Mittwoch, 1. Juli 2026 (10:34)
Stadtspaziergang mit OB Sebastian M. Niedermaier
Morgens um 9 Uhr in Bamberg. Noch ist es ruhig in der Stadt. Ein paar Lieferfahrzeuge stehen in der Fußgängerzone, manch einer ist auf dem Weg zur Arbeit – Touristinnen und Touristen aber sind kaum unterwegs.
Doch genau um diese geht es bei dem Treffen zwischen Bambergs neuem Oberbürgermeister Sebastian Martins Niedermaier und Tourismusdirektor Michael Heger. Die beiden befinden sich auf einem Rundgang durch die Stadt, um über den Tourismus zu sprechen.
„Im Jahr 2025 wurden in Bamberg 830.000 Übernachtungen gezählt“, sagt Heger im Gespräch. Damit sei Bamberg aus touristischer Sicht hinter Nürnberg (3,8 Millionen) und Würzburg (1,1 Millionen) die drittstärkste Stadt in Franken. „Hinzu kommen noch rund 7,4 Millionen Tagestouristen – wobei zu den Tagestouristen auch Landkreisbewohnerinnen und -bewohner gehören, die in ihrer Freizeit in der Stadt unterwegs sind“, erklärt Heger das Zustandekommen der hohen Zahl.
Finanziell spülen diese Gäste einen Bruttoumsatz von 390 Millionen Euro im Jahr in die Bamberger Wirtschaft. Anders formuliert: 6000 Menschen könnten ihr Primäreinkommen aus dem Tourismus beziehen. „Wäre der Tourismus ein Arbeitgeber, wäre er der größte der Stadt“, überschlägt Oberbürgermeister Niedermaier und betont damit die regionale Wertschöpfung des Tourismus.
Bei der ersten Station des Rundgangs, dem Schuhhaus Zeller, bestätigt Inhaber Andreas Zeller die Bedeutung des Tourismus aus Sicht des Einzelhandels: So erwirtschafte der Laden in einem tourismusschwachen Wintermonat nur ein Drittel des Umsatzes eines Sommermonats, in dem Touristinnen und Touristen schon mal bis zu 80 Prozent des Umsatzes bringen. „Ohne unsere Touristen, könnten wir als kleines Einzelhandelsunternehmen in der Innenstadt nicht bestehen“, so Zeller. Seiner Erfahrung nach sind es vor allem die Schiffsreisenden und neuerdings verstärkt die Camper sowie die Tagestouristen, die bei ihm einkaufen gehen.
Matthias Trum, Inhaber der Heller Bräu, erklärt im Gespräch, dass das Schlenkerla zwar auch ohne Touristen funktionieren würde. „Aber es würde anders und insbesondere mit viel weniger Arbeitsplätzen laufen.“ Zudem wäre das Speisenangebot vor allem an Wochentagen mittags ohne den Tourismus deutlich eingeschränkter.
Grundsätzlich, so sind sich alle einig, gelte es, den Tourismus in Bamberg derart zu gestalten, dass er die Wirtschaft stärkt, ohne die Lebensqualität der Einheimischen einzuschränken oder Bamberg zu einer Kulisse werden zu lassen. „Der Tourismus ist in Bamberg eine Branche, deren Umsatz sich noch steigern lässt. Wichtig aber ist, die Authentizität der Stadt dabei nicht zu gefährden“, sagt OB Niedermaier. Ein gutes Beispiel dafür sei das Schlenkerla. „Das Schlenkerla spricht als authentisches Erlebnis Einheimische und Gäste gleichermaßen an und steht exemplarisch für ein Ziel aus dem Leitbild des Bamberger Tourismus Service: Gäste und Einheimische gemeinsam zu denken“, sagt Heger.
Von diesem Ansatz ist auch Tobias Hermann, Hoteldirektor der Villa Geyerswörth überzeugt. Als Hotelbetreiber ist Hermann touristischer Leistungsträger mit einer klaren Zielgruppe: Touristinnen und Touristen. „Unser Restaurant La Villa ist aber ein Angebot für Hotelgäste und für Einheimische gleichermaßen“, sagt Hermann. Daher unterstütze er den Gedanken des touristischen Leitbildes und setze auf eine enge Zusammenarbeit mit dem städtischen Tourismusservice.
Einheimische und Gäste sind eine gemeinsame Zielgruppe
Alfred Seel gehört als Bäckereiinhaber zur so genannten zweiten Umsatzstufe im Tourismus. Dazu zählen beispielsweise Bäcker, die das Frühstücksbuffet eines Hotels beliefern, Blumenläden, die für die Dekoration sorgen oder Handwerker, die die Hotelzimmer in Stand halten. „Gäste wollen diese regionalen Produkte und authentische Erlebnisse. Es ist unsere Aufgabe als TKS, diese Betriebe und ihre Produkte, die auch den Bambergerinnen und Bambergern wichtig sind, mit unserer Arbeit zu unterstützen“, sagt Heger. Für Bäcker Alfred Seel steht fest: Bamberg braucht Touristinnen und Touristen. „Aber die Innenstadt muss auch für Einheimische attraktiv bleiben und teilweise noch werden“, sagt der Bäckermeister. Das entspräche auch den Zielen des neuen touristischen Leitbildes und stehe seit vielen Jahren unter dem Schlagwort „Tourismusverträglichkeit“ im Fokus der Arbeit des TKS, so Heger.
Auch für die Kulturszene Bambergs stehen sowohl Einheimische als auch Gäste der Stadt als Zielgruppe im Vordergrund, wie sich im Gespräch mit Aline Joers vom TiG (Theater im Gärtnerviertel) zeigt. „Beide Gruppen verbringen ihre Freizeit in Bamberg. Wenn Reisende diese Angebote nutzen, sorgen auch sie für den Erhalt dieser Kulturlandschaft“, sagt Heger. Daher ist das Vermarkten von kulturellen Veranstaltungen und Einrichtungen eine Kernaufgabe des TKS. Zudem fungieren die Gästeführerinnen und -führer als Multiplikatoren und geben bei ihren Stadtführungen Tipps fernab der klassischen Touristenattraktionen. „Mit Spielorten beispielsweise im Osten Bambergs kann auch die Kulturszene dafür sorgen, die Besucherströme gleichmäßiger zu verteilen und neue Viertel zu beleben“, bestätigt Joers die positiven Auswirkungen der Zusammenarbeit.
„Tourismus heißt Zusammenarbeit“, resümiert Heger. Sie sorge für ein gutes Miteinander von Gästen und Einheimischen und den Erhalt der Authentizität Bambergs. Die hohe regionale Wertschöpfung durch den Tourismus sorge zudem dafür, dass das Geld der Gäste auch wirklich unmittelbar den Bambergerinnen und Bambergern sowie vielen Betrieben zu gute kommt.





