpft, Masken, tagesaktuelle negative Schnelltests – vor einem Jahr war das noch Alltag:   

So gesehen haben wir es im vergangenen Jahr doch ganz schön weit gebracht und zumindest Corona hinter uns gelassen. Die Corona-Variante Omikron und die stetig steigende Impfquote waren die Game-Changer. Ab Ende Februar ’22 wurden Schritt für Schritt die Beschränkungen aufgehoben, aus 2G+ wurde 2G, aus 3G+ wurde 3G, Schankwirtschaften und Diskotheken durften unter Auflagen öffnen, mit Impfschutz war Vieles einfacher zugänglich, auch Live-Musik war wieder möglich. Die Infektionsschutzgesetze wurden in rascher Folge immer wieder überarbeitet und angepasst. Der Gleichtakt von Bund und Ländern kam zwar aus dem Tritt, ein Flickenteppich an länderspezifisch unterschiedlichen Regelungen war die Folge, aber die Richtung war klar: eine Lockerung und Aufhebung der schärfsten Maßnahmen war nur noch eine Frage der Zeit. Gleichzeitig schnellte allerdings die Zahl der Erkrankungen im beruflichen und privaten Umfeld nach oben, und damit die Zahl derer, die sich zuhause isolieren mussten. Selbst wir mussten 2022 zweimal die Tourist Info schließen, weil uns schlicht die Mitarbeitenden gefehlt haben.

Am 29. März 2022 war es schließlich soweit: Alle Maßnahmen fielen auf einmal weg. Lediglich die FFP2-Maskenpflicht im ÖPNV und in klinischen und pflegerischen Einrichtungen blieb bestehen. Am 12. Mai wurden schlussendlich alle Rahmenkonzeptionen aufgehoben, neben den Infektionsschutzgesetzen lange Zeit die Leitlinien für alles Handeln von Kultureinrichtungen, Restaurants, Hotels, Museen und vielen anderen Betrieben. Auch unser Testzentrum im Tagungsraum schloss ab Ostern die Pforten.

All das ist gefühlt weit weg und erfolgreich verdrängt. Denn eine weitere Katastrophe hat uns 2022 heimgesucht und dem Jahr seinen Stempel aufgedrückt: Putins Krieg gegen die Ukraine mitsamt allem menschlichen Leid und der furchtbaren Vernichtung von Leben und Werten, Gütern und Zuversicht. Und mit dem Krieg kam auch die Energiekrise samt Inflation und Warenknappheit, und irgendwie kam gleichzeitig auch der heftige Fachkräfte- und Personalmangel auf. Mitten in die Verbesserung der Coronalage stolperten wir also am 24. Februar in diese neue Multikrise, die natürlich auch wieder Auswirkungen auf den Tourismus hatte, denn nichts ist wirksamer als das Gift der Unsicherheit, um die Menschen von ihren Plänen für Reisen und Freizeit abzuhalten. Allerdings traten die schlimmsten Szenarien, was die Energiekrise betraf, dank diverser Maßnahmen hierzulande vorerst nicht ein. Immense Kostensteigerungen in fast allen Zulieferer-Branchen für den Tourismus und der eklatante Personalmangel blieben aber ein Problem.

Die Übernachtungsstatistik

Ab Ostern konnte also tatsächlich eine touristische Saison beginnen. Und als ob die Menschen es jetzt wirklich wissen wollten, brachte bereits der Juni 2022 einen neuen Übernachtungsrekord mit sich, der den letzten Vor-Corona-Juni im Jahr 2019 in den Schatten stellte. Diese Entwicklung hielt sich den ganzen Sommer über, Monat für Monat entpuppte sich als bester Monat jemals. Am Ende des Jahres 2022 bleibt festzustellen, dass die Menschen trotz aller Krisen und dem Nachhall von Corona wieder reisen! Wir kommen aufs Jahr gesehen fast an die 2019er Übernachtungsergebnisse heran. Mit 726.250 Übernachtungen im Stadtgebiet Bamberg und 378.270 Übernachtungen im Bamberger Land, blicken wir 2022 zusammen auf 1.104.520 Übernachtungen. Das kann sich wirklich sehen lassen, ein Plus bei den städtischen Übernachtungen von + 57,2 % auf 2021 und nur noch ein minimaler Verlust auf 2019 von – 3,6 %. Ähnlich im Bamberger Land, ein Plus von + 36,7 % auf 2021 und ein leichtes Minus von – 2,2 % auf 2019. Auch die Bettenauslastung liegt wieder bei 49,4 % in der Stadt und bei 32,9 % im Bamberger Land, in beiden Fällen fast wieder auf 2019er Niveau. Der Anteil ausländischer Reisender hat deutlich zugelegt und in der Stadt mit 13,7 % aller Übernachtungen und im Landkreis mit 10,8 % auch wieder zu den Zahlen von vor Corona aufgeschlossen. Die wichtigsten Auslandsmärkte waren für Bamberg die Niederlande, die USA und Polen sowie auf den Plätzen vier bis sechs Österreich, Schweiz und Italien. Im Bamberger Land steht ebenfalls die Niederlande an der Spitze, gefolgt von Bulgarien, Österreich und Polen.

Ein schöner Erfolg ist die Erhöhung der Aufenthaltsdauer im Bamberger Land, die mit 2,3 Nächten 21 % über dem Jahre 2019 liegt.

Die Freude über diese Zahlen ist kein Gieren nach Rekordzahlen nach dem Motto „immer höher, schneller, weiter“, sondern einfach nur die Freude darüber, dass wir alle unserem Beruf wieder nachgehen können, und uns die Gäste treu geblieben sind und gerne wiederkommen. Diese Erholung ist zu großen Teilen den Einzelreisenden zu verdanken, denn Gruppen sind nach wie vor bei weitem nicht so präsent wie vor Corona. Dafür haben unsere Angebote für Einzelreisende tatsächlich Rekorde erzielt und einiges von dem Verlust im Gruppengeschäft wieder wettgemacht. Einiges, aber nicht alles.

Vertriebs- und Umsatzentwicklungen

Wenden wir uns also den Umsätzen des vergangenen Jahres zu.

Starten wir mit unserem wichtigsten Geschäftszweig, den Stadtführungen für Gruppen. Traditionell unser umsatzstärkstes Segment mit einem Umsatzvolumen aus Vor-Corona-Zeiten von über 900.000 €. Die Erholung ist 2022 spürbar. Mit 647.136 € haben wir den Umsatz von 2021 mehr als verdoppelt, aber wir liegen damit immer noch nur bei 71 % der Vor-Corona-Zeit. Insgesamt verbuchten wir 6.202 Führungen statt 8.772 im Jahr 2019 und sind damit auf ähnlichem Niveau wie 2002. Das Gruppengeschäft leidet immer noch an den Folgen von Corona und an der Zurückhaltung der Menschen, in größeren Gruppen durch die Lande zu reisen.

Auch bei unseren Gruppenprogrammen ist das eklatant. Zwar haben wir den Umsatz gegenüber 2021 mit 91.422 € um das Viereinhalbfache steigern können, landen damit aber immer noch bei nur knapp der Hälfte von 2019.

Pauschalen galten an sich als Corona-Gewinner, denn die Kunden können sich bei Pauschalen darauf verlassen, mit ihrem haftenden Veranstalter einen festen Ansprechpartner zu haben, der bei Umbuchungen, Stornierungen und plötzlich eintretenden Absagen qua Gesetz immer greifbar ist. Entsprechend erholte sich dieses Segment 2022 und erbrachte mit einem Umsatz von 158.954 € eine Steigerung um +83 % auf das Vorjahr. Unsere Pauschalen sind aber mit nur 73 % des Umsatzes von 2019 auch noch nicht zu alter Hochform aufgelaufen.

Die Anzahl der öffentlichen Führungen „Faszination Weltkulturerbe“ für Einzelreisende lag mit respektablen 1.718 sogar ein paar Führungen über der Zahl von 2019.

Der Verkauf von Souvenirs und Büchern sowie Tickets vor Ort in der Tourist Info konnte sich weiter steigern und ist mit 287.796,94 € wieder auf einem hervorragenden Niveau. Wobei man auch hier merkt, dass der Online-Verkauf boomt und die Gäste schon vorbereitet und mit allerlei Tickets ausgestattet in die Tourist Info kommen und sich dann vor Ort weitere Tipps und Anregungen holen.

Was den operativen Gewinn anbetrifft ist erstmals der Bereich der Eigenprodukte, also BAMBERGcard, öffentliche Stadtführung „Faszination Weltkulturerbe“, BierSchmecker®Tour, Gärtnerstadtführung und der bierhistorische Rundgang „Leidenschaft für Gerstensaft“ mit nie dagewesenen 130.000 € zum erfolgreichsten Geschäftsfeld geworden. Das war früher mit großem Abstand der Bereich der Gruppenstadtführungen (Gewinn 2019: 179.000 €, 2022 nur eine Erholung auf 106.000 €). Auch hier zeigt sich, dass das positive Resümee des Jahres 2022 zu großen Teilen von Individualtouristen getragen wurde.        

Am Verhalten der Menschen hat sich also etwas verändert. Die Kurzfristigkeit der Buchungen, die häufigen Umbuchungen und Stornierungen, die allgemein nach wie vor spürbare Zurückhaltung bei Angeboten, die im Gruppenkontext stattfinden, all das hat das touristische Geschehen für uns und unsere Partner verändert. Noch ergibt sich kein klares Bild, welche dieser Veränderung sich verstetigen. Allein die Orientierung an einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis scheint sich als erster klarer post-Corona-Trend zu verfestigen.  
   

Erfolgsmodell Onlinebuchung

2021 hatten wir in unserem Buchungssystem als Pilot zunächst die Eigenprodukte des TKS in die Onlinebuchbarkeit überführt und später den ersten externen Partner eingebunden. Nachdem dies mit großem Erfolg lief, haben wir 2022 alle Partner der Erlebnisangebote mit eingebunden, so dass wir im Jahr 2022 erstmals unser ganzes, vielfältiges Portfolio an Angeboten und Führungen online verkaufen konnten. Die Partner konnten die Onlinebuchbarkeit ihrer Tickets per Widget auf ihren eigenen Seiten einbinden. Mit einer großen Kampagne „Buch Dein Ticket!“ haben wir diese neue und umfassende Onlinebuchbarkeit von Erlebnisangeboten auf allen uns verfügbaren Medien und Kanälen und über unsere touristischen Kooperationspartner aller Ebenen beworben. Allen Leistungsträgern haben wir 2022 ein Promotionpaket zur Verfügung gestellt zur Bewerbung. Innerhalb eines Jahres konnten wir so den Umsatz über die Onlinebuchung vervierfachen! Eine Steigerung von 88.000 € auf 350.000 € stellt eine immense Entwicklung dar. Es ist keine reine Verlagerung. Wir erreichen mit der Onlinebuchung auch eine neue Kundengruppe, die sonst überhaupt nichts gekauft hätte.

Unser Buchungssystem ist leistungsfähig und hat im Laufe der Jahre eine Komplexität erreicht, die selbst die erfahrensten Programmierer an die Grenzen ihrer Fähigkeit bringt. Mitten in der Saison war auf einmal ein größerer Umbau der Hintergrundstruktur erforderlich und ließ sich nicht mehr verschieben. Im laufenden Hochbetrieb in einem komplexen System größere Veränderungen vorzunehmen war ein gewagtes Vorhaben und hat das Team der Abteilung Incoming & Digitales stark beschäftigt. Aber ein funktionierendes Buchungssystem für alle unsere Geschäftszweige ist das A und O unseres Betriebs, so dass wir sehr viel Energie in diesen Umbau gesteckt haben, und auch Anfang 2023 beschäftigt uns dieses Projekt noch.

Budgetfragen

Mit 46.000 € aus den 2021er Rücklagen in Höhe von 60.000 € konnten wir den drohenden Verlust im schwierigen Haushaltsjahr 2022 ausgleichen. Dank weiter massiver Einsparungen, v.a. im Marketingbereich, und der positiven Umsatzentwicklung ist dies kein schlechtes Ergebnis für ein weiterhin von diversen Krisen gebeuteltes Jahr. Von unseren Gesamtausgaben von 1,5 Mio € haben wir 739.000 € selbst erwirtschaftet, somit liegt unsere Refinanzierungsquote für 2022 wieder bei 49 %.

Es ist dennoch nicht zu leugnen, dass die budgetären Kalamitäten der vergangenen Jahre Lücken in unser Budget gerissen haben, die es uns schwermachen, unseren Aufgaben vollumfänglich gerecht zu werden. Ein Marketingetat, der nur noch ein Drittel von früher beträgt, zwingt zu einer Beschränkung auf kostengünstige Maßnahmen aus dem eigenen Haus und Beteiligungen an wenigen Gemeinschaftskampagnen unserer touristischen Partner. Das geht aktuell noch gut, weil unsere starken Partner wie FrankenTourismus, BayernTourismus, der Steigerwald, die Burgenstraße und die UNESCO-Welterbestätten uns trotzdem mittransportieren und wir so überall das berühmte Grundrauschen aufrechterhalten können. Aber lenkendes Handeln durch das Setzen eigener Themen, durch Entzerrung über das Bespielen alternativer Areale und Themen – das ist kaum mehr möglich. Weitere Kürzungen bei unserer Lebensader, dem Buchungssystem oder der Website sind nicht vertretbar, bzw. wären kontraproduktiv. Unser Personal ist natürlich der teuerste Posten in unserem Budget. Aber Tourismus ist nun mal eine Dienstleistung, und unser Personal ist uns tatsächlich teuer, teuer im Sinne von wertvoll. Denn der TKS ist ein Team von Spezialistinnen und Spezialisten, die seit Jahren eine Spitzenarbeit leisten. Sie sind es, die für Bamberg und das Bamberger Land arbeiten, Ideen generieren und umsetzen, Buchungen abwickeln, Produkte kreieren, alle Daten pflegen, beraten, verkaufen und kommunizieren.

Maßnahmen des Jahres 2022 – eine Auswahl

Top Themen 2022

Das übergreifende Themenjahr war 2022 das E.T.A. Hoffmann Jahr. Bamberg beging den 200. Todestag des romantischen Dichters, Komponisten und Multitalents mit einem Reigen an Kulturveranstaltungen und Ausstellungen. Seitens des TKS wurde dies mit öffentlichen Führungen und intensiver Medienarbeit begleitet. Ein eigenes Feature und die regelmäßige Beleuchtung immer neuer Aspekte rund um E.T.A. Hoffmann erzielten große mediale Aufmerksamkeit und auch Journalisten-Studienreisen eigens auf Hoffmanns Spuren in Bamberg. 

Aber auch die Glasfenster des Künstlers Markus Lüpertz waren ein medialer Schwerpunkt unserer Arbeit. Hier leistete unser Medienportal hervorragende Dienste mit Bildmaterial und Texten. Dank zahlreicher Newsletterbeiträge und Presseberichten sowie der Weitergabe an die Mediendienste unserer Partner konnte eine hohe Medienpräsenz dieses Themas erwirkt werden. Eine eigene Führung zu den Fenstern wurde ebenfalls aufgelegt und ist am Markt buchbar.  

Social Media

Die Kommunikation über unsere Social – Media – Kanäle Instagram und Facebook erfuhr 2022 eine deutliche Steigerung und Professionalisierung durch ein gemeinsames Redaktionsteam aus Stadt und Land. Regelmäßig und kontinuierlich kommunizierten wir mit unseren Gästen und Freunden Bambergs über Posts und Stories mit einem Mix aus Unterhaltung und Information aus Bamberg und dem Bamberger Land. Der Content reicht von klassischen Veranstaltungs-Posts, Ausstellungen, Rad- und Wandertipps bis hin zu mehrwöchigen Themen-Kampagnen.

2022 gab es folgende Schwerpunkte im Contentbereich:

  • E.T.A.-Hofmann-Jahr 2022 (Theaterstücke von ETA Hoffmann, Sonderausstellung im Hoffmann Haus, Sonderkonzert der Symphoniker am Todestag, Rosengarten-Serenaden, die Ausstellung in der Staatsbibliothek „Unheimlich fantastisch“, Führungen und die E.T.A. Hoffmann Nacht)
  • Themenkampagne „Museumsführer“ (Vorstellung der Museen in Stadt und Landkreis Bamberg)
  • Themenkampagne „Kultur on Tour“ (Vorstellung der verschiedenen Erlebnisangebote 2022 in Stadt und Landkreis Bamberg)
  • Themenkampagne „Schloss für heute!“ (Vorstellung der Schlösser in Stadt und Landkreis Bamberg)
  • Themenkampagne „Kellerkulinarik“ (sprachliche Einführung in die fränkische „Keller-Kulinarik“ vom Gerupften, über Ziebeleskäs, bis hin zur Brotzeit „mit Musik“)
  • Themenkampagne „Der perfekte Sommertag“ (Aktivitäten-Vorschläge für Familien und Best-Ager)
  • Themenkampagne „Bambergs Theater“ (Vorstellung der verschiedenen Theater in Bamberg)
  • Themenkampagne „Krippen-Zeit in Bamberg“ (Vorstellung der Krippen in Stadt und Landkreis Bamberg)

Broschürenportfolio

Mit der neuen Broschüre „Kulinarisches in und um Bamberg“ haben wir endlich auch das Nachfolgeprodukt für die Restaurantdarstellung im alten Erlebnisführer auf den Markt gebracht. Unter Beteiligung vieler Partner erschien diese handliche Broschüre im DINlang-Format zum Saisonauftakt 2022 erstmalig und zeigt unseren Gästen die Vielfalt der kulinarischen Anbieter und Spezialitäten, Restaurants, Cafés, Brauereigaststätten und auch der Selbstvermarkter auf.  

Die ganze Palette unserer Broschüren steht auf der Website zum Download und alternativ zur Bestellung zur Verfügung.

VGN Sommer

2022 bot sich uns die Chance, beim VGN-Sommer mitzumachen. Ein medial flächendeckend im VGN-Gebiet beworbenes Gewinnspiel, an dem fünf Städte mit einer spannenden, eigens dafür kreierten Rallye für je 500 Gewinner*innen teilnehmen konnten.  Im Sinne der Entzerrung haben wir die Gärtnerstadt zum geheimen Ziel dieser Kampagne gemacht und so einige hundert Menschen auf den Spuren des Gärtnerstadtrundwegs durch Bamberg geschickt, mit eigenen Kniffelaufgaben und Rätseln. Am Ende stand der Besuch des Gärtner- und Häckermuseums als Belohnung.    

Nachhaltigkeit

FrankenTourismus drehte in allen 16 touristischen Gebieten Frankens je einen professionellen Clip zum Thema Nachhaltigkeit. Im Clip des Steigerwaldes tauchte Bamberg mehrmals auf, unter anderem mit dem E-Mobilitätsangebot omu und der Gärtnerstadt. Auch in Vorbereitung auf das Themenjahr zur Nachhaltigkeit der Deutschen Zentrale für Tourismus wurden Aufnahmen in der Gärtnerstadt gemacht, inklusive einer Drohnenbefliegung. Unser nachhaltiges Angebot der BAMBERGcard, die 3 Tage ÖPNV-Nutzung miteinschließt, wurde durch die Einführung des 9-Euro-Tickets erstaunlicherweise kaum beeinflusst. 

Merchandising

Bunte Büroklammern in Form des Alten Rathauses, einer Bamberger Zwiebel, des Bamberger Reiters und eines Bierkruges erfreuen erstaunlich viele Besucher*innen und sind zu einem beliebten Mitbringsel geworden, ebenso sind die bunten Klammern als give-away für Multiplikatoren perfekt einsetzbar.

Das Alte Rathaus wurde als Holzbausatz im Streichholzschächtelchen verwirklicht und ist in kürzester Zeit zu einem kleinen Verkaufsschlager geworden.

Auch neu sind Wertgutscheine, die für alle Produkte und Angebote, auch Reisen, des TKS eingesetzt werden können. Pünktlich zur Weihnachtszeit 2022 kamen sie auf den Markt und ermöglichten so das perfekte last-minute Geschenk für die Kurzentschlossenen, mit offener Wunscherfüllung für die Beschenkten.

Viele Geschenkideen bieten der ausgeweitete Online-Shop und der Shop vor Ort in der Tourist Info.

Kommunikation

Rund 20 Pressereisen fanden 2022 in Bamberg statt. Wir konnten über das Jahr hinweg Journalisten und Influencer aus aller Welt als Gäste in Bamberg begrüßen: aus Deutschland, Spanien, den USA, Brasilien, Schweiz, Dänemark, England, Österreich, Frankreich, Italien, Polen und aus den Niederlanden. Aus diesen Studienreisen entstanden Zeitungsartikel (online wie Print), Social-Media Posts, Fernseh-Beiträge und Podcasts.

Themen der Journalisten / Influencer waren u.a.: Nachhaltigkeit, Aktivtourismus, Bambergs jüdische Vergangenheit und Gegenwart, Kulinarik, Bierkultur, Brauereien, Natur, UNESCO Welterbe, ETA Hoffmanns Spuren in Bamberg, Burgen, Weihnachtskrippen, Erlebnisangebote, Hexenprozesse in Bamberg, der Bamberger Hain.

Website

Auch wir haben noch einmal nachgebessert 2022 beim Cookie-Consent-Button, weitere Dienste wie You tube oder open street map werden nur noch nach aktiver Freischaltung durch die Nutzerinnen und Nutzer aktiviert. Das bedeutet, die statistische Erfassung unserer Nutzungszahlen steht weiterhin unter dem Vorbehalt, dass wir ein geschätztes Drittel an Nutzungen überhaupt nicht erfassen können. Die Tendenz ist aber dennoch deutlich herauszulesen: Mit 541.780 Nutzerinnen und Nutzern konnten wir eine Steigerung um 47 % feststellen, auch die 2.537.566 abgerufenen Seiten sind 49 % mehr als 2021. Durch die Verortung der Onlinebuchung an prominenten Stellen ist die Seite noch verkaufsorientierter geworden.

Touristische Kooperationen

Auch im Jahr 2022 waren unsere touristischen Kooperationspartner unsere Lebensader. Dem unschätzbaren Wert ihrer Arbeit verdanken wir eine Marktpräsenz, die wir sonst nie hätten. Wir erhalten so viel mehr an Marketingpower als wir mit unseren Mitgliedsbeiträgen und Werbeumlagen investieren. Frankentourismus, die Fränkischen Städte, die Burgenstraße, Bayern Tourismus und der Verein der deutschen Welterbestätten, wie auch der Steigerwald sind hier unsere wichtigsten Partner. Erstmals haben wir uns auch auf der Ebene der bayerischen Welterbestätten lose zusammengeschlossen, haben eine gemeinsame Seite aufgebaut und sind mit einem kleinen Maßnahmenpaket in die Kommunikation eingestiegen.

Das Motto „Gemeinsam sind wir stärker!“ gilt im Tourismus nach wie vor, der solidarische Zusammenhalt und der offene Austausch untereinander ist eine der großen Stärken unserer Branche.

Die Tourismuskooperation mit dem Bamberger Land ist in diesem Zusammenhang schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass sie kaum mehr unter dem Überbegriff „Kooperationen“ aufgeführt werden kann. Alle unsere Broschüren und der komplette Website-Auftritt bewerben die gemeinsame Destination „Bamberg und das Bamberger Land“. Gerade Social Media ist in hohem Maße für Stadt und Land gleichermaßen gut einsetzbar, das gemeinsame Redaktionsteam leistet hier hervorragende Arbeit.

Nach Corona konnten wir auch die Tradition der Produktschulungsfahrten in den Landkreis wieder aufnehmen. Durch die Vertiefung der Produktkenntnis der Mitarbeitenden wird die tägliche Beratungsarbeit optimiert. Der gute und kurze Draht unter den Beteiligten des Steuerungskreises macht die Zusammenarbeit so erfolgreich, die Vielfalt und Vielzahl an Themen, die vermarktet und kommuniziert werden, stärken die Positionierung als gemeinsame Destination.     

Ausblick

Am Schluss bleibt nur noch, unseren Partnern vor Ort, in Bamberg und im Bamberger Land, ein großes Dankeschön auszusprechen. Wir alle zusammen haben es geschafft, aus schweren Zeiten heraus das vergangene Jahr halbwegs zum Guten zu wenden. Das Engagement unserer Partner der Erlebnisangebote, in der Hotellerie, in der Gastronomie, bei den Gästeführerinnen und Gästeführern, im Einzelhandel, bei Initiativen, Verbänden und Kooperationen hat uns alle gestärkt und hat dazu beigetragen, dass wir uns nun mit dem Jahr 2022 im Rücken den Herausforderungen des Jahres 2023 widmen können. Herausforderungen, die uns wieder Vieles abnötigen werden, denen wir aber immerhin durch aktives Angehen begegnen können, und nicht nur in einer reaktiv passiven oder gar destruktiven Rolle, wie leider allzu oft in den letzten drei Jahren.

Packen wir‘s also an!

Förderprogramm „Tourismus in Bayern – Fit für die Zukunft!“

Die Antragsfristen für die Förderprogramme von „Tourismus in Bayern – Fit für die Zukunft“ sind verlängert worden. Um die durch Corona entstandenen Belastungen abzufedern und einen Neustart zu unterstützen, hat die Bayerische Staatsregierung dieses Förderprogramm ins Leben gerufen. Gerade jetzt ist es wichtig, Investitionen anzustoßen, insbesondere in den Bereichen Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit, Besucherstromlenkung und Digitalisierung sowie bei E-Ladepunkten.

Vielleicht ist ja doch noch was für Sie dabei und Sie schauen sich das noch einmal näher an, ob ein Förderantrag für Sie interessant wäre.

Folgende Möglichkeiten kommen für Sie evtl. in Frage:

  • Investitionen in die Zukunftsfähigkeit kleiner oder kleinster Beherbergungsbetriebe einschließlich einer Beratung der Betriebe über bestehende Schwächen
  • Erhebung von touristisch relevanten Echtzeitdaten und Besucherstromlenkung
  • E-Ladepunkte nicht nur für PKW, sondern auch für E-Bikes

Anspruchsberechtigte sind

  • in Klein- und Kleinstbeherbergungsbetriebe nicht gewerbliche Beherbergungsbetriebe mit maximal 25 Gästebetten ungeachtet der Rechtsform. Die Nichtgewerblichkeit bestimmt sich danach, ob im Steuerbescheid die Einnahmen als Vermietung und Verpachtung oder Landwirtschaft behandelt werden.
  • in die Besucherstromlenkung alle Anbieter von touristischen Angeboten, Attraktionen sowie Parkmöglichkeiten ungeachtet ihrer Rechtsform 
  • in E-Ladepunkte natürliche und juristische Personen die im Bereich des Tourismus tätig sind

Alle weiteren Informationen rund um das Förderprogramm finden Sie auf dieser Seite: https://www.stmwi.bayern.de/foerderungen/sonderprogramm-tourismus/ .

Zu den o.g. Fördermöglichkeiten speziell für Beherbergungsbetriebe gibt es einen Zoom-Infotermin am 11. März, zu dem Sie sich anmelden können: https://us06web.zoom.us/meeting/register/tZMtde2hqD8oGddqgLpmKN9DLwQSYVH59vaw

Corona, die Zweite!

Jahresbericht 2021 des BAMBERG Tourismus & Kongress Service

Wie lange wir schon unter den Vorzeichen der Pandemie leben und wie sehr wir uns daran gewöhnt haben, dass nichts mehr ist wie vorher, zeigt sich allein schon daran, dass man die dritte Absage der ITB in Folge – der weltgrößten Reisemesse in Berlin – vor wenigen Wochen nur noch mit einem Schulterzucken quittiert hat. Gleichzeitig verweist diese nonchalante Hinnahme eines früher undenkbaren Ereignisses auf die größeren Folgen der Pandemie für den Tourismus: Wer vermisst denn die ITB wirklich? Und wird sie jemals wieder zu solcher Größe und Bedeutung anwachsen wie früher? Werden die Menschen wieder so Urlaub machen wie früher, tagen wie früher, in Gruppen reisen wie früher, an Führungen teilnehmen und Pauschalreisen buchen, Städtereisen und Tagesausflüge unternehmen wie früher? Und damit sind wir schon mittendrin im diesjährigen Rückblick und Jahresbericht des TKS für das Jahr 2021 – das zweite Jahr mit Corona.

Die Übernachtungsstatistik

Den heute veröffentlichten statistischen Zahlen muss man voranstellen, dass man von 2021 auf 2020 ja eigentlich Äpfel mit Birnen vergleicht, so unterschiedlich waren die Voraussetzungen und Bedingungen dieser beiden Jahre. Zieht man das Jahr 2019 noch zur Relation hinzu, was sinnhaft ist, dann vergleicht man Äpfel mit Blumenkohl, derart absurd unterschiedlich sind die Grundlagen, die diesen Vergleich tragen müssen. Aber dennoch, die Zahlen sprechen für sich:

Was die Übernachtungen anbetrifft, erzielten wir in der Stadt mit 462.099 Übernachtungen ein Plus von 4,7 % gegenüber 2020, allerdings immer noch ein Minus von 37 % gegenüber 2019. Erstaunlich stark waren die drei Monate August, September und Oktober, die sogar mehr Übernachtungen brachten als im Jahr 2019 – das war der Sommer der ungetrübten Hoffnung. Und die Statistik zeigt auch, dass die stille Stadt im November und Dezember 2021 trotzdem deutlich mehr Übernachtungsgäste hatte als in der echten Grabesruhe des November- und Dezember-Lockdowns 2020.

Übernachtungsentwicklung 20112021 Bamberg und Bamberger Land

Übernachtungszahlen 2010-2021 Bamberg Stadt – nach Monaten

Die Bettenauslastung verharrte mit 35,9 % weiter auf dem niedrigen Niveau von 2020 (35,7 %) und ist noch weit weg von den Traumzahlen von 51,8 % im Jahr 2019. Klitzekleiner Lichtblick und Ergebnis des veränderten Reiseverhaltens in Coronazeiten war die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 2,0 Tagen in der Stadt (früher bei 1,8 Tagen festbetoniert) und sagenhaften 2,4 Tagen im Bamberger Land. Dort gab es insgesamt 276.649 Übernachtungen, eine Erholung von +5,7 % gegenüber 2020, aber auch hier weiterhin ein Verlust von -28,5 % auf 2019. Die Bettenauslastung lag hier bei 26,2 % im Gegensatz zu 33,3 % im Jahr 2019. Zusammen sind wir damit wieder bei 738.748 Übernachtungen in Stadt und Land, also weiter weit weg von der Millionenmarke, die wir gemeinsam vor fünf Jahren erstmals überschritten hatten. Der Anteil ausländischer Gäste, wen wundert es, fiel in Stadt und Land auf rund 8 %.

Der Städtetourismus gilt weithin als größter Verlierer der Pandemie, die hohen Verluste des Jahres 2020 konnten landauf landab nur in kleinen Schritten wieder gut gemacht werden. Bei uns hat sich die langjährige gute Tourismuskooperation mit dem Bamberger Land in diesen zwei Jahren bezahlt gemacht, insofern als wir das Rad nicht neu erfinden mussten und von Anfang an auf bestehende Strukturen für den „Urlaub im eigenen Land“ bauen konnten, in der Kombination von Stadt und Land!

Vertriebs- und Umsatzentwicklungen

Kommen wir zu unseren wichtigsten Geschäftszweigen: Stadtführungen für Gruppen, unser Brot- und Buttergeschäft mit einem Umsatzvolumen von über 900.000 € in einem „normalen Jahr“, kamen 2021 auf karge 272.967 € Umsatz, ein Plus immerhin von 23,7 % auf 2020, allerdings immer noch -70 % auf 2019. Insgesamt verbuchten wir 3.100 Führungen statt 2.747 im Jahr 2020 und 8.772 im Jahr 2019. Die reine Anzahl der öffentlichen Führungen für Einzelreisende lag bei respektablen 1.384 Führungen, zwar nochmal 100 weniger als 2020, aber das lässt sich mit der sehr langsamen Wiederanlaufphase nach dem Lockdown 2021 erklären.

Es liegt in der Natur der Pandemie und ihrer Beschränkungen, dass neben den Gruppenstadtführungen auch die Gruppenreisen weiterhin ein Schattendasein fristen. Mit einem Umsatz von 30.682 € lagen sie weiter -82,3 % hinter dem Jahr 2019, auch wenn das Geschäftsvolumen sich zu 2020 immerhin wieder verdoppeln konnte. Das gleiche Bild bietet sich bei dem Vermittlungsgeschäft von Gruppenangeboten, das sich mit 21.089 € um 170 % zu 2020 steigern konnte, aber immer noch nur bei einem Viertel des Jahresumsatzes von 2019 liegt.

137 Buchungen im Bereich der Pauschalreisen bringen mit 86.986 € einen Umsatzzuwachs von 13,8 % gegenüber 2020, auch dieser Bereich erreicht damit aber immer noch nur 40 % des 2019er Volumens.

Die Tourist Info konnte zwar in den Sommermonaten 2021 mit hervorragenden Verkaufszahlen auftrumpfen, unterm Strich liegt der Gesamtumsatz mit 242.406 € aber weiter deutlich unter dem Niveau von 2019. Allerdings muss man hier die stärkere Verlagerung ins Online-Geschäft mit in Betracht ziehen und die sehr lange Schließzeit der Tourist Info, was auch erklärt, dass diese Zahl unter der des Jahres 2020 liegt (288.270 €).

Die Entwicklung der reinen Online-Verkäufe der Premiumprodukte des TKS – v.a. die Stadtführung „Faszination Weltkulturerbe“, BAMBERGcard und BierSchmeckerTour sowie die Gärtnerstadtführung und die Führung zur Bierkultur – legte somit 2021 auch deutlich zu: Hier lag der Umsatz mit 89.607 € trotz Pandemie 15 % über den Zahlen von 2019, ein klares Signal, dass wir mit der weiteren Digitalisierung der Buchungswege eine unumkehrbare Entwicklung fördern!

Existentielle Budgetfragen

Ein weiteres Jahr also, in dem wir weit hinter unseren Umsatzerwartungen bleiben. Gemessen an den rund 2,4 Mio €, die wir in einem „normalen Jahr“ als direkten Umsatz erwirtschaften, und an den 330 Mio € Bruttoumsatz, den unsere ganze Branche in Bamberg alleine in einem „normalen Jahr“ laut dwif-Gutachten von 2017 erwirtschaftet, sind die Dimensionen des Verlusts für uns und für den Wirtschaftsfaktor Tourismus nach wie vor dramatisch.

Der TKS hat in den Jahren 2010 bis 2019 im Schnitt 59 % seines Budgets durch eigene Erlöse selbst erwirtschaftet. Im Coronajahr 2020 fiel diese Quote auf 35 %, im Jahr 2021 lag sie bei 31 %. Rechnet man 2021 allerdings die Kurzarbeitsgelder in Höhe von 121.847 € und die beiden Wirtschaftshilfen für November und Dezember 2020 in Höhe von 216.414 € hinzu – dem staatlichen Ersatz für entgangene Einnahmen – kommen wir wieder auf eine vergleichsweise gute Refinanzierungsquote von 55,7 %. Unser ’20er Verlust wurde von der Stadt selbst ausgeglichen, im Jahr 2021 haben die staatlichen Hilfen ihren Anteil am ausgeglichenen Haushalt. Hinzu kommen massive Einsparungen und die paar wenigen Monate von Juni bis September, in denen man Geld verdienen konnte. Das blaue Auge, mit dem wir 2021 davongekommen sind, bezahlen wir allerdings mit einem Marketingetat, der nur noch ein Drittel von früher beträgt. Dank der Beschränkung auf kostengünstige Maßnahmen aus dem eigenen Haus und der Konzentration auf die Beteiligung an wenigen, aber hervorragenden Gemeinschaftskampagnen unserer touristischen Partner ist das durchaus mal ein, zwei Jahre auszuhalten. Es gibt aber auch nicht kürzbare Posten, wie zum Beispiel die Ausgaben für Buchungssysteme oder für die Website, und in meinen Augen auch die Ausgaben für unser Personal. Denn unsere Mitarbeitenden sind es, die tagein tagaus für Bamberg und das Bamberger Land arbeiten und unsere Ideen umsetzen, die Buchungen abwickeln und abrechnen, Produkte kreieren, Daten pflegen, die Kunden beraten und solche, die es noch werden sollen, informieren, und unermüdlich mit Multiplikatoren kommunizieren. Sie sind durch nichts zu ersetzen und eigentlich „unbezahlbar“.
Aber ohne Marketing wird es schwierig, das Niveau auf Dauer zu halten. Und das Problem unseres Budgets ist, dass wir von diesem niedrigen Marketingansatz nicht mehr wegkommen, denn auch für 2022 ist ja schon wieder absehbar, dass wir keine Gewinne machen werden, die auch nur annähernd an unsere alten Zahlen rankommen. Und Wirtschaftshilfen vom Staat wird es zumindest für uns keine mehr geben. Eine Teufelsspirale, die nur eine Richtung kennt. Wie können wir also bei mehr oder weniger statischem städtischen Budgetanteil und weiter ausbleibenden Einnahmen unserem städtischen Auftrag gerecht werden, den Tourismus zu fördern und uns und unseren Partnern mit dem entsprechenden Marketing wirtschaftliches Arbeiten zu ermöglichen und mehr als nur das Grundrauschen für die Destination leisten zu können? Das wird die große Aufgabe der nächsten Jahre werden.

Maßnahmen des Jahres 2021 – eine Auswahl

Stornokulanz
Die Zusage, alle gebuchten Leistungen – mit drei Arbeitstagen Vorlauf – kostenlos stornieren zu können, hat Wirkung gezeigt und gilt bis heute gemäß verschiedener Studien als eine der wesentlichen Buchungskriterien in Pandemiezeiten. Daher haben wir diese Zusage auch im Jahr 2021 aufrechterhalten und bedanken uns an dieser Stelle bei unseren Partnern, dass sie diese Flexibilität mitgetragen haben.

Social Media
Ausgehend von unserer 2020er Kampagne #wirsindBamberg haben wir im Jahr 2021 die Aktivitäten auf den Social Media Kanälen des TKS forciert und ausgeweitet. Ein eigenes Redaktionsteam kümmert sich nun mit einem durchgebauten Redaktionsplan um die Posts und Themen, vorrangig auf Facebook und Instagram, aber auch auf you tube sind die Filme des TKS und seiner Partner präsent.

Digitalisierung
Die Digitalisierung des Buchungssystems für unsere Produkte erreichte im Jahr 2021 einen großen Meilenstein. Alle unsere Eigenprodukte und für die Saison 2022 auch alle Erlebnisangebote unserer Partner sind nun direkt online auf der Website www.bamberg.info buchbar! TSmart heißt das neue Tool unseres Buchungssystems und ermöglicht unseren Kunden eine 24/7-Buchung all dieser Führungen, Konzerte, Theater, Fahrten und Schauspielführungen. Unsere Partner können ihre Ticketkontingente fortan direkt im System selbst pflegen und sind jederzeit im Bilde über die Verkaufsentwicklung.

Werbemittel
Etliche Broschüren haben wir aus Spargründen im Jahr 2021 unverändert ohne Neudruck fortgeführt. Einen Neuzugang im Broschürenportfolio haben wir allerdings mit dem neuen Prospekt „Erlebnisse in und um Bamberg“. Als eines der Nachfolgeprodukte des früheren Erlebnisführers bringt er den Kunden gezielt die buchbaren Erlebnisangebote, die Museumslandschaft und Ausflugsziele näher. Ein neuer englischsprachiger Stadtplan mit allen Infos kompakt auf der Rückseite ergänzt das Portfolio für die irgendwann einmal wieder anreisenden ausländischen Gäste. Weitere Sprachfassungen sind vorerst allerdings ausgesetzt. Ein gedrucktes Unterkunftsverzeichnis ist seit 2021 nicht mehr im Portfolio, hier obsiegte endgültig die nahezu vollständige Nutzungsverschiebung ins Netz.

Verkaufsschlager
2021 war auch das Jahr, in dem unser neues Lieblingsstück in den Verkauf kam: Der Sams-Keksausstecher! Dank einer Privatinitiative und einer Kooperation mit dem Autor Paul Maar höchstselbst und dem Erich-Kästner-Kinderdorf e.V. konnten wir als exklusive Verkaufsstätte für dieses einmalige Plätzchenförmchen fungieren, das auch noch Spendengelder für besagtes Kinderdorf generiert. Unser Verkaufsschlager des Jahres 2021!

Kommunikation
Die Journalisten kamen schneller wieder als die Reisenden. Kaum war im Juni 2021 das Reisen wieder möglich, hatten wir etliche Journalistinnen und Journalisten auf Recherchereise in Bamberg. Insgesamt, für die Kürze des Zeitfensters, waren wir mit 19 Recherchereisen gut bedient. Selbst eine Verkaufsförderungsveranstaltung der Fränkischen Städte in Wien für Reiseveranstalter und Medienvertreter konnte im November gerade noch stattfinden.

Website
Anhand der monatlichen Nutzerzahlen der Website www.bamberg.info kann man sehr gut den Verlauf der Pandemie nachverfolgen. Der Lockdown brachte auch die Website-Nutzung wieder zum Erlahmen, führte im Sommer zu neuen Höhen und brach zum November hin wieder ab. Die Zahl der unique visitors im Jahr 2021 lag bei 368.487, die insgesamt 1.702.678 Seiten aufgerufen haben. Das Problem dieser Statistik bleibt: Seit der Einbindung des Cookie-Consent-Buttons ist die Zahl nicht mehr mit alten Werten vergleichbar, denn sie spiegelt in keiner Weise mehr die tatsächliche Zahl der Nutzer wieder, da nur die der Statistikerhebung zustimmenden Nutzer gezählt werden können. 
Neben der ständigen Aktualisierung und mannigfachen Hinweisen auf die jeweils gültigen Corona-Regeln konnten 2021 auch einige gänzlich neue Bereiche aufgebaut werden, so z.B. die Darstellung der Gemeinden des Bamberger Landes als Ausflugsziele unter automatischer Bündelung aller Sehenswürdigkeiten, Hotels und Restaurants sowie Wanderwege und Radwege der jeweiligen Gemeinde.

Tourismusblog
Der vorliegende Tourismusblog www.blog.bamberg.info war das Hauptmedium unserer Kommunikation zu unseren Partnern und veröffentlichte immer dann, wenn es wesentliche Veränderungen für den Tourismus gab, die neuesten Entwicklungen. Manchmal aber brachte er auch nur Durchhalteparolen und versuchte, Mut zu machen, was neben der reinen Information auch dem einen oder anderen offenbar gut tat – geteiltes Leid erträgt sich wohl besser….

Themenjahr 2021
Das Themenjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ unterstützten wir mit einigen Führungsangeboten zum „Jüdischen Leben in Bamberg“. Die Mikwe ist ein neuer Punkt auf der Route, die an Bambergs Erinnerungsorten auf den Spuren des jüdischen Lebens wandelt. Das Projekt Stolpersteine ist seit 2021 auch auf der touristischen Website verbunden.

Fußgängerleitsystem
2021 war es mal wieder soweit: Die großen Plakate des Fußgängerleitsystems, in einem langen Prozess mit vielen engagierten Partnern verändert, verbessert, gleichzeitig ergänzt und bereinigt, wurden 2021 in den 21 Stelen der Altstadt neu aufgehängt und dienen unseren Gästen und allen Orientierungsbedürftigen als Leitfaden durch die Stadt.

Nachhaltigkeit
Die BAMBERGcard ist mit ihrer dreitägigen Nutzungsmöglichkeit des ÖPNVs im Stadtgebiet und darüber hinaus ein nachhaltiges Produkt, das seit vielen Jahren sehr beliebt ist. Ergänzt wird dieses Angebot, auf die Öffentlichen umzusteigen, nun durch ein neues carsharing-Angebot im Portfolio des TKS: Mit OMU ist 2021 ein Projekt gestartet, das E-Autos mit 100 % Ökostrom für Touristen online buchbar und Ausflüge ins Bamberger Land und in der Stadt attraktiv macht.


Touristische Kooperationen

Wie wichtig gerade in solchen Zeiten unsere touristischen Kooperationspartner waren, lässt sich kaum ermessen. Sie sind es, die uns mit ihren Kampagnen und Plattformen eine irrsinnige Reichweite für unsere Angebote bieten und so den Boden für unsere Arbeit bereiten und uns helfen, mit ihren Maßnahmen und ihrer Marktpräsenz die Fahne immer weiter hochzuhalten, auch in Zeiten klammer Kassen. Frankentourismus, die Fränkischen Städte, die BurgenstraßeBayern Tourismus und der Verein der Welterbestätten und auch der Steigerwald – der solidarische Zusammenhalt im Tourismus und der offene Austausch untereinander ist eine der großen Stärken unserer Branche.

Neue Tourismusreferentin

Einige Neuerungen im Zuschnitt der Referate innerhalb der Stadtverwaltung brachte uns im Sommer 2021 zurück ins Kulturreferat. Ulrike Siebenhaar ist seitdem als Leiterin des Referats Kultur, Welterbe und Tourismus auch unsere neue Tourismusreferentin. Damit sind wir wieder im Reigen der großen städtischen Kulturinstitutionen: Museen, VHS, Musikschule, Stadtarchiv, ETA Hoffmann Theater, Zentrum Welterbe und Kulturamt. Auch sind hier nun alle sog. budgetierten Einrichtungen der Stadt Bamberg angesiedelt, die Ämter also, die ihre Budgets eigenverantwortlich führen und zu großen Teilen durch ihre eigene Arbeit erwirtschaften. Die Zusammenarbeit mit den Kunst- und Kulturinstitutionen und die Vereinigung in einem gemeinsamen Referat unter der fachkundigen Leitung von Ulrike Siebenhaar unterstützen unsere Schwerpunktsetzung „Kunst und Kultur“ im Marketing des TKS. Wir freuen uns auf den weiteren Weg mit ihr, nachhaltigen und kulturorientierten Tourismus in Bamberg voranzubringen. Dank gebührt Herrn Goller für seine Interimszeit 2020-2021, die Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor bleibt ja bestehen!

TKS intern

Vom 2. November 2020 an bis zum 18. Mai 2021 war die Tourist Info komplett geschlossen, die Mitarbeitenden in Kurzarbeit 100 %. Und auch im back office, im Bereich der Buchungsabwicklungen ging teilweise gar nichts mehr, so dass auch hier anteilige Kurzarbeit angesagt war. Im Sinne von Amtshilfe haben viele unserer Mitarbeitenden in dieser Zeit insgesamt weit mehr als 400 Stunden im Impfzentrum beim Telefondienst ausgeholfen und damit einen Beitrag geleistet zur Eindämmung der Pandemie. Besonders in diesen Monaten war home-office flächendeckend an der Tagesordnung, so dass teilweise nur ein bis zwei Mitarbeitende in der Geyerswörthstraße die Stellung hielten, während alle anderen ihren Dienst aus dem heimischen Ersatzbüro geleistet haben. Viele Projekte, die ein persönliches Miteinander erfordert hätten oder eine größere Runde, blieben auf der Strecke und wurden immer wieder verschoben.

Nach dem Restart am 19. Mai haben wir Führungen angeboten mit kleinster Teilnehmerzahl und entzerrten Anfangszeiten, damit wir die Stadt nicht mit zu vielen Gruppen bevölkern. Aber im Gegensatz zu 2020 ging es nach dem Ende des langen Lockdowns nur sehr langsam wieder los. Die Änderungen der Corona-Schutzmaßnahmen für Führungen und alle anderen Angebote kamen in den ersten Monaten nach dem Restart im Wochenrhythmus und hielten uns, unsere Gästeführerinnen und Gästeführer und all unsere Partner auf Trab, damit man nicht mit seinem Angebot plötzlich in die Illegalität abrutschte. Einen Anklang an 2019 hatte die Nachfrage erst ab Mitte Juli und hielt bis Mitte September an und brach ab Oktober wieder deutlich ab. Die einschneidenden Beschränkungen ab November kamen dem Lockdown im Jahr 2020 ziemlich nahe und brachten wieder Tristesse und Leere in die Tourist Info.

Bis zum 23. September hatten wir in unserem Tagungsraum ein Testzentrum als Dauermieter, eine glückliche Kombination für Gäste, die je nach Stand der Dinge für Angebote oder zumindest für die Übernachtung Testnachweise benötigten. Seit Dezember 2021 hat im Foyer des Tagungsraums erneut ein Testzentrum seine Arbeit aufgenommen.

Ausblick

Dass einmal das Kaffeesatzlesen zu den vordringlichsten Aufgaben einer Tourismusstelle werden würde, hätten wir vor zwei Jahren auch noch nicht gedacht. Aber es ist und bleibt schwer, vorherzusagen, wie sich der Tourismus weiterentwickeln wird, wenn sich die Pandemie einmal endgültig und weltweit erledigt haben sollte. Zahlreiche Studien und Umfragen bescheinigen dem Tourismus zwar eine durchaus große Resilienz und eine starke Beharrung der Kräfte, die sich einfach nur nach Normalität sehnen und das „Alles wieder so wie früher“ herbeireden, aber es gibt durchaus auch Anzeichen und wissenschaftlich fundierte Szenarien, die bezeugen, dass wir eben nie wieder zu diesem als Normalität definierten Zustand zurückkehren werden. Mehrmals habe ich in diesem Jahresbericht das „normale Jahr“ zur Referenzgröße herbeizitiert. Es ist und bleibt allerdings die Frage, ob es je wieder ein solches „normales Jahr“ geben wird. Aktuell scheint die Zahl der Buchungsanfragen zwar anzuziehen, vielleicht profitieren wir noch einmal ein weiteres Jahr vom Trend zum sicheren „Urlaub im eigenen Land“. Die Studien bescheinigen den Deutschen auch eine ungebrochene Reiselust, und finanziell scheint die Pandemie bei Vielen kein so großes Loch in die Geldbeutel gerissen zu haben, dass es sie vom Reisen abhalten würde. Wir merken gerade auch, dass die Buchungsanfragen anziehen, für den Sommer sowieso, aber es kommen auch kurzfristige Buchungen rein. Aber es bleibt ein Restrisiko, dass wir uns auf Dauer auf ein verändertes Reiseverhalten einrichten müssen. Wohl dem, der Kaffeesatzlesen gelernt hat!

Am Schluss bleibt unser dringendes Bedürfnis, all unseren Partnern ein großes Dankeschön auszusprechen. Wir alle haben schwere Zeiten hinter uns und stecken noch mitten in den Schwierigkeiten. Umso dankbarer macht es uns, dass unsere Partner bei den Erlebnisangeboten, in der Hotellerie, in der Gastronomie, bei den Gästeführerinnen und Gästeführern, im Einzelhandel und in unseren touristischen Verbänden und Kooperationen alle bei der Stange geblieben sind und durchhalten. Ja, eigentlich haben sie noch mehr Engagement an den Tag gelegt als sonst schon, um diese Zeit durchzustehen. Es gab auch Tage zum Einigeln, aber dieses enorme Durchhaltevermögen all unserer Partner bestärkt uns in der Überzeugung, dass in unserem Metier die Leidenschaft einfach ein wesentlicher Antriebsfaktor ist für unsere Arbeit. Nun hoffen wir für 2022, dass zur Leidenschaft wieder hinzukommt, dass wir damit auch Geld verdienen und davon leben können.

Das Glück liegt unter 100 – oder: Danke Austria!

Was auch immer letztlich den Ausschlag gegeben haben mag – Ungeduld, Mitleid, Erwägungen des Staatsetats, die Plädoyers aus der Branche, der leichte Trend der Inzidenzzahlen nach unten, der leichte Trend der Meinungsumfragen nach unten, der Blick auf leere Biergärten bei schönstem Wetter, die Absage der Wiesn – was auch immer es war, der Tourismus hat auf einmal eine Öffnungsperspektive! Und wir sagen ‚Vergelt’s Gott‘ und hoffen, dass das angesichts der weiter prekären pandemischen Lage gut geht!

Nach einem satten halben Jahr Nichts sind wir mit dieser Ankündigung des Ministerpräsidenten, die sich gestern angedeutet hatte und heute in der Pressekonferenz nach Koalitionsrunde und Kabinettssitzung bestätigt wurde, schon fast ein bisschen überfordert, aus derart heiterem Himmel kamen sie, diese Worte, auf die wir alle schon so lange warten. Wer das nach all der Zeit, ich kann’s Ihnen nicht verdenken, nur schwarz auf weiß glaubt, hier der entsprechende Ministerratsbericht von heute oder auch der Bericht vom BR dazu.

In ganz Bayern soll also wieder was gehen! In ganz Bayern? Nein! Denn Voraussetzung ist in jedem Fall die stabile Inzidenz unter 100 – und als „stabil“ gilt, wenn die Inzidenz über einen Wochenzeitraum ohne größere Schwankungen unter der magischen Marke von 100 bleibt, wie der Gesundheitsminister klarstellte. Derzeit sind das 19 Landkreise und kreisfreie Städte. Überall dort also, kann schon ab kommendem Montag, den 10. Mai 2021, die Außengastronomie bis 22 Uhr wieder öffnen. Auch Konzert- und Opernhäuser, Theater und Kinos dürften wieder öffnen. Alles unter der Maßgabe von negativen Corona-Tests (ich nehme an, dann auch ebenbürtig mit dem Nachweis doppelter Impfung oder der Genesung), Terminbuchung und Maskenpflicht, Abstand, gestaffelten Plätzen usw. Und die jeweilige Kreisverwaltungsbehörde muss einen entsprechenden Antrag beim Gesundheitsministerium stellen, en gros. Selbst „kleinere Open-Airs“ wurden als denkbar erwähnt. Diese Öffnungsschritte folgen der bereits in der 12. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung niedergelegten Logik, siehe § 27, die nun einige Male fortgeschrieben wurde, zuletzt bis 9. Mai 2021.

Da wird jetzt also eine neue Fassung kommen, denn in der 12. Version steht noch das kategorische Beherbergungsverbot mit drin. Und heute wurde angekündigt, dass bei einer stabilen Inzidenz unter 100 – auf die Minute mit Gongschlag Beginn der Pfingstferien – ab Freitag, den 21. Mai 2021, Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze wieder freizeittouristische Gäste beherbergen dürfen. Hier soll vom Ministerium noch ein entsprechendes Konzept (u. a. Terminvereinbarungen, 48 Stunden Tests, Abstands- und Hygienemaßnahmen) für inzidenzabhängige Öffnungen kommen. Dieses Konzept wird allerdings die infektiologische Gesamtlage berücksichtigen und eine Rücknahme der Öffnungen bei entsprechender Inzidenzentwicklung vorsehen. Das Gleiche gilt für spezielle touristische Infrastrukturen – das ist das Schlüsselwort für Freizeiteinrichtungen und touristische Dienstleistungen, wie z.B. Führungen. Hier soll die Regelung noch näher spezifiziert werden. Davon wird abhängen, was wir anbieten dürften. Die 13. BayIfSMV wird also spannend! Ich melde mich wieder, sobald wir hier Genaueres erfahren, versprochen!

Trotz allem insgesamt eine schwierige Situation für den Betrieb touristischer Einrichtungen, diese Unsicherheit im Wochenrhythmus, und eine folgenreiche Entwicklung für die ganze Tourismusregion Bamberg, denn derzeit ist nur die Stadt im fünften Tag recht stabil unter 100, der Landkreis bleibt stabil über 100, was bedeuten würde, dass – mal so, mal so – unsere gemeinsame Destination auseinandergerissen wird, denn bei über 100 gilt immer noch die übergeordnete, nicht verhandelbare Bundesnotbremse.

Für die Stadt Bamberg sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass damit ab kommenden Donnerstag wieder die lockereren Regeln jenseits der Bundesnotbremse gelten, das heißt u.a. für den Einzelhandel wieder Click & Meet ohne Testpflicht, und Museen und Ausstellungen können mit Terminvergabe und den bekannten Regeln gemäß § 23 12. BayIfSMV wieder öffnen und die nächtliche Ausgangssperre entfällt.

 

Ganz ehrlich? Gestern fiel es mir wirklich schwer, den Meldungen Glauben zu schenken. Ich habe erst gedacht, da hat einer eine Ente in die Welt gesetzt, um ein wenig Druck aufzubauen, zumal der Bayerische Rundfunk sehr zögerlich war mit der Meldung. Auch als es sich als wahr entpuppte, wurde ich einen Gedanken nicht ganz los, nämlich dass dieser Schritt – honi soit qui mal y pense – auch ein ganz kleines bisschen „to keep up with the Joneses“ war. Denn es ist nur wenige Tage her, dass unsere touristisch nicht ganz unbedeutenden Nachbarn, die Österreicher, verkündet hatten, dass bei ihnen ab 19. Mai wieder alles aufmacht. Und das kann man sich ja wirklich nicht ge… Aber hier schweigt des Sängers Höflichkeit, ich will unsere Staatregierung stattdessen heute lieber mal wieder loben, denn zwei Sätze im heutigen Bericht gingen der geschundenen Seele des gemeinen Touristikers runter wie Öl.

Ich zitiere:
Die Tourismusbranche ist ein Lebensnerv der bayerischen Wirtschaft
und
Bayern sei nicht nur ein Tourismusland, sondern es sei für die Menschen auch „psychologisch und seelisch wichtig, dass wir eine Perspektive haben!“

Dem habe ich nun ausnahmsweise mal nichts hinzuzufügen.

 

Tourismus in Bamberg – Die Bilanz des Jahres 2020

Tja, welcher Begriff steht unter dem Schlussstrich der Bilanz dieses vergangenen Jahres? Katastrophe? Desaster? Trauerspiel? Oder hält man es doch mit der Queen und greift noch einmal das annus horribilis aufMir gefällt, ehrlich gesagt, eine Formulierung aus dem Antragsformular für die Überbrückungshilfen III am besten: eine „…  schwerwiegende Veränderung der Geschäftsgrundlage“.
Was für eine prächtige Formulierung, die gerade in ihrer bürokratischen Schwerfälligkeit exemplarisch für all das steht, was uns 2020 im Tourismus heimgesucht hat. Diese formalistisch-kafkaeske Sprache fand sich auch in all den Paragraphen und Anordnungen, Verordnungen, Rahmenkonzepten und Hilfsantragsformularen wieder, die unser Jahr 2020 beherrschten. Die nüchterne Sachlichkeit dieser Formulierung stülpte sich in absurder Weise über die ganze menschliche Dramatik und über die wirtschaftlichen Schrecken der Pandemie.

Die leere Stadt – ein Sinnbild dieses Corona-Jahres, (c) Special moments Medienagentur

„Schwerwiegende Veränderung der Geschäftsgrundlage“

Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem sie die ITB kurz vor knapp abgesagt haben. Es war der 28. Februar 2020, wenige Tage vor Beginn, die ersten Messebauer waren schon längst zugange gewesen. Und dann das! Unerhört! Unfassbar! Wegen einem Virus! Aber spätestens da wurde auch den Touristikern in aller Welt klar, dass da mehr auf uns zukommen würde, als nur eine kurze Störung.

Und trotzdem konnte sich niemand vorstellen, mit welcher Geschwindigkeit sich in der Folge Stunde um Stunde und Tag für Tag die gesamten Grundlagen unseres Geschäftes im Nichts der Pandemie auflösen würden. Nach wie vor unfassbar.

Eine solche Rückwärtsbewegung haben wir noch nicht erlebt. Nach den ersten beiden Monaten des Jahres, die ein gutes Geschäftsjahr erwarten ließen, ging es nun darum, auf Teufel komm raus zu stornieren statt zu buchen, abzubauen statt aufzubauen, unseren Gästen abzusagen statt sie zu begrüßen. Wir mussten erleben, wie Touristen im Verlauf der Pandemie eher als Bedrohung wahrgenommen wurden denn als willkommene Besucherinnen und Besucher. Eine „schwerwiegende Veränderung der Geschäftsgrundlage“, das kann man wohl sagen. Spaßeshalber habe ich anhand der Blogeinträge hier mal auf einer Seite ein paar der wesentlichen Entwicklungsschritte, wie sie uns betrafen, stichwortartig und ohne Anspruch auf Vollständigkeit zusammengetragen, von der ersten Welle über den Sommer der Hoffnung bis zum abrupten Ende im November.

Statistisches und Umsatzzahlen

Sieht man sich die nackte Statistik an, dann sind wir, was die Übernachtungen anbetrifft, mit 441.424 Übernachtungen ungefähr wieder auf dem Stand von 2010, ein Minus von 41,4 %. Damit befinden wir uns nahezu exakt im gesamtfränkischen Schnitt von -41,8 %. Die Bettenauslastung, wen wundert es, fiel von den letztjährigen sagenhaften 51,8 % auf 35,7 %, die Aufenthaltsdauer verblieb bei 1,8 Nächten. Im Bamberger Land gab es 261.628 Übernachtungen, ein Minus von 32,3 %, die Bettenauslastung fiel hier auf 24,5 %, dafür stieg die Aufenthaltsdauer auf 2,3 Nächte. Zusammen sind wir damit wieder bei 703.052 Übernachtungen in Stadt und Land, nachdem wir vor vier Jahren erstmals gemeinsam die Millionenmarke überschritten hatten.

Und da können wir uns noch glücklich schätzen mit diesen Zahlen. Die großen Städte mit ihrem Messegeschäft, ihrem hohen Geschäftsreiseanteil und ihrem größeren Aufkommen ausländischer Reisender weisen Verluste von bis zu 60 % auf. Bei uns machte sich im Laufe des Sommers vor allem die langjährige Kooperation mit dem Bamberger Land positiv bemerkbar, insofern als wir den „Urlaubern im eigenen Land“ aufzeigen konnten, dass sie hier in der Kombination von Stadt und Land hervorragende Bedingungen, auch unter den Vorzeichen einer Pandemie, vorfinden.

Was unsere Führungen anbetrifft, unser Brot- und Buttergeschäft mit einem Umsatzvolumen von über 900.000 € in einem normalen Jahr, so beamten uns die insgesamt 2.747 Führungen (-68,7 %) mengenmäßig wieder zurück ins Wendejahr 1989, der Umsatz fiel auf 220.670,- € (-75,8 %), was auch auf die für den Kunden günstigeren kurz&kompakt-Führungen und die niedrigere Teilnehmendenzahl zurückzuführen ist. Die reine Anzahl der öffentlichen Führungen für Einzelreisende lag bei respektablen 1.492 Führungen, nur rund 200 Führungen weniger als 2019.

Besonders heftig traf die Pandemie das Geschäft mit den Gruppenreisen. Ein Minus von – 90,8 % ließ diesen Geschäftszweig 2020 auf einen Umsatz von 15.982,- € schrumpfen, das Vermittlungsgeschäft von Gruppenangeboten sank ebenfalls um – 90,5 % auf nur 7.791,- €.

127 Buchungen im Bereich der Pauschalreisen (-60,3 %) führten zu einer Umsatzminderung von 64,9 % auf 76.430,- €.

Der Umsatz in der Tourist Info erreichte zwar in den formidablen Monaten August und September annähernd das Vorjahresniveau, aufs ganze Jahr gesehen aber sinkt auch dieser Umsatz um 45,7 % auf 288.267,- €.

Ein klares Signal in Richtung Digitalisierung zeigt die Entwicklung der Online-Verkäufe von Tickets für die Premiumprodukte des TKS wie Stadtführung, BAMBERGcard, BierSchmeckerTour und diverse Themenführungen. Hier lag der Umsatz mit 70.679,- € nur 9,3 % unter dem Vorjahresergebnis.

Alles in allem sind wir weit weg von den rund 2,4 Mio. €, die wir in einem normalen Jahr durch unsere Arbeit direkt erwirtschaften, ja die ganze Branche ist weit weg von den rund 330 Mio Euro Bruttoumsatz, die der Tourismus allein in Bamberg Jahr für Jahr erwirtschaftet hat in den letzten Jahren.

Unsere Recovery-Maßnahmen

Eine ganze Reihe von Maßnahmen haben die positive, oder sagen wir „weniger negative“ Entwicklung der Sommermonate gefördert. Allein die Zusage, alle gebuchten Leistungen – mit drei Arbeitstagen Vorlauf – kostenlos stornieren zu können, hat Wirkung gezeigt und gilt bis heute gemäß verschiedener Studien als eine der wesentlichen Buchungskriterien. Daher haben wir diese Zusage bereits auf das gesamte Jahr 2021 ausgeweitet.

Mit der Kampagne #wirsindBamberg präsentierten wir auf der Website und auf allen Social Media Kanälen – unter anderem einem eigens dafür aufgebauten Instagram-Account – die Vielfalt der touristischen Anbieter in Stadt und Land und haben damit Lust auf einen späteren Besuch gemacht.

 

Die Pauschalreise „Stadt – Land – Fluss“ stellte mit ihren fünf Übernachtungen einen gezielten Versuch dar, die Urlauber im eigenen Land für einen längeren Aufenthalt in der Region zu gewinnen.

Da es schwer einzuschätzen war, wie gut die Menschen nach der Wiedereröffnung der Tourist Info persönliche Stadtführungen annehmen würden, haben wir pünktlich zum Restart im Mai eine Stadtrallye für Erwachsene aufgelegt, die den Leuten eine einfache Möglichkeit bietet, Sehenswürdigkeiten auf spielerische Art und Weise eigenständig erkunden zu können.

Auch bei den Führungen selbst reagierten wir und haben diese ab dem 30. Mai in einer neuen Form als kurz & kompakt-Version aufgelegt: Nur eine Stunde mit maximal 12 Personen. Auch einige buchbare Themenführungen wurden in diesem Format angeboten. Ab 1. August war bei den öffentlichen Führungen dann wieder eine normale, zweistündige Fassung mit maximal 15 Personen möglich, alles immer mit Registrierung und Abstandsgebot, später auch mit Maske.

Letztlich haben wir unser gesamtes Broschürenportfolio umgebaut. Zugegeben, einiges hatten wir schon im Januar in unserer Strategieklausur ohnehin so geplant, aber Corona bescherte uns dann noch so manche Umplanung der Neuplanung der Planung. Ganz neu sind u.a. bereits folgende Objekte:

Mit einem neuen Rundgang durch die Stadt und das Bamberger Land wartet die Imagebroschüre BAMBERGER auf.

Ein Stadt- und Umlandplan auf einen Blick als einfache Handreichung, das war schon lange unser Traum, jetzt gibt es ihn als eigenständigen Einzelplan in hoher Auflage.

Alle Reiseangebote für 2021, Führungen, Pauschalreisen, Ausflüge, Partnerrestaurants und -hotels sowie Gruppenangebote – es ist alles da, jetzt muss nur noch jemand reisen dürfen.

Die Bamberger Bierwelten. Zusammengefasst in einer ganz neuen Broschüre findet sich hier alles rund um die Bierkultur in Stadt und Land samt Auflistung aller Brauereien und Bierkeller.

In den letzten Zügen ist eine kompakte Version eines englischen Stadtplans und es steht noch aus die Produktion einer Broschüre für die Erlebnisangebote samt Kulturangeboten und Ausflügen, sowie eine eigene Kulinarikbroschüre. Aber hier warten wir noch eine Verstetigung der Lage ab, damit die Produktion mit aktuell gültigen Daten überhaupt Sinn macht.

Ansonsten haben wir den Schwerpunkt der Angebotsdarstellungen nochmal deutlich ins Digitale verlagert, nicht nur wegen Corona, sondern auch aufgrund der Entwicklung der letzten Jahre. Print ist zwar immer noch gefragt und nach wie vor in Teilbereichen unerlässlich, aber die Nutzungsverschiebung ins Netz hat gerade in den letzten zwei, drei Jahren eine solche Dynamik erfahren, dass dieser Schritt überfällig war.

Und schließlich lief im Hintergrund, ganz lautlos aber mit großer Zukunftsorientierung, unser Umbau des Buchungssystems, um in Zukunft digital alles aus einer Hand buchen zu können: Das neue TSmart, das noch im Laufe des Jahres 2021 unser Buchungssystem auf neue Füße stellen wird, ist für uns vorwiegend in Bezug auf die Buchungsabwicklung im Hintergrund wichtig, für unsere Kunden und Partner aber vor allem im Vertrieb ein wichtiges neues Instrument.

Auch die Website www.bamberg.info litt unter Corona und so fiel die Zahl der unique visitors im Jahr 2020 um 45 % auf nur noch 438.027. Ein Problem dieser Statistik ist allerdings, dass dies grundsätzlich keine validen Daten mehr sind. Seit der gesetzlich vorgeschriebenen Zustimmungserklärung zur Datenverarbeitung jedes einzelnen Nutzers ist keine dieser Statistiken mehr repräsentativ, weil seitdem die Daten nur noch von einem Teil der Nutzer erfasst werden können, alle anderen segeln unter dem Radar der Statistik mit.

Der vorliegende Tourismusblog www.blog.bamberg.info entwickelte sich in Coronazeiten zum wesentlichen Kommunikationsmedium des TKS für seine Partner und veröffentlichte in insgesamt 47 Meldungen rund um Corona umfassend alle Neuerungen, alle Verordnungen, Konzepte und Hilfsangebote brandaktuell und war für viele eine Quelle verlässlicher Informationen.

Touristische Kooperationen

Am Beispiel des coronabedingten Einbruchs der Nutzerzahlen auf unserer Website lässt sich auch sehr gut demonstrieren, wie wichtig gerade in solchen Zeiten unsere touristischen Kooperationspartner sind. Während bei uns und allen anderen Destinationen zum Beispiel die Website-Nutzerzahlen und auch sonstige Anfragen gesunken sind, stiegen sie bei unseren Partnern sogar an. Sie widmen sich der Inspiration und Informationsaufbereitung und bieten immer wieder neue Plattformen mit irrsinniger Reichweite für unsere Angebote und bereiten so den Boden für unsere Arbeit und helfen mit ihren Maßnahmen und ihrer Marktpräsenz, die Fahne immer weiter hochzuhalten, gerade auch in solchen Zeiten. Frankentourismus, die Fränkischen Städte, die BurgenstraßeBayern Tourismus und der Verein der Welterbestätten und auch der Steigerwald – der solidarische Zusammenhalt im Tourismus ist eine der großen Stärken unserer Branche, so empfinde ich es zumindest immer.

Neuer Tourismusreferent

Innerhalb der Stadt hat sich nach der Kommunalwahl einiges für den TKS geändert. Wir sind nach vielen Jahren im Kulturreferat wieder ins Wirtschaftsreferat zurückgekehrt. Auf der Referentenebene ist somit seit dem Sommer der Wirtschafts- und nun auch Tourismusreferent Stefan Goller für uns und den Tourismus zuständig. Christian Lange gilt unser Dank für seine langjährige Begleitung und Förderung des Tourismus in seiner Funktion als Bürgermeister und Tourismusreferent.

In Stefan Goller haben wir nun einen ausgesprochenen Experten für den Wirtschaftsstandort Bamberg an der Seite und haben ihn bisher als sehr konstruktiven, zugewandten und zukunftsorientierten Referenten kennengelernt. Wenn die Pandemie einmal vorüber ist, werden Sie ihn sicherlich auch in Bälde einmal in seiner neuen Funktion kennenlernen.

Tourismusverträglichkeit

Auch wenn im Corona-Jahr auf einmal ganz andere bayerische Regionen mit dem Thema „Overtourism“ konfrontiert wurden, so war das Thema „Tourismusverträglichkeit“ auch bei uns nicht völlig verschwunden. Gerade durch die Abstandsgebote wurde im Sommer schnell klar, dass der öffentliche Raum auch mit weniger Tourismus schnell zu stark beansprucht wurde, zumal die Innenräume der Gastronomie weniger genutzt wurden und das Leben vorwiegend draußen stattfand.Bamberg nahm mit dem Thema „Besucherlenkung“ an einem internationalen Wettbewerb des Bundesinnenministeriums teil und hat als Preisträger in seiner Kategorie nun die Chance, im Rahmen der Smart City Kampagne dieses Thema stärker konkret in den Fokus zu nehmen.

TKS intern

Erstmalig war es im öffentlichen Dienst aufgrund des eigenen Covid-Tarifvertrags ab Mai möglich, Kurzarbeit anzumelden, was für die meisten Mitarbeitenden des TKS in unterschiedlichen Anteilen auch Realität wurde und bis heute anhält. Zusätzlich zum Wegfall der Arbeitsgrundlage und des Kontakts zum Kunden und vieler Partner und der Kolleginnen und Kollegen war dies eine einschneidende Erfahrung für viele Mitarbeitenden des TKS. Ab dem Herbst kam dann umfangreiches Arbeiten aus dem home-office hinzu, was einerseits eine tolle Möglichkeit ist, flexibel zu arbeiten und den pandemiebedingten Umständen Rechnung zu tragen, aber andererseits das persönliche Miteinander im Team sehr vermissen lässt.
Insgesamt hatte die Tourist Info zwei Monate im Frühjahr komplett geschlossen und auch wieder exakt zwei Monate ab November 2020. Provisorisch umgebaut gemäß Hygieneplan war die Tourist Info schon im Sommer ein gewöhnungsbedürftiger Anblick, aber so eine leere, komplett verlassene Tourist Info ist noch einmal ein besonders schmerzlicher Anblick.

Ausblick

An dieser Stelle bleibt nur die Referenz an Oasis, die vor langer Zeit mit „Don’t look back in anger!“ den einzig sinnvollen Umgang mit dem Jahr 2020 formuliert haben, um den Blick nach vorne richten zu können. Auch wenn es in diesen Februartagen gerade besonders perspektivlos erscheint, im Laufe dieses Jahres wird es wieder Reisen geben, wird die Buchungslage kurzfristig anziehen und vielleicht noch einmal ein weiteres Jahr auf uns zukommen, in dem der „Urlaub im eigenen Land“ in den Fokus Vieler gerät. Erste Studien bescheinigen den Deutschen eine ungebrochene Reiselust, auch finanziell scheint die Pandemie kein so großes Loch in die Geldbeutel gerissen zu haben, dass es vom Reisen abhalten würde. Solange im Frühsommer, Sommer und Herbst wieder etwas geht und der Trend dann anhält und nicht in eine dritte Welle mündet, kann dieses Geschäftsjahr noch befriedigend werden. Gut kann es durch den bereits erfolgten Verlust des Weihnachtsgeschäfts, der Nullnummer im ersten Quartal und der tiefsitzenden Unsicherheit der Kundschaft bereits nicht mehr werden.

Tourismusentwicklung 2019

Es gibt Menschen, die Zahlen lieben. Die in Kennziffern und Daten schwelgen und sofort anfangen zu rechnen, zu vergleichen und neue Zahlen ins Verhältnis zu setzen, sobald sie des Zahlenmaterials habhaft werden. Unter bayerischen Touristikern bricht regelmäßig ab Februar ein Fieber aus, das nur durch eine Mail aus Schweinfurt kuriert werden kann. Denn dort befindet sich das Statistische Landesamt und die Kollegin dort verschickt in der zweiten Februarwoche die Dezemberzahlen des Vorjahres und vollendet damit statistisch gesehen das jeweilige Jahr. So wissen wir nun, dass mit Ablauf des Jahres 2019 die Übernachtungszahlen im Vergleich zum Jahre der Ernennung zum Weltkulturerbe endgültig den dreifachen Wert erreicht haben. Auf diese lange Zeit gesehen also eine respektable Entwicklung. 1993 waren es 250.000 Übernachtungen, 2019 haben wir 753.220 Übernachtungen erreicht. Wenn man bedenkt, dass sich die Zahl der Städtereisen weltweit allein seit 2007 verdreifacht hat, also in nur der Hälfte der Zeit, merkt man, dass wir in Bamberg doch immer noch ein wenig gemächlicher unterwegs sind, als es der weltweite Trend vorgibt. Dennoch ist auch diese Steigerung der Übernachtungen weiter immens, auch wenn man darauf hinweisen kann, dass die Übernachtungsgäste ja die sind, die wir erreichen wollen. Das Plus von + 6,4 % lässt sich natürlich auch zu einem großen Teil auf die Eröffnung neuer Hotels zurückführen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer tritt mit 1,8 Nächten pro Person auf der Stelle und verharrt standhaft im bundesweiten Schnitt des Städtetourismus. Herausragend hingegen ist die Bettenauslastung. Sie ist trotz des Anstiegs der Gesamtbettenzahl auf 3.875 Betten weiter gestiegen und liegt mittlerweile bei 51,8 %. Wenn man bedenkt, dass hier tatsächlich die belegten Betten gezählt werden und nicht belegte Zimmer, kann man nachvollziehen, was dieser Wert bei dem größtenteils vorherrschenden Besatz mit Doppelzimmern tatsächlich für die Hotelauslastung bedeutet. Das von der Stadt initiierte Hotelentwicklungskonzept soll im Laufe des Jahres 2020 Aufschluss darüber geben, wie und bis wohin sich die Hotellandschaft in Bamberg weiter entwickeln soll.

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Bamberg und sein Tourismus – Entwicklungen, Effekte und Verträglichkeit

Overtourism ist seit Jahren in aller Munde, wenn es um bestimmte Städte wie Dubrovnik, Venedig oder Barcelona geht. Neuerdings sprechen manche Fachleute auch gerne von „Overcrowding“, was vielleicht ehrlicher ist, denn es bezieht nicht nur die Besucherinnen und Besucher mit ein, sondern alle Nutzer des öffentlichen Raums, die sich aneinander reiben, wenn es eng wird in einer Stadt. Dadurch ergeben sich vielleicht ganz neue Lösungsansätze, wenn man den Blick weitet und alle, die sich ein und denselben Lebensraum teilen, mit in den Blick nimmt.
Wir beobachten sehr genau, was die großen Reiseziele unternehmen, um ihrer Flut an Besuchern Herr zu werden. Da auch in Bamberg an manchen Tagen an einigen Orten der Punkt erreicht wird, an dem man sich als Bewohner oder Bewohnerin überfordert fühlt von der schieren Menge an Menschen, die sich in unserer Stadt tummeln, beschäftigt uns das Thema auch schon lange. Seit Jahren setzen wir Maßnahmen um, die die Verträglichkeit touristischer Effekte verbessern sollen. In der Broschüre „Tourismus in Bamberg 2019 – Entwicklungen, Effekte, Verträglichkeit“ fassen wir unsere Position dazu aktuell zusammen und zeigen unsere Palette an Maßnahmen auf, die wir in den vergangenen Jahren hinsichtlich eines verträglichen Tourismus unternommen haben.

ADAC Tourismuspreis 2020 – Jetzt bewerben!

Aktuell läuft wieder die Ausschreibung für den Bayerischen Tourismuspreis, den der ADAC (Nord- und Südbayern) heuer in Kooperation mit der Bayern Tourismus Marketing GmbH und dem DEHOGA Bayern e.v. vergibt. Neben Ruhm und Ehre – braucht’s überhaupt mehr? – winkt dem Siegerangebot ein attraktives Marketing- und Kommunikationspaket zur weiteren Promotion. Letztes Jahr hat übrigens der Baumwipfelpfad Steigerwald den zweiten Preis gewonnen! Chapeau!

Bewerben können sich alle touristischen Leistungsträger – Unternehmen, Verbände, Vereine, Landkreise, Gemeinden, Kommunen, Privatpersonen, Netzwerke und Arbeitsgemeinschaften – mit Sitz in Bayern. Die Projekte sollten in Sachen Qualität, Service, Gästeorientierung, Kreativität, Nachhaltigkeit und Originalität hervorstechen und sich durch einen hohen Innovationsgrad auszeichnen. Dieses Jahr gibt es obendrein auch wieder den Sonderpreis Digitalisierung. Die Projekte müssen innerhalb der letzten drei Jahre installiert worden sein und bereits laufen, so dass ein messbarer Erfolg nachgewiesen werden kann. Dieses Fact-Sheet beinhaltet die Ausschreibungsunterlagen. Garniert werden sollten die Unterlagen mit aussagekräftigen Fotos, Videos, Power-Point-Präsentationen, Prospekten, was auch immer. Auch da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Nur wer wagt, gewinnt! Am 31. Juli ist Einsendeschluss!